mitarbeiterwege - Issa hat einen Traum

first_class_09_2016

Foto: A-ja resorts mitarbeiterwege Ein sehr guter Koch will Issa Rajab (F. o.) werden. Nicht besonders un-gewöhnlich. Ungewöhnlich wird es erst, wenn man weiß, dass er aus Sansibar stammt und nach Deutsch-land nicht freiwillig kam: Schwierige Lebensbedingungen und eine fehlende Perspektive zwangen ihn dazu. Doch mit diesem Schicksal ist der 20-Jährige nicht allein. Im-mer mehr Asylsuchende fliehen bekann-termaßen nach Deutschland, um eine Per-spektive zu finden. Viele davon finden sie in der Dienstleistungsbranche. Besonders die Gastronomie und Hotellerie lassen sich, auch aufgrund des zunehmenden Fachkräf-temangels, auf das „Projekt Flüchtling“ ein. Laut einer im April durchgeführten Um-frage von Resmio sind 34 % der Gastrono-men bereit, Flüchtlinge einzustellen, wenn diese entsprechende Qualifikationen wie Deutschkenntnisse oder eine Ausbildung mitbringen. Weitere 32 % sind sogar dazu bereit, sie anzulernen oder auszubilden. Issa Rajab z. B. ist im Hotelrestaurant der A-ja Resorts als Koch angestellt. Zuvor machte er am Standort in Bad Saarow ein sechswöchiges Praktikum. Der Personal-verantwortliche David Monte bereut diesen Schritt nicht: „Herr Rajab ist der erste Asylbewerber, den wir eingestellt haben – aber bestimmt nicht der letzte.“ Der Personal-verantwortliche betont die Welt-offenheit und Internationalität der Branche – dabei komme es nicht auf Hautfarbe oder Her-kunft an, sondern auf die Lust im Umgang mit Menschen. Pilotprojekt Praktikum Eine Lust, die viele deutsche Arbeitnehmer eben nicht mehr verspüren. Unregelmäßige Ar-beitszeiten, Stress und hoher körperlicher Einsatz belasten seit langem das Branchenimage. Die Bundesagentur für Arbeit verzeich-nete im August 2015 in diesem Be-reich 15.941 offene Ausbildungsplätze und 40.337 als offen gemeldete Stellen. Doch sind Flüchtlinge die Lösung? Die Studie von Resmio liefert ein eindeutiges Ergebnis: Zwar sind zwei Drittel der 120 befragten Gastronomen bereit, den Mangel kurzfristig mit Flüchtlingen zu kompensieren, insgesamt aber sieht knapp die Hälfte von ihnen darin keine dauerhafte Lösung. Die Frage nach dem Warum drängt sich auf. Schließlich ist die Festanstellung von Issa Rajab kein Einzelfall. Die Motel One Group mit Sitz in München widmet dem Thema sogar ein ganzes Pilotprojekt. In vier der insgesamt 53 Hotels begannen im April acht Flüchtlinge ein ausbildungsvor-bereitendes Praktikum. „Wir sehen das Projekt als gesellschaftliche Verantwor-tung, aber zugleich auch als Chance für Motel One, um motivierte Nachwuchs-kräfte für die Hotellerie zu begeistern“, erklärt Daniel Müller, Chief Operation Of-ficer. Ziel sei es, die Praktikanten aus Af-ghanistan, Eritrea, Syrien und Nigeria im September in die zweijährige Ausbildung zur Fachkraft im Gastgewerbe zu über-nehmen. Für die nächsten Jahre plant die Hotelgruppe eine Ausweitung des Projekts. Ähnliche Pläne gibt es bei den A-ja Resorts. David Monte sieht neben dem Potenzial aber auch deutlich Probleme: „Un-sere Branche leidet unter Fachkräfteman-gel, und die jungen Flüchtlinge sind hoch motiviert. Leider ist aber die Einstellung noch mit vielen bürokratischen Hürden Issa hat einen Traum Die Nachwuchssorgen sind in vielen Betrieben eklatant. Experten sehen in der Ausbildung und Anstellung von Flüchtlingen großes Potenzial und eine Lösung des Problems. 44 9/2016


first_class_09_2016
To see the actual publication please follow the link above