Große WLAN-Freiheit?

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Ein Blick in die U-Bahn oder das Café genügt, um eines unserer modernen Grundbedürfnisse aufzudecken: der dauerhafte mobile Internetzugriff per Smartphone oder Laptop, erst recht bei längeren Aufenthal-ten außerhalb des heimischen Hotspots – wie im Hotel. Bisher war es für Gastgeber schwierig, das eigene Netz für Fremdnut-zer zu öffnen. Denn der Hotelier musste damit rechnen, haftbar gemacht zu werden, wenn die Gäste illegal Mu-sik oder Videos up- oder downloaden. Dieses Prinzip nennt sich Störerhaf-tung, da der Netzbetreiber den Tausch nicht unterbunden hat. Mit der Reform des Telemediengesetzes und dem Wegfall der Störerhaftung im Juni 2016 sollte sich das ändern. Hotels werden nun mit gewerbli-chen Internet-Service-Providern, wie Kabel Deutschland, gleichgestellt, und Hoteliers sollen nicht mehr für das haften, was die Nutzer in ihren Netzen anstellen. „Wenn es nach der Einschätzung zahlreicher Exper-ten geht, werden sich Hoteliers auch in Zu-kunft mit Abmahnschreiben und Unterlas-sungsforderungen beschäftigen müssen“, schränkt Florian Haselsberger, Marketing bei Goingsoft, die neue Freiheit ein. Grund sei die Uneindeutigkeit des Gesetzestextes. „Ein Ausschluss von Haftungsansprüchen im Zuge von Unterlassungsansprüchen werde lediglich in einer angefügten Be-gründung formuliert. Diese sei aber nicht rechtsbindend“, schreibt auch Spiegel Online am 17.06.2016. „Wir empfehlen unseren Kunden daher nach wie vor eine Hotspot-Lösung mit AGB und Zugangskontrolle“, sagt Jan Buis, Di-rector Business Development & OEM Sa-les bei Lancom Systems. Eine webbasierte Benutzer-Authentifizierung etwa stellt si-cher, dass sich nur die Hausgäste mit den ausgegebenen Zugangsdaten in das WLAN einloggen können. Das verhindert zudem eine übermäßige, nicht planbare Beanspru-chung der Bandbreite. Haben sich Hoteliers derart abgesichert, ergeben sich mit Hotspot-Angeboten ver-schiedene Vorteile für kleine und große Große WLAN-Freiheit? Hotels: Kleinere Betriebe profitieren von der Unabhängigkeit, die sie gewinnen, und können wegen der geringen Kosten das Gäste-WLAN gebührenfrei anbieten. Mit zunehmender Hotelgröße wachsen meist die Anforderungen an Bandbreite und Integrationstiefe, z. B. in Hotelmanage- mentsysteme wie Micros Fidelio. Zudem kommen hier, laut Jan Buis, häufiger Konzep-te mit Bandbreitenmanagement zum Tragen, etwa die Aufspaltung in kostenlose Basiszugänge und kostenpflichtige Premium- Dienste. Ein neues Produkt, das die Aus-stattung größerer Häuser erleichtert, ist der Access Point LN-630E, der mit einer zusätz-lichen Antenne ausgestattet ist und damit eine hohe Reichweite erzielt. So genügen weniger WLAN Access Points als bislang, um das gesamte Haus auszustatten. Flächendeckend online Positiv bei der Diskussion um den Wegfall der Störerhaftung – trotz Nachbesserungs-bedarf – ist für Florian Haselsberger von Goingsoft, dass das Thema WLAN-Infra-struktur insgesamt verstärkt in den Fokus rückt. „Wenn die Rechtsunsicherheiten ent-fallen, kann sich der Hotelier endlich auf die flächen-deckende, zuverläs-sige WLAN-Vernet-zung konzentrieren und die Servicequalität für seine Gäste steigern. Die größten Zugangshür-den für Gäste bestehen nämlich nach wie vor in einer schlechten oder schlecht ausgebauten Netz-abdeckung im Gebäude“, begründet er. „Wir verwenden dazu die bereits vorhandene Ver-kabelung im Gebäude, etwa Telefon oder TV. Das ist von der kleinen Pension bis hin zum Luxushotel meist die kosten-effizienteste und einfachste Lösung.“ Ist das umgesetzt, sei auch in puncto Marke-ting mehr möglich. Denn mit einem guten WLAN lasse sich jeder Gast auf seinem eigenen Kommunikationskanal, nämlich Smartphone oder Tablet, ansprechen. Bei den Angeboten, die Hoteliers ih-ren Gästen unterbreiten können, sieht auch Alexander Haußmann, Co-Founder, Business Development bei Code2Order, neue Möglichkeiten. „Gerade für Bring-your- own-device-Ansätze (BYOD) ist eine ständige Konnektivi-tät zum Internet ein wesentlicher Bestand-teil. Diese können so-mit auch bei Check-in und Serviceanfragen durch Gäste das Hotel unterstützen“, führt er aus. WLAN-Landingpages rücken dadurch in den Vor-dergrund und werden durch die einfache Erreichbarkeit ein zentrales Element für Marketing und Upselling im Hotel. Zusatzangebote können auch lokale touris-tische Informationen, TV-Serien und Filme on-demand, sowie (inter)nationale Zeitun-gen, Zeitschriften und Magazine sein, die z. B. mit Hotsplots direkt über den eigenen Hotspot offeriert werden können. Wer es darauf ankommen lässt und den WLAN-Zugang ohne Beschränkung an-bietet, erleichtert die Arbeitsprozesse für die Rezeptionsmitarbeiter, da die Gäste für die Nutzung des WLANs kein Passwort an-fordern müssen. Andererseits gelangt der Nutzer schneller an Informationen und be-wertet seinen Aufenthalt dadurch even-tuell positiver. Eine Abmahnung riskiert der WLAN-Betreiber dabei nach wie vor. jus Fotos: Code2Order, Archiv Mit dem Wegfall der Störerhaftung sollen es Hoteliers leichter haben, ihren Gästen freies W-LAN anzubieten Momentan gibt es noch einiges zu beachten. 32 10/2016


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