Brexit: Wohin weht der Wind?

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branchenfokus Wohin weht der Wind? Sabine Möller, Geschäftsfüh-rerin der Kooperation City Partner Hotels (CPH), verweist zunächst auf die generellen Auswirkungen der Arbeitsmarktentwicklung für den Tourismus: „Mittel- bis langfristig werden die Engländer sich überlegen, welche Reiseländer attraktiv und bezahlbar für sie sind. Hierbei wird entscheidend sein, wie der Arbeits-markt in Großbritannien auf den Brexit reagiert. Entsprechend wird der Einfluss auf den Hotelmarkt sein. Allerdings werden die Folgen sicher nicht nur auf dem Hotelmarkt spürbar sein, sondern sich durch alle Branchen ziehen. Umgekehrt kann ich mir schon vorstellen, dass es einen Aufschwung für Reisen nach England gibt“, schätzt sie. Dass der Standort Deutsch-land automatisch vom Brexit profitiert, ist für Sabine Möller alles andere als sicher: „Grundsätzlich ist ein positiver Effekt für Frankfurt nicht auszuschließen. Ob unter dem Strich Deutschland vom Brexit profitiert – ich wage es zu bezweifeln.“ Unmittelbare Effekte vor Ort könnten die Romantik Hotels & Restaurants spüren, die erst kürzlich den Sprung auf die britischen Inseln gewagt haben. Thomas Edelkamp verweist dabei auf die Währungskurs-tendenzen: „Vieles hängt mit der langfristigen Entwicklung des britischen Pfunds zusammen, das sich ja bereits mit der Ernennung der neuen Premierministerin wieder leicht erholt hat. Dennoch sind Reisen nach Großbri-tannien derzeit günstig. Das hat positive Auswirkungen auf die Nachfrage, worüber sich das Romantik Hotel in Schottland natürlich freut.“ Der Vorstandsvorsitzende betont die Rolle Großbritanniens als viert-wichtigsten touristischen Quellmarkt für Deutschland und hofft, dass keine politischen Hindernisse entstehen: „Von größter Bedeutung wird es für alle touristischen Bereiche sein, dass das Reisen auch zukünftig so einfach wie möglich bleibt. Es dürfen keine Hürden aufgebaut werden, die der Reisefreiheit, und da-mit dem Tourismus und der Mobilität, im Wege stehen. Aus Ver-bandssicht bewertet man den Brexit als heiklen Schritt. „Wir haben immer gesagt, dass ein Austritt der Briten fatal und risikoreich ist – sowohl für Großbritanni-en als auch für die gesamte EU. Die Wirtschaftspower und der ordnungspolitische Kompass Großbritanniens waren für die Stabilität in der EU immens wertvoll. Auch Frieden und Stabili-tät sind elementare Voraussetzungen für eine erfolgreiche Entwicklung des Tourismus“, sagt Dehoga-Hauptgeschäftsfüh-rerin Ingrid Hartges. Knapp 52 % aller Bürger des Vereinigten Königreichs stimmten für einen EU-Austritt. Welche Folgen könnte das für die europäische und die deutsche Hotellerie haben? Kritisch klingt auch IHA-Hauptgeschäftsführer Markus Luthe: „Die ökonomischen Auswirkungen eines Brexits sind angesichts der engen wirtschaftlichen Verflechtung Groß-britanniens mit den anderen EU-Mitgliedsstaaten gravierend.“ Konkrete Auswir-kungen auf den Tourismus wür-den davon abhängen, welchen Status das Vereinigte Königreich in den Verhandlungen mit den EU-Mitgliedsstaaten erzielen wird. „Zum Beispiel bezüglich der Freizügigkeit von Mitarbeitern und Investitionen oder Visa-Erfordernissen als Nichtmitglied des Schengener Abkommens.“ Fotos: © K.C. – Fotolia.com, CPH Hotels, Dehoga Bundesverband, Polster, Romantik Hotels & Restaurants So viel vorweg: Für eine Prognose im Hinblick auf mögliche Brexit-Auswir-kungen ist der Zeitpunkt noch sehr früh. Wir haben uns dennoch umgehört und einige erste Reaktionen aus der Hotellerie sowie von den Verbänden eingeholt. Durch die Bank warnt die Branche nach dem EU-Referendum vor übereilten Schlüssen, wie z. B. Motel One oder die Accor Hotels, die hier bewusst von einem Statement ab-sehen, da es zu spekulativ sei, eine Aussage zu treffen. Vorsichtig äußern sich auch die Verantwortlichen bei Marriott im Hinblick auf den Brexit: „Wir werden die Begleiterscheinungen dieser Wahlentscheidung natürlich aufmerksam verfolgen, doch es ist zu früh, um die genauen Folgen für die Hotellerie zu prognostizieren.“ nic 8 8/2016


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