Unterschätztes Risiko

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interior + sicherheit Unterschätztes Das Beispiel des Brandes in einer Ge-flügelfabrik vor wenigen Monaten von Wiesenhof in Lohne verdeut-licht es: Bereits ein fehlerhaftes Gerät – in diesem Fall ein defektes Kälteaggregat – kann einen Brand auslösen und verursacht einen Schaden in Millionenhöhe. Beim Brand des Pfarrbauernhofs, ein Beherber-gungsbetrieb in Schneizlreuth, kamen im Mai 2015 sogar sechs Men-schen ums Leben, 20 wurden schwer verletzt. Ursache hier: ein völlig unzurei-chender Brandschutz im Gebäude. Trotz vieler erschre-ckender Beispiele schenken die Ver-antwortlichen einem umfassenden und prä-ventiven Schutz oft zu wenig Beachtung. „Brandschutz wird bei Verantwortlichen und Führungskräften leider häufig als notwendiges Übel angesehen – die nö-tige Sensibilität für das Thema ist selten vorhan-den“, erklärt Dirk Oetzel, Inhaber von BSS Oetzel Brandschutzkompetenz und Referent der TÜV Nord Akademie, aus Erfah-rung. „Häufig wird mit der Ausrede ‚Bei mir hat es 30 Jahre nicht gebrannt’ ein nachlässiger Brandschutz gerechtfertigt.“ Zwar de-cken entsprechende Versi-cherungen in der Regel den materiellen Schaden ab, sie können jedoch nicht den Verlust von Marktanteilen, das Abwandern von Kun-den oder sogar Mitarbeitern abfedern. Viele Betriebe und Unternehmen geraten nach einem Brand in eine wirtschaftliche Schieflage und in Folge dessen in die Insolvenz. Ganz zu schwei-gen von nicht ersetzbaren Risiko • Einhaltung von Brandschutzbestim-mungen bei Neu- oder Umbauten: Bei Neu-, Erweiterungs- oder Umbauten sowie Nutzungsänderungen und der Anmietung von Gewerbeimmobilien ist es wichtig, bestehende Brandschutz- konzepte zu beachten und bei Bedarf zu aktualisieren. • Nachgerüstete Photovoltaik-Anlagen einbeziehen: Nachträglich auf Gebäude oder Hallen montierte Photovoltaik-An-lagen bringen oft eine Aktualisierung des bestehenden Brandschutzkonzeptes mit sich und müssen mit dem Versicherer ab-gestimmt werden. • Schnell erkennbare, zugängliche Flucht-wege: Notausgänge, Rettungs- und Fluchtwege müssen stets eindeutig gekennzeichnet und freigehalten werden. Sie sollten auf kürzestem Weg ins Freie oder zu gesicherten Bereichen führen. • Wartung von technischen Brandschutzanlagen: Technische Brandschutzanla-gen, z. B. tragbare und fahrbare Feuer-löschgeräte, stationäre Löschanlagen, Brandmelde- und Blitzschutzanlagen, Brände zerstören Existenzen, das haben zuletzt einige Hotelbrände gezeigt. Doch noch immer schenken viele Hoteliers dem Brandschutz zu wenig Aufmerksamkeit. Anlagen zur Rauch- und Wärmefreihal-tung, müssen regelmäßig von geschultem Fachpersonal gewartet und instandge-halten werden. In Einzelfällen sind sogar Sicht- und Funktionsprüfungen durch den Betreiber durchzuführen. Alle Eingriffe in die Technik sind zu dokumentieren. • Schulterschluss mit der Feuerwehr: Ein stetiger Austausch mit der ortsansässigen Feuerwehr und Termine für gemeinsame Begehungen oder Übungen sorgen für ein besseres Verständnis und eine gute Orts-kenntnis. Weitere Infos zum Thema sowie zu Seminaren und Schulungen gibt es auch unter www.tuev-nord.de/weiterbildung/brandschutz Verlusten, wie die Gesundheit von Menschen. „Um vorzubeugen, ist ein geregelter und aktueller Brandschutz im eigenen Betrieb oder Unternehmen, der auch die Mitarbeiter integriert, un-umgänglich“, betont Dirk Oetzel. Schutz mit Plan Nachfolgend nun einige wichtige Brandschutzmaßnahmen für Betreiber und Unternehmer in einem Überblick: • Umfassende Brand-schutzorganisation einführen: Eine ge-regelte Brandschutzorganisation schafft die Voraussetzung für einen wirkungsvollen Brandschutz und be-reitet auf den Ernst-fall vor. Sie beinhal-tet je nach Art der Arbeitsstätte etwa eine Brandschutzordnung, ein Räumungs- bzw. Evakuierungskonzept, Flucht- und Rettungs-pläne, einen Feuerwehr-plan und bei Bedarf einen Plan zur Löschwasser-Rück-haltung. Zusätzlich bestimmt sie ausgebildete Brandschutz-, Evakuierungs- und Erst-helfer im Betrieb und re-gelt die Bestellung eines Brandschutzbeauftragten. Unterweisungen und Brand- schutzübungen für Mitar- beiter: Regelmäßige Brand-schutzübungen und Unter-weisungen der Mitarbei-ter sorgen für das richtige Verhalten im Falle eines Feuers. Foto: © PeterFranz / Pixelio 34 11/2016


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