Schöne Rundungen

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Foto: The Fontenay Die Gäste fehlen mir schon“, meint Thies Sponholz, „momentan bin ich ja eher Baustellendirektor.“ Planmäßig würde er jetzt als Gastgeber des The Fontenay in einem der edelsten deutschen Hotels mit Gästen plaudern, Begrüßungs-kärtchen Das Hamburger Luxushotel The Fontenay setzt auf spezielle Formen. schreiben oder mit den Abteilungsleitern Tagesab-läufe besprechen. Stattdessen beschäftigt er sich mit der An-ordnung von Boden- zu Wand-steckdosen, Estrichhöhen, und Entnebelungsanlagen. „Ich bin schon halber Bauingenieur und Baurechtsexperte“, sagt er schmunzelnd. Eigentlich sollte das Luxushotel an der Ham-burger Außenalster im Juli 2016 eröff-nen. Schöne Rundungen Doch noch wird kräftig ge-hämmert und geschweißt. Der Bau ist spektakulär. Der Ar-chitekt Jan Störmer beschreibt sein Werk so: „Die Grundform besteht aus drei verschliffenen Kreisen im Grundriss, die einen skulpturalen Solitärbau entste-hen lassen, der sich harmonisch in das parkartige Gelände ein-fumeur aus Florenz kreiert das Duschgel, erst nach einiger Re-cherche fand man in Hongkong einen Teppichhersteller für die im Kreis verlaufenden Flure. Das helle Eichenparkett der Zimmer stammt passenderweise aus den Wäldern der burgundischen Abtei Fontenay. Nichts geschieht ohne Abspra-che mit dem Bauherrn Klaus- Michael Kühne von Kühne & Na-gel und seiner Gattin Christine. Der HSV-Mäzen lässt sich die „Hommage an seine Geburts-stadt“ geschätzt 100 Mio. € kos-ten – zudem bringt er viele An-regungen von seinen Reisen und genaue Vorstellungen mit. Die oft beklagte Flut an Vorschrif-ten sei kein Problem. Schließlich sei die Sicherheit der bis zu 560 Menschen im Hotel die wich-tigste Herausforderung. Zuvor stand hier das InterContinental Hotel, geblieben ist der techni-sche Direktor: Oliver Schwitalla war erst in gleicher Funktion im „InterConti“, dann für dessen Abriss zuständig und begleitet jetzt den Bau seines künftigen Arbeitsplatzes. So weiß er später ganz genau, wo die Dutzenden Kilometer Stromkabel verlaufen. Die Technik soll gastfreundlich eingesetzt werden: nicht zu viel High-Tech im Zimmer – so wie die Touchpad-Fernbedienung mit Symbolen, mit der der Gast z. B. die Beleuchtung dimmen, die Vorhänge öffnen oder den Room Service rufen kann. Trotz der modernen Architektur wird es ein eher klassisches Fünf- Sterne-Hotel – ohne durchsich-tige Badabtrennung, Show- küche oder iPad auf dem Nacht-tisch. Dafür wird die ganze Bandbreite des Services bespielt, von Bellboy bis Wagenmeister. Oktober ist der aktuelle Eröff-nungstermin. Bis dahin muss Thies Sponholz mit seinen Abtei-lungsleitern, besonders HR-Ma-nagerin Petra Kraushaar, noch das geeignete Personal finden. Die Mitarbeiter sind am Ende da-für verantwortlich, dass die Gäs-te auch Premium bekommen. „Wir würden auch echtes Alsterwasser servieren, wenn das ge-wünscht ist“, sagt Thies Spon-holz – aber sicher nicht in einem eckigen Glas. Florian Maaß fügt.“ Es gibt keine Vorder- oder Rückseite: Die 131 Zimmer und Suiten sind nach außen gerich-tet und haben Balkone mit Blick auf Außenalster oder Park. Beim Baustellenrundgang fallen die einzigartige Form, die Dimension und edle Baumaterialien ins Auge. Etwa das weiße, fast transparente Onyx für die Lobby. Die Fassade besteht aus emaillierten Keramikfliesen aus dem Bergischen Land (hintereinander gelegt wären es 1,7 km Fliesen) und 14.000 m² Fenster-fläche. Dort liegen acht gewal-tige hyperboloide – runde, in alle Richtungen geschwungene – Stahlteile mit einem Gewicht von 50 t, die zusammengefügt und ohne Stützen an die Fassa-de gehängt, das Vordach bilden. Die Baukonstruktion des Hotels erwies sich als kompliziert. Be-sonders die Statik, denn es gibt nur eine runde tragende Wand, und jede kleine Veränderung ändert die Gesamtstatik. Hommage an Hamburg Durch die runde Form sind die Zimmer trapezförmig. Alles muss maßgefertigt werden, die Mö-bel müssen sich der Architektur anpassen. Maßanfertigung ist generell das Stichwort. Ein Par- Ambach Verbindungssystem: maximale Flexibilität, perfekte Hygiene. www.ambach.com Jetzt mit Webshop ! www.frilich.de trend 10 4/2017


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