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first_class_10_2016

Foto: privat gastkommentar Ab in den Kindergarten Bei einer amerikanischen Hotelkette war ich in diesem Jahr zu einem Meeting von HR-Führungs-kräften eingeladen. Thema Fachkräftemangel. Meine Erwartungen wurden schnell gedämpft. Bereits nach 20 Minuten fühlte ich mich in die Steinzeit zurückver-setzt. So wurde u. a. darüber nachgedacht, die Mit-arbeiter nach Tarif zu bezahlen. Und ähnlich ging es weiter: Eingestreut wurden permanent die Nachteile dieses Berufes und dass es nicht verwunderlich ist, dass sich junge Menschen nicht für unsere Brache in-teressieren. Wir alle kennen den Fachkräftemangel seit über 30 Jahren, sicher ist viel passiert und bewegt worden. Aber bei weitem zu wenig. Eine Gewerkschaft, die kaum in Erscheinung tritt, hat kaum zu kontinuierli-chen Gehaltsanpassungen beigetragen. Als Vergleich möge die Branche Stahl und öffentliche Hand dienen. Und unser Verband hat damit z. T. noch dagegenhal-ten können. Wenn eine Kindererzieherin in Deutsch-land nach der Ausbildung mit 2.400 E brutto einsteigt, liegen wir mehr als falsch. Da helfen auch keine Aus-flüchte, dass Vergleiche hinken. Die Folgen der Ver-säumnisse der letzten Jahrzehnte werden gravieren-der, als es sich viele momentan vorstellen können. Aber zurück zu unserem HR-Meeting. Es waren HR-Führungskräfte, die geregelte Arbeitszeiten haben und keine Bauchschmerzen bekommen, wenn es keine Spüler mehr gibt oder der Koch demotiviert ist. Und bei hoher Fluktuation bestätigen sie ihre Da-seinsberechtigung. Lassen Sie mich dagegen ein Praxisbeispiel nennen, das wir seit über 20 Jahren erfolgreich anwenden: Wir veranstalten einen Tag der offenen Tür für Kindergär- ten. Da wird eingecheckt, gekocht, serviert, in der Suite eine Kissenschlacht veranstaltet und schließlich 15 Minuten lang die schöns-ten Hotels der Welt angesehen. Die Truppe geht hypnotisiert nach Hause und erzählt. Die gleichen Kinder laden wir im Alter von neun oder zehn Jahren wieder ein, mit ähn-lichem Prozedere. Nun wissen Sie, wer sich zum Schulprak-tikum wo meldet. Und wir müssen dann nur noch einen guten Job machen: statt Zwiebeln schälen lassen geht es ums Be-geistern und Binden, nicht vergraulen. Das mit den Arbeitszeiten wissen sie längst. Wir haben in Deutschland 8,9 Mio. Beschäftigte, die im Schichtsystem und am Wochenende arbeiten. Die wenigsten jammern. Aber wir! Nie hat die Polizei oder die Ärztekammer gegen Arbeitszeiten aufklä-ren müssen. Wir sollten viel mehr auch deutlicher vermitteln, welche tollen Möglichkeiten es in der besten Branche der Welt gibt. Und dass es sehr wohl später, wenn Familie und Kinder Vorrang bekommen, tolle Ausweichmöglichkeiten zu den Arbeitszeiten gibt. Übrigens: Die Idee mit den Kindern entdeckten wir bei der Bundeswehr. Die Kampftruppe Alten-stadt macht dies seit 1990. Der Blick in andere Töp-fe lohnt sich also immer. Vor allem, wenn es uns kaum noch gelingt, die Richtung zu ändern. Also Kinder an die Macht, mehr Ideenreichtum! Gehen Sie auch an Schulen, z. B. einmal im Monat als Gastdozent. Wir haben damit und vielem anderen größten Erfolg. Gastkommentator: Peter Rothenhäus-ler ist Hotelberater und Qualitätstrainer SQD II. Er führt für first class seit vielen Jahren Servicetests durch und agiert als Autor. Zudem führt er Brandaudits für große Hotelkonzerne durch. 3 Jahre Hospitality HR Award ... ... und über 23 Best-Practice-Beispiele später gibt es nun unser Buch dazu „Mit Menschen gewinnen“ Bestellen Sie das Buch zum Preis von 53,50 € unter p.dornacher@blmedien.de oder 089-370 60 271 Ridlerstr. 37, 80339 München Das Manager-Magazin für Hotel und Restaurant muc@blmedien.de, www.gastroinfoportal.de !Zum Nachlesen! !Zum Inspirieren lassen! !Den eigenen HR-Weg finden und leben!


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