hygiene - Sichtbare Hygiene

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Foto: © wstockstudio – Fotolia.com Täglich beherbergen wir etwa 200 Kinder – da-von sind über die Hälfte Kleinkinder“, berichtet Volker Küchler, Hoteldirektor im Kin-derhotel Oberjoch im Allgäu. Das Haus ist nicht nur mit sei-nem Freizeitangebot auf kleine Gäste spezialisiert, auch die Be-treuung ist professionell. 28 Mit-arbeiter kümmern sich um Säug-linge ab dem siebten Lebenstag sowie Kinder bis 16 Jahre und tragen damit eine große Ver-antwortung für alle Gäste. Zum Schutz vor Ansteckungskrank-heiten hat sich Volker Küchler für eine Zertifizierung des Hotels durch das Deutsche Hygiene- Zertifikat entschieden. Dieses prüft, ob gesetzliche Richtlinien – etwa die Lebensmittelhygiene-verordnung – eingehalten wer-den. „Wir haben schon vor der Zertifizierung auf Händedesin-fektion geachtet und im Vier- Farb-System geputzt, aber noch einmal nachjustiert, um das Zer-tifikat zu erhalten“, erzählt Vol-ker Küchler. Nun verwendet das Reinigungsteam Einmaltücher, und Desinfektionsspender ste-hen in allen öffentlichen Bereichen. „Die-se bereiten den Kindern neben sauberen Händen auch Spaß, wenn sich der Schaum auf den Händen ringelt“, hat der Hotelier beobachtet. Damit saubere Kinderhände nicht auf verkeimte Spielgeräte treffen, kommt das Spielzeug, wenn möglich, in die Waschmaschine mit einer mit Plastik be-schichteten Trommel, wo es gereinigt und desinfiziert wird. Doch die besten Pläne nützen nichts, wenn die Gäste nicht mitma-chen, weiß Volker Küchler. Daher erhalten die Eltern zweimal wöchentlich eine Haus-post mit Verhaltenshinweisen. „Bei uns darf z. B. niemand mit Badesachen ans Buffet, und falls ein Kind tatsächlich krank wird, stellen wir auf Zimmerservice für die Fami-lie um“, sagt der Hoteldirektor. Bewusstsein zu schaffen, ist nicht der einzige Erfolg – mit den Richtlinien des Zertifikats haben sich keine Krankheiten mehr im Kinderhotel Oberjoch verbreitet. Um diese Sicherheit, die das Zertifikat den Gästen bietet, auch zu kommunizieren, brachte Volker Küchler ein Schild neben dem Eingang an. Zudem verweist das Hotel in der Tagespost auf das Zertifikat. Keimquelle Lichtschalter Dass Hotels mit vielen Kindern als Gästen das Thema Hygiene besonders sensibel behandeln müssen, bestätigt Dr. Gerlinde Wagner, Geschäftsführende Gesellschafte-rin der DHZ Deutsches Hygienezertifikat GmbH. „Wir zertifizieren dabei nicht nur, sondern beraten auch. Einmal bat uns etwa ein Haus mit vielen Kindern um Hilfe, weil sich Infektionen verbreitet hatten“, erzählt sie. Durch eine gezielte Probenentnahme konnte die verkeimte Stelle ausfindig ge-macht werden und die Infektionsrate sank auf 0. Wenn alle gesetzlich vorgeschriebe-nen Ablauf- und Checkpläne z. B. in puncto Reinigung und HACCP sowie die mikrobiologischen Proben passen, erhält der Hotelier das Zertifikat für ein Jahr. In die Zertifizierung fließen auch Zertifikate ex-terner Firmen ein, etwa von Wäschereien. Sollten die Pläne fehlen, so erstellt das DHZ sie. Wünscht sich ein Haus eine dauerhafte Zertifizierung, gibt es im nächsten Jahr eine Rezertifizierung. Auch ein Mystery Check wird auf Wunsch angeboten. Hoteliers kön-nen das Zertifikat nicht nur zum Werben nutzen – etwa mit dem Badezimmer-Auf-kleber „gereinigt nach den Vorgaben des deutschen Hygienezertifikats“ –, sondern es kann auch im Schadensfall helfen. „Wenn die Hygienepläne nicht stimmen und der Gast krank wird, kann ein Hotel haftbar ge-macht werden. Der Hotelier muss alles tun, damit nichts passieren kann“, verdeutlicht Dr. Gerlinde Wagner. Zertifizierte Hygie-ne lohnt sich, kostet aber entsprechend: je nach Aufwand und Probenzahl 1.700 bis 30.000 €. Allerdings möchte das DHZ nach eigener Aussage zeigen, wie man richtig und dabei preiswert reinigt. Ein klassischer Fehler sei nach ihrer Erfahrung die Reini-gung der Liegen im Wellnessbereich mit den falschen Reinigungsmitteln, wodurch diese brüchig werden. Außerdem hat Dr. Gerlinde Wagner beobachtet: „Es ist eher nicht die Toilettenbrille, die nicht sauber ist. Türgriffe und Lichtschalter sind oft mehr mit Keimen belastet.“ Momentan ist Dr. Gerlinde Wagner mit der Zertifizierung eines Sportstudios mit Hotelanbindung be-schäftigt. „Das ist wahnsinnig aufwendig. Der Wellnessbereich nimmt eine Etage ein, und wir werden mindestens 500 Proben nehmen müssen, um eine eventuelle Keim-quelle ausfindig zu machen “, erzählt sie. Hygienemanager im Einsatz Erledigt ein Hotel nicht alle Reinigungsarbeiten selbst, sondern nutzt externe Dienstleister lohnt es sich, z. B. mit einer zertifizierten Wäscherei zusammenzuar-beiten. Je nach Anforderung kann ein Ho-tel eine Wäscherei mit dem Gütezeichen RAL 992/1 oder 992/3 wählen, die von der zugehörigen Gütegemeinschaft vergeben werden und gewährleistet, dass alle ein- Sichtbare Hygiene 38 11/2016


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