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first_class_05_2016

Spielzeug oder Service? Manchmal entzückt ja die Technik aus dem ge-fühlt vierten Jahrtausend. Zumindest scheint dies auf der letzten ITB – neben den Virtual-Reali-ty, kurz VR-Brillen – vor allem auf Mario zugetrof-fen zu haben. Der hatte sich erstmals dem Fach-publikum als smarter Hotelroboter vorgestellt. Und erstaunlich viele Branchenhäuptlinge entwickel-ten sich von jetzt auf gleich zu kleinen Fans des potenziellen neuen Mitarbeiters. Die Gazetten, die erst unlängst seine blechernen Kollegen in einem der ersten Roboter-Hotels in Ja-pan getestet hatten, waren da noch nicht so begeis-tert. Vielmehr attestierten sie ihnen probezeitver-kürzende Attribute wie Langsamkeit, Begriffsstut-zigkeit und ein wenig Unverschämtheit. Sind diese Hotel-R2-D2s also bisher nur die ersten Tamagot-chis der Beherbergungsbranche? Begeistern sie als blinkende und brabbelnde Erlebnisgaranten, ohne bisher auch nur einmal beim Bettenmachen gehol-fen zu haben? Oder sind sie schlichtweg die pure Verzweiflung im genervten Fachkräftemangel- Alltag? Man kann über solche Entwicklungen sicher eine Reihe von Likes und Schmäh-Tweets in-ternationalen Ausmaßes aussenden. Doch warum fokussieren wir unsere VR-Brille eigentlich in un-serer Branche bei den aberhunderten Hotel-der- Zukunft-Mega-Studien und Super Future Days immer nur auf die xte technologische Spielerei? Warum geht es so selten um die objektfreien Erleb-nisse? Um die Mensch-macht-Erlebnis-Seite? Um den „Service der Zukunft“? Weil sich da-mit kein Geld verdienen lässt? Zu glauben ist das in Zeiten, in denen nicht mehr die Hardware den Hotelunterschied macht, sondern Neverending-Storytelling, ultraechte Erlebnis-Szenerien und ein Dauer- Individualitätsrauschen, eigentlich nicht. Und wir wollen es auch nicht glauben: Daher starten wir in dieser Ausgabe eine Mini-Serie über aktuelle Tendenzen auf dem Weg zu einem „Service der Zukunft“ (vgl. S. 10). Im ersten Teil geht es dabei vor allem um den selbstbestimmten, kre-ativen Mitarbeiter, der dem Gast auf Augenhöhe begegnet und ihm damit neue, besondere Erleb-nisse verschafft. Der gerade bekannt gewordene neue Inspirations-Manager, den die Conrad Hotels & Resorts für ihre Hotels eingestellt haben, dürfte diesen neuen Trend wohl bestens treffen. Im Teil 2 blicken wir dann auf technische Hilfsmittel für den Service durch Menschen und in der dritten Runde auf die Voraussetzungen, die die HR-Seite insge-samt dafür schaffen muss. Ist der Mensch-Mitarbeiter erlebnisstärker und damit zukunftsträchtiger als der Techno-Mitar-beiter? Alle Trends sprechen eigentlich dafür. Und die Hotellerie muss sich nur darauf einlas-sen – und zwar als Fortgeschrittener. Denn den Mensch-zu-Mensch-Service hatte sie mal mit-erfunden. Es gilt also die Wiederentdeckung des Spaßes am Service. Dann entzückt die Zukunft auf neue Weise. Sylvie Konzack, Chefredakteurin Dream-Team gesucht Bewerben Sie sich bis 30.06.2016 www.hospitality-award.de editorial


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