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Foto: Maaß Als Soundtrack drängt sich die in Berlin wieder sehr angesagte Ballhaus-Musik wie Swing auf, die Beleuchtung kommt von Designerleuchten wie den trendigen Hanging Candles von Ingo Maurer, deren flackernde LEDs sich der jeweiligen Musik anpassen, und extravagante Kristalllüster. Vom schmucklosen Vorgänger, dem Ho-tel Savigny, ist nur noch die spektaku-läre vergitterte Jugendstil-Aufzugsan-lage wiederzuerkennen. Originalelemente des gutbürgerlichen Wohnhauses von 1911 wie Stuck, Fisch-grät- Parkett oder Marmorfliesen wurden freigelegt und mit Neuem und Antiquitäten kombiniert, etwa den Orientteppichen, Or-nament- verzierten Kassettendecken, Samt-bezügen und maßgefertigtem Mobiliar. Junge weltgewandte Städtereisende sind das Provocateur-Zielpublikum. Auch heute ist Berlin wieder Mekka der Hipster, deren aktuelle Mode sich passenderweise auf die damalige Ästhetik beruft. Am Wochenende werden es wohl eher vergnügungssuchende Paare sein, unter der Woche auch stilbe-wusste Business-Reisende. Auf Sterne ver-zichtet das Hotel, setzt stattdessen auf die Strahlkraft, „Member of Design Hotels™“zu sein, und die internationale Sogwirkung des Marriott-Kundenbindungsprogramms. Das Provocateur ist Mitglied im Marketing- Verbund der Marriott Autograph Collec-tion. Vor allem aber hofft Hotelchef Ronald Spicale auf das Feedback der Gäste. Denn nicht nur baulich bekommen die Gäste Grandhotel-Eleganz alter Schule ge-boten, auch im Service – inklusive Room Service. Ronald Spicale nahm von seiner Lehrstätte zum Hotelfachmann mit Zu- satzqualifikation Hotel-Management, dem legendären Luxus-Hotel Traube Tonbach, den starken Dienstleistungsgedanken mit. Daran schloss er später noch ein BWL-Studi-um an. Beim Recruiting legt er trotz der eige-nen gründlichen Ausbildung eher Wert auf hotelkonzepte Mit Opulenz und einem Augenzwinkern präsentiert sich das Provocateur Berlin als burlesker Bruder der Roomers. Provocateur 10707 Berlin www.provocateur-hotel.com die Persönlichkeit und die Service-Bereit-schaft. Richtige Typen sucht er, Gastgeber. 31 Mitarbeiter werden im F&B arbeiten, 14 in Hotelservice und der Administration. Wichtig, meint der Hotelchef, ist es, sie ausreichend über die Philosophie des Provocateur zu informieren. Denn auch ein gutgestaltetes Hotel lebt hauptsächlich von engagier-ten Mitarbeitern. Leinwand per Taste Die Frankfurter Betreiber Micky Rosen und Alex Urseanu kamen auf ihr charmantes-tes Konzept aus der Not: Für das eigentlich dort geplante vierte Roomers (bisher Frank-furt, München, Baden-Baden) fehlte es an ausreichend Platz für MICE und Spa-Be-reiche. Mit-Provocateur ist Liran Wizman, CEO der EHPC Hotels (W Amsterdam, Sir Hotels). Micky Rosen und Alex Urseanu sind auch als Gastronomen erfolgreich, die Roomers-Bar ist sogar aktuelle Hotelbar des Jahres. Der F&B-Bereich spielt auch im Provocateur eine Hauptrolle. Die klassische Bar mit langem Tresen ist durch eine breite Schiebetür abtrennbar vom plüschigen chi-nesisch- vietnamesische Fusion-Restaurant mit offener Küche. Küchenchef ist der Kö-nig der Kantsraße Duc Ngo (u. a. 893 Ryo-tei, Kuchi, Madame Ngo, Cantina 1000 in Berlin, Moriki in Frankfurt). Im Keller wird ein Veranstaltungsraum eingerichtet. Er soll mit unverputzten schwarzen Wänden kantiger Kontrast zum restlichen Ambien-te sein. Zunächst monatlich wird es hier Konzerte und Parties geben, etwa der Swing-Tanz- Szene. Hoteldirektor Ronald Spicale möchte das Hotel allerdings nicht auf das Swing-Klischee festlegen, kein „Theater spielen“. Das Hotel soll in den öffentlichen Bereichen auch ein Wohn-zimmer der Berliner sein, gerade aus der aufblühenden Nachbarschaft der City West, die Kreative anzieht. Die 58 Zimmer in sechs Kategorien, von Petite bis zur spektakulä-ren Terrasse Suite im Dachgeschoss, wirken elegant-einladend. Opulente Deckenlüster und geschwungene Sofas mit Samtbezug von Eichholtz sowie Fotos von Stars des Nachtlebens verbreiten extravagant-sinn-liche Stimmung. Die Betten liegen in einer Golden Box, um den Sanitärbereich sind Garderobe, Minibar, Safe- und Filmprojektor untergebracht. Großartig ist die Idee der Mood-Taste am Bett: Sie löst einen Projektor aus, der auf eine herabfahrende Leinwand eigens für das Hotel produzierte Filme lo-kaler Künstler ausstrahlt. Auch Ideen wie diese machen den kleinen burlesken Bruder der Roomers-Hotels zu einer charmanten Provokation gegenüber gleichförmigen, nur an Effizienz orientierten Konzepten. Eröff-net wird noch diesen Monat. Wenn es gut läuft, könnten weitere Provocateure folgen. Florian Maaß Ron ald Spicale Gästetresore, Minibar: Dometic, Hartmann Tresore Software: HotelnetSolutions, Oracle, SynXis Tischkultur: Mepra, Rosenthal, Spiegelau TV: ATVisions, Kraftcom, LG, Nfon (Auszug)PROJEKTBETEILIGTE 3/2017 17 Mit der nächsten Software-Generation von SIHOT setzen Sie neue Impulse in der Customer Journey. Zum Beispiel mit dem Self Check-In am SIHOT.KIOSK. Gerne zeigen wir Ihnen mehr! Besuchen Sie uns auf der ITB Berlin. Halle 8.1, Stand 136


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