spülen + entsorgen - Lebensmittel retten

first_class_08_2016

Fotos: © nito – Fotolia.com Lebensmittel retten spülen + entsorgen Satte 1,3 Mio. t. Das sind ungefähr 73.000 vollbeladene LKW. Vollbela-den mit Lebensmittelabfällen. Wer jetzt denkt, das ist die deutschlandweite Bi-lanz, der irrt. Denn es ist nur die bayerische. Und damit gehen verschwendete Energie-kosten von rund 100 Mio. e€ einher. Das sind wiederum 4.000 Gigawattstunden verblase-ne Energie: der jährliche Energieverbrauch der Städte Würzburg, Fürth und Erlangen zusammen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Expertenteam der Universität Stuttgart, des Fraunhofer-Instituts für Verfahrens-technik und Verpackung (IVV) und der Technischen Hochschule Deggendorf un-ter Federführung des Kompetenzzentrums für Ernährung (KErn) in Kulmbach. Ein ressourcenschonender Umgang mit Le-bensmitteln stand im Mittelpunkt ihres Projektes „Potenziale zur Energieeinspa-rung durch Vermeidung von Lebensmittelverschwendung“, Die Deutschen verschwenden tonnenweise Lebensmittel – und damit Energie. Experten boten in München Lösungsansätze das vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirt-schaft und Forsten (StMELF) gefördert wur-de. Das Projekt hatte nicht nur zum Ziel, die Energieverluste für die Lebensmittelverlus-te in Bayern zu bilanzieren, sondern auch Ansatzpunkte zu erkennen, die ein hohes Einsparpotenzial für Verluste aufweisen. Ergebnisse und potenzielle Ansätze wurden beim KErn-Wissenschaftsseminar im Febru-ar in München präsentiert. Das größte Einsparpotenzial durch Lebens-mittelabfälle liege mit rund 6.189 t pro Jahr in den bayerischen Privathaushalten, er-läuterte Dipl.-Ing. Dominik Leverenz von der Universität Stuttgart. An zweiter Stelle rangiere die Außer-Haus-Verpflegung mit 3.935 t pro Jahr, danach die Lebensmittel-verarbeitung mit 2.118 t jährlich. „Lebensmittelverschwendung ist auch Energieverschwendung, und zwar im gro- ßen Stil“, sagte Agrarminister Helmut Brunner und forderte ein Umdenken und mehr Ehrfurcht gegenüber dem Gut Lebensmittel. Energierucksack am Büfett Der größte Energieeintrag je Kilogramm Lebensmittel – also eine Art Energie-rucksack, der sich im Laufe der Wert-schöpfungsstufen weiter anfüllt – sei in der Außer-Haus-Verpflegung anzutref-fen. und Zukunftskonzepte. „Büfettreste verzeichnen besonders große Energierucksäcke, da diese in der Regel noch zusätzlich warmgehal-ten werden. Hinzu kommt ein oftmals hoher Fleischanteil im Angebot oder in den entsorgten Lebensmittelmengen“, stellte Dipl.-Ing. Gerold Hafner von der Universität Stuttgart fest, der die Daten erhoben hat. Das größte Sparpotenzial liege zwar in den privaten Haushalten, weil dort die meisten Lebensmittel weg-geworfen würden. Am schnellsten seien aber Fortschritte bei der Außer-Haus- Verpflegung zu erzielen, weil eben der Energieeinsatz pro Tonne am größten sei. Der Minister kündigte an, das be-reits eingeführte Monitoring-System, das Lebensmittelverluste in Kantinen minimieren soll, landesweit anzubieten. Verbesserungen erhoffe er sich zudem vom Bündnis „Wir retten Lebensmittel“. Auch Dr. Gerd Leipold, der acht Jahre die Umweltorganisation Greenpeace lei-tete, betonte: „Bewusstsein allein führt nicht direkt zu anderem Handeln. Wir brauchen Akteure, die nicht nur Lippen-bekenntnisse liefern. Erkenntnis alleine reicht noch nicht!“ Und wie kann man nun Verschwendung wirklich vermeiden? Die Europäische Kommission fordert die EU-Mitglieds-staaten dazu auf, die Entsorgung von noch genießbaren Lebensmitteln bis 38 8/2016


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