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Foto: privat mitarbeiterwege Leadership fällt nicht vom Himmel Fachkräfte werden in der Gastronomie immer früher zu Führungskräf-ten. Doch ein guter Jungkoch oder Hotelkaufmann ist nicht automatisch ein guter Vorge-setzter. Die Begleitung durch einen Coach hilft, um der Per-sonalverantwortung gerecht zu werden. first class sprach darüber mit dem Manage-ment- Coach und Personal-berater Albrecht von Bonin, Autor des Buches „Mitarbeiter suchen, finden, fördern, binden“. Herr von Bonin, immer häufiger hört man in der Gastronomie von überforderten jungen Vorgesetzten. Wie kommt es dazu? Leadership fällt nicht vom Himmel, sie muss wachsen. Beförderungen werden jedoch oft aus der Not getroffen: Eine Führungskraft fällt aus, man braucht rasch sich das aber nicht eingestehen und mutiert Ersatz, schaut sich in den eigenen Reihen zum Mistkerl, der es am Team mit mieser um und – entdeckt „Müller“. Er ist fachlich Laune, cholerischen Anfällen ablässt. Die spitze, fleißig, engagiert, hochmotiviert. Produktivität sinkt, innere Kündigungen, Was liegt näher, als ihn zum Chef zu ma-chen? Fluktuation und Krankenstand nehmen „Das bisschen Führung wird er schon drastisch zu. Welches Unternehmen kann sich das auf Dauer leisten? Vielen Dank für dieses Gespräch. Florian Maaß www.von-bonin.de hinkriegen“, so die Unternehmensleitung. Das war‘s dann. Arbeitgeber versäumen oft, den Kandidaten auf seine neue Rolle vorzubereiten, ihm in den Sattel zu helfen. Doch nicht nur der Unternehmensleitung, auch der Nachwuchs-Führungskraft selbst sollte bewusst sein, dass Führung in Zeiten des Fachkräftemangels der erfolgsentschei-dende Faktor ist. Wie sollte die Vorbereitung aussehen? Vor der Beförderung durchläuft der Mitar-beiter eine objektive Potenzialanalyse. Im Fokus stehen dabei nicht fachliche Kompe-tenzen, sondern soziale Fähigkeiten. Trägt jemand Führungspotenzial in sich? Wel-che Trainingsmaßnahmen braucht er vor Übernahme der Führungsposition. Das Er-gebnis kann aber auch sein, dass man ihm die Personalverantwortung lieber ersparen sollte. Falls er geeignet ist, sollten die neu-en Jobinhalte, Kompetenzen und Erwar-tungen klar kommuniziert werden. Das ist Aufgabe des Vorgesetzten. Was ist dann Ihr Beitrag als Coach in diesem Prozess? Zusammen mit einem internen Paten, in enger Abstimmung mit HR-Abteilung oder Unternehmensleitung, helfe ich dem „Junior“ in regelmäßigen Feedback- Gesprächen bei Fragen, wie: Wie ver-schaffe ich mir Akzeptanz? Muss ich als Chef mein Verhalten gegenüber ehema-ligen Kollegen/Freunden verändern? Wie entscheide ich bei Führungskonflikten? Wie vertrete ich ab sofort Arbeitgeberinter-essen? Das sind die Basics. Die Mitarbeiterschaft ist zuneh-mend heterogen. Müssen die Jung-Chefs darauf gezielt vorbereitet werden? Ja, denn besonders durch den demografischen Wandel, den Fach-kräftemangel und die Integration von Migranten in den Arbeitsprozess entste-hen ganz neue Anforderungen an den Führungsnachwuchs: Früher waren die Chefs die Älteren, die Leitwölfe, die stets Wissens- und Erfahrungsvorsprung hat-ten und das Tempo vorgaben. Heute setzt man auf „Diversity“, also einen gesunden Mix aus männlichen, weiblichen, älteren und jüngeren Mitarbeitern oder aus Deut-schen und Migranten. Der „Junior“ wird im Coaching darauf vorbereitet, wie Mitarbei-ter zu führen sind, die so alt sind wie seine eigenen Eltern oder aus anderen Kulturen stammen. Hier vermittelt der Coach kom-munikative und interkulturelle Kompeten-zen. Wird der Junior-Chef dagegen mit all diesen Herausforderungen allein gelassen, droht häufig der Flop. Und der wird in der Regel teurer als ein Berater, als prophylak-tisches Handeln. Wie wirken sich überforderte Jung-Chefs auf das Unternehmen aus? Wo „Müller“ einfach in den kalten Teich geworfen wird, gibt es meist zwei Varian-ten: Entweder er bleibt der gute Kumpel, arbeitet noch mehr als bisher und reibt sich im 16-Stunden-Tag bis zum Burnout auf. Seine Mitarbeiter freut es. Führung findet nicht statt. Es fehlt an jeglicher Orientie-rung. Oder „Müller“ ist überfordert, will Wenn Mitarbeiter zu Chefs werden, zählen vor allem soziale Kompetenzen. Welche, weiß Albrecht von Bonin. Albrecht von Bonin, avb Management Consulting 60 3/2017


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