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marktüberblick von zwei Full-Time-Jobs: „Wir haben eine gemein-same Steuerungsgesellschaft gegründet, mit der wir besser Synergiepotenziale finden und nutzen können und wollen damit auch unsere Expansion forcieren – mit einem Ansprechpartner in der Stadt- und Ferien-hotellerie.“ Nach der Trennung 2008 und dem Fokus auf die Stadt (Arcona) und die Leisure-Destinationen (DSR) nun also eine gemeinsame Weiterentwicklung als eigenständig bleibende Gesellschaften – „aus eins und eins drei machen“, wie es Alexander Winter nennt. Wieder an der Seite: Stephan Gerhard, mit dem Ale-xander Winter 2008 das Management-Buy-Out von Arcona Hotels realisiert hatte. „Er wird einen aktiven Part übernehmen, darunter das Scouting neuer Projek-te in der Stadt- und Ferienhotellerie. Horst Rahe steht weiterhin für die Lieferung visionärer Inputs bereit und nimmt sich strategischen Partnerschaften an“, skizziert er und übernimmt selbst die Operative, fördert eine gemeinsame Unternehmenskultur und stellt die Re-Fi-nanzierung neuer Projekte zu den derzeit 23 Häusern sicher. Bei Arcona Living stehe man z. B. derzeit kurz vor Abschluss eines Pachtvertrages in Wetzlar. Berlin und Düsseldorf könnten bei Henri Hotel bald spruch-reif sein, bei Arosa ist bisher nichts im Vorvertragssta-dium. A-ja Resort und Hotel bleibt beim Joint Venture aus-gegliedert – „weil A-ja als Serienprodukt entwickelt wurde und so mit dem gleichen Konzept expandiert, vorzugsweise mit der Schwester Deutsche Immobilien AG“, erklärt Alexander Winter. A-ja selbst probt gera-de in Warnemünde die Weiterentwicklung mit „noch mehr Erlebnis“. Das neue Premium-Inclusive-Konzept umfasst Elemente wie Kulinarik-Events, die Spa Night und einen Event-Concierge, der im Rahmen des Frei-zeitangebots Max Sportkurse und Ausflugstipps an-bietet. Ab 59 E pro Person und Tag inkl. Cost & Logis, Spa, Sport und Sky erhältlich, müsse sich der Gast wie bei der Kreuzfahrt um nichts kümmern. Wird damit das Baukastensystem angetastet? „Wir stellen für unsere Gäste nicht so sehr die Frage nach vorn, ob es Bau-kasten oder Premium Inclusive ist, sondern wollen als Marke grundsätzlich leistbaren Urlaub bieten“, erklärt Holger Hutmacher, geschäftsführender Gesellschafter der A-ja Resorts. Bis Oktober läuft in Warnemünde die Pilotphase, ab 2017 ist es überall buchbar. Ab 2018 dann auch in den neuen Häusern in Ruhpolding und Travemünde. Bleibt noch mindestens eine große Frühjahrsüberra-schung: der Kauf von Prizeotel durch Rezidor. Geht es zunächst um 49 % für 14,7 Mio. E und das Recht, die übrigen 51 % nach vier Jahren zu erwerben, so ist schon eines fix: Der Gründer Marco Nussbaum, der weiter die Leitung verantwortet, hat mit drei Häusern im Budget- Lifestyle-Mix eine Erfolgsgeschichte kreiert, die Inves-torenbegehrlichkeit weckt. Rezidor will sich so einen schnellen Zugang zum Economy-Segment verschaffen, Prizeotel international expandieren. Eine europäische Liaison sozusagen. Wenn Carlson Rezidor wiederum tatsächlich von Accor und einem chinesischen Misch-konzern geschluckt wird, wie derzeit einige Medien spekulieren, geht der Kampf der Giganten mit asiati-scher Prägung in die nächste Runde. „Der Drachen ist aufgewacht“, nannte Christie & Co jüngst eine Trend-studie. Hoffentlich hinterlässt er keine Brandopfer. syk „Wir haben die Kraft, eigenständig zu bleiben” Herr Müller, Glückwunsch zum IHIF-Preis für das Lebenswerk. Schauspieler hätten nun Angst, dass man sie aufs Al-tenteil abschieben will. Der Preis ist eine große Ehre, über die ich mich sehr freue. Das ist immer auch ein Kompliment für das Konzept. Und es hat mich beruhigt, dass die letzten Preisträger auch noch sehr aktiv sind. Es beweist auch, dass Sie zum Trend-setter geworden sind. Was war entschei-dend bei Ihrer Design-Idee: Gespür oder Marktforschung? Eher Gespür. Inspiriert waren wir si-cher von den Design-Hotels, etwa von Ian Schrager und Philippe Starck. Wir dachten, Design und Qualität müssten auch im Budgetbereich machbar sein, da ist schließlich die höchste Nachfra-ge. Natürlich war auch die grundsätz-liche Affinität zu gutem Design im Be-reich Architektur und Möbel ein Hin-tergrund. Anfangs war es eher Me-Too. Erst nach dem Verkauf unserer Astron- Hotels 2002 konnten wir uns mehr mit Motel One auseinandersetzen. Individualität und Erlebnisse zu bieten sind starke Hoteltrends. Überlassen Sie das den anderen? Der aktuelle Trend geht stark in die Richtung Entertainment mit 25h als Vorreiter und nun Aloft, Moxy, Jaz in the City, CitizenM. Es kommt darauf an, wie man Erlebnis definiert. Wenn es darum geht, sich mit Freunden in ei-ner Designbar zu treffen, bieten wir das auch. Wenn es DJ, Live-Musik, Tisch-tennis und Billard bedeutet, bieten wir das nicht. Wir sind keine Entertainer, das ist nicht in unserem Markenkern enthalten. Dieser ist auf Qualität und Design ausgerichtet, und das wollen wir noch konsequenter verfolgen: mit hochwertigsten Boxspringbetten von Breckle, 40-Zoll-Flat-Screen von Loe-we und Zimmer-Safes. Im Bad erfolgt die Umstellung auf Organic-Seife und Shampoo in Spendern sowie die Ein-führung von Schminkspiegeln und Kosmetiktüchern. In den öffentlichen Bereichen ist es Ziel, das One Lounge Konzept noch individueller und die Design-Themen noch erlebbarer zu gestalten. Zudem rückt die Bar als op-tisches und kommunikatives Zentrum mehr in den Mittelpunkt. Überhitzt der Hotelmarkt in den deut-schen Großstädten gerade? Ein klares Ja. In den letzten Jahren wurden Hotelimmobilien sehr attraktiv für Investoren, vorher galt die Branche als zu kompliziert. Das befeuert noch einmal zusätzlich das Bauen von Ho-tels. Wir haben das typische Phänomen, dass am Ende eines lang anhaltenden Zyklus viel gebaut wird und sich nie-mand vorstellen kann, dass z. B. die Nachfrage einbricht und sich das Zu-satzangebot zumindest temporär nicht mehr kompensieren lässt. Dann kom-men oft schwierige Jahre, und wer schon lange genug in der Branche ist, hat diese Zyklen mehrfach erlebt und sollte vorbereitet sein. Sicher befeuern die EZB-Niedrigzinspolitik und die feh-lenden alternativen Anlageoptionen den Hotel-Bauboom in zusätzlich. Bei sinkenden Auslastungen und Preisen wird sich dann das ein oder andere Neubauprojekt nicht mehr rechnen. Allen Playern im Markt ist klar, dass es sich nicht ewig so fortschreiben lässt. Das ist nicht der Weltuntergang, es wird Foto: Motel One 12 4/2016


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