Interview: Nicht nur Zimmer verkaufen

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Fotos: Flair Hotels, © Annett Seidler – Fotolia.com Herr Stöver, es ist die Gretchenfrage, die alle Kooperationen umtreibt: Mit welchen Themen und Leistungen muss eine Hotelkooperation heute die Privathotellerie abholen? Wo setzen Sie hier den Fokus? Wir haben uns selbst früher viel zu sehr auf die Marke und die Markenarbeit konzentriert. Und dies ging oft an den Mit-gliedern vorbei. Unsere Kernaussage war dabei immer „Zimmer verkau-fen“ und dafür Marke-ting betreiben, aber das übernehmen heute die OTAs für uns. Insofern sind neue Wege gefragt, z. B. in-dem wir mehr Dienstleistungen anbieten. An welche denken Sie dabei? Es geht neben dem Zimmerver-kauf, für den wir Anfang 2016 mit Seekda auch eine neue Buchungsmaschine installiert haben, vor allem um viele Ad-ministrationsservices, die die Zentrale verstärkt übernehmen kann. Im Zuge des Mindest-lohns und der Allergenkenn-zeichnung können wir z. B. zen-tral für den Gastronomen und Hotelier Daten einpflegen, wir können die Portale bedienen, bei Drucksachen helfen oder liefern oft schneller Informa-tionen als der Dehoga etc. Im Grunde geht es um jede Art von Unterstützung. Inwiefern helfen Sie auch bei Fachkräfteproblemen? Dies wird für uns ein wichtiges Thema für die nächste Zeit. Ers-te branchenfokus Nicht nur Zimmer verkaufen kleine Ansätze sind, dass wir unsere Mitarbeiter untereinan-der tauschen – bisher, um Aus-lastungszeiten auszugleichen, künftig verstärkt, um sie auch in andere Bereiche hineinschnup-pern zu lassen. Wichtig wird demnächst auch das Thema Schulung. Hier arbeiten wir ge-rade neu mit Moritz Consulting zusammen, die bereits den Qua-lity Check für uns entwickelt haben und jetzt ihre Schulungs-akademie ausbauen. Viele Pläne. Wie nehmen Sie die Mitglieder bei Ihren anvisierten Veränderungsprozessen mit? Wir hatten vor einigen Jahren den spontanen Beschluss ge-fasst, dass wir uns alle duzen. Und das hat tatsächlich ein an-deres Miteinander gefördert – das merken wir auch jetzt. Uns ist wichtig, das Mitglied vor Ort zu besuchen und im Gespräch zu helfen. Denn der größte Nährboden einer Kooperation sind stetiger Informationsaus-tausch und das Vertrauen un-tereinander. Das spüren wir z. B. auch bei unserer neuen Ideen-börse, die wir bei jedem Treffen haben. Alle unsere 63 Mitglie-der sind in diesem Sinne Flair-treu, auch wenn sie nicht immer alles zu 100 % gleich gutheißen standen, bei dem wir zu Recht so schlecht abgeschnitten hatten. Inspiriert vom Schweizer Hotelverband, haben wir in dieser Box alle In-formationen, wie Kooperations- und Mitgliederleistungen, Part-ner, Preislisten etc., zusammen-gestellt und führen diese auch immer im Auto mit. Falls wir unterwegs ein Haus entdecken, das gut zu uns passen könnte, können wir sofort eine Box über-reichen. Wie ist Ihre Erfahrung: Gibt es manche Mitglieder und Interessenten, die nur bestimmte Bausteine brauchen? Ja, definitiv gibt es die, sogar unter etablierten Altmitgliedern. Der Bausteingedanke ist gut, aber gegenwärtig einfach noch nicht umsetzbar, vor allem aufgrund der Verwaltungsstruktur. Al-lerdings überlegen wir gerade, Schnuppermitgliedschaften zu ermöglichen. Vielen Dank für das Gespräch. syk – das betraf auch unsere neue Buchungsmaschine. Was ist der große Mehrwert der neuen Buchungsmaschine? Aufgrund der nun auch mög-lichen direkten Darstellbar-keit über Google, Trivago, Tripadvisor etc. werden unsere Häuser nicht mehr nur über die OTAs gefunden, sondern auch direkt als Flair-Hotel oder über das Flair-Logo. Da wir weniger Provisionen nehmen als Boo-king oder HRS, stehen die Be-triebe auch mit ihren Raten wei-ter oben. Der ganz große Vorteil von Seekda ist zudem, dass je-der Betrieb Marktplätze mit spe-ziellen Arrangements eröffnen kann, Werbebanner belegbar sind und sich so die Häuser mit ganz neuen Offerten finden las-sen. Wir setzen damit stark auf Online-Vermarktung. Im Mo-ment laufen 80 % immer noch bei uns über die OTAs, aber auf unserer Website tut sich inzwi-schen einiges. Sie haben zudem eine „Neumitgliederbox“ eingeführt? Was genau steckt dahinter? Die Box ist eigentlich erst durch den Kooperationstest der first class vor ein paar Jahren ent- Neue Buchungsmaschine und mehr Dienstleistungen bei den Flair Hotels: Wir sprachen mit dem Vorstandsvorsitzenden Hans-Joachim Stöver. Ambach Verbindungssystem: maximale Flexibilität, perfekte Hygiene. www.ambach.com 9/2016 9


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