Bayerisches Daun-Under

first_class_06_07_2016

Fotos: Lindner, Grafik: Lopez Ruiz einrichtung Bayerisches Daun-Under Für „digitale Daunen“, wenn es sie gäbe, hätte Anselm Hintermann wohl wenig übrig. Dafür sind seine Betten mit echten Daunen seit Jahren in der gan-zen Welt viel zu begehrt. „Und ein Bett an sich ist etwas unglaublich Privates. Dem muss der Gast vertrauen können“, be-tont der Geschäftsführer von Mühldorfer Betten mit niederbayerischer Sprachsicher-heit. Vertrauen sollen seine Kunden vor allem den natürlichen Materialien, die die Bettwaren ausmachen. Der Star bleibt hier die Daune, weil sie sensibel auf die Körper-wärme reagiert. „Die Härchen legen sich aneinander und lassen Luft heraus, wenn es zu warm ist, und spreizen sich auf und wärmen, wenn die Temperatur fällt. Fasern können da nicht mithalten. Jede Hightech- Faser ist letztlich der Versuch, eine Daune zu kopieren“, kehrt Anselm Hintermann die Unschlagbarkeit der Natur heraus. Vor seiner Tür liegt dem 27-Jährigen der Bayerische Wald zu Füßen. Die Fabrik wiederum fügt sich gleich hinter dem Ortsschild des 1.400-Seelen-Ortes Haidmühle in die Idylle ein, von der aus in die ganze Welt geliefert wird. Mit dem ersten Schritt in die Pro-duktion verra-ten die herumw i r b e l n d e n Daunen und In Mühldorfers Produktion in Haidmühle werden die Bettdecken und Kissen in Handarbeit eingefüllt. Seit Ende 2015 gehört Anselm Hintermann zur Geschäftsleitung (F. l.). Federn, worum es hier geht. Das Füllmaterial kommt aus landwirtschaftlichen Betrieben in Europa – 50 Mitarbeiter in Haidmühle verarbeiten es weiter. Drei Waschmaschinen säubern die Daunen in großen Trommeln und mit reinem Quellwasser, bis sie d i e gewünschte Fluffigkeit erhalten. Wie viele Waschgänge dafür nötig sind, be-stimmt die Daune. Die Sortieranlage über-nimmt dann den Rest und holt Kiele & Co. heraus, anschließend trocknen die Daunen Ganz ohne Hightech sorgt Mühldorfer Betten seit 1920 mit Naturmaterialien für erholsame Nächte. Zu Besuch in Haidmühle. bei 130 °C heißem Wasserdampf für 130 Mi-nuten – damit sind sie antiallergen. „Nach dem Trocknen entstauben wir die Daunen, um feinste Stäube zu beseitigen. Wir sind die einzigen mit solch einer Maschine“, sagt der Geschäftsführer mit Stolz. Zudem werden die Gewebe in Deutschland gefer-tigt und erfüllen Öko-Tex-Standard. Ist die Füllung aufbereitet, füllt sie ein Mit-arbeiter per Hand in die Kissen und De-cken. Eine Decke zu nähen, dauert etwa zehn Minuten, die Lieferung erfolgt in der Regel binnen drei bis fünf Wochen. Es kann aber im Notfall auch schneller gehen. An-selm Hintermann erinnert sich an ein Hotel, das vier Wochen vor der Eröffnung noch keine Betten bestellt hatte. Hier half Mühl-dorfer mit Nachtschichten. „Auch wenn die Luftfracht am Ende mehr kostete als die Ware“, sagt Anselm Hintermann mit einem Augenzwinkern. Burj al Arab bis Pension Das Burj al Arab in Dubai zählt seit 1993 zu Mühldorfers Kunden. „Aber das Schöne für uns ist, dass sich nicht nur die Luxushotel-lerie unsere Bettwaren leistet, sondern auch die Drei-Sterne-Pension auf dem Land“, beschreibt Anselm Hintermann seine Kun-den. Zusammen mit seiner Mutter Elisabeth Hintermann und seiner Tante Maximiliana Pangerl führt er seit Ende 2015 das 1920 gegründete Familienunternehmen – die beiden Geschäftsführerinnen leiten es seit 1987 – und betont stolz: „Europaweit sind wir der einzige Bettenhersteller für die Ho-tellerie, der in Deutschland produziert.“ 80 % der Kunden kommen aus der Hotel-lerie, davon rund ein Viertel aus Deutsch-land. Der Rest teilt sich zu etwa gleichen Teilen auf die EU und das restliche Ausland auf. Dabei nimmt Anselm Hintermann den deutschen Markt inzwischen als qualitäts-bezogen wahr – und die Gäste. Das schei-nen ihm auch besondere Angebote des Un-ternehmens zu bestätigen. Ist der Gast z. B. von einem Kissen begeistert, können Hotels ihm dieses im Haus verkaufen. Der Rezep-tionist bestellt und berechnet das Kissen einfach, schickt den Auftrag an Mühldorfer, und der Gast bekommt es direkt nach Hau-se geliefert. „Das Hotel kann ihm so einen besonderen Service und Erinnerungswert bieten“, betont Anselm Hintermann. „Und ermöglicht ihm dieses Erlebnis ab sofort jede Nacht.“ www.muehldorfer.com jus 38 6-7/2016


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