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Foto: Treugast Solutions Group/Arnulf Hettrich zora in Istanbul verstär-ken. Dort schleppen die Gäste ihre Koffer durch ein „abge-ranztes“ Treppen-haus und landen in einer tollen Designerwohnung mit Bosporus-Blick. Wir wollen aber vor al-lem in Zentraleuropa expandieren. In Wien sollen es 50 Ladenein-heiten werden, in Amster-dam zehn bis 15 Schleusen-wärterhäuschen, in Berliner typische Altbauwohnungen als Kiezhotel. Immer Lokal-kolorit, extrem hochwertig Stephan Gerhard untersucht nicht nur als Partner bei der Treugast Solutions Group neue Trends, sondern prägt sie auch. Wir sprachen mit ihm über fragmentierte Hotels, gewerbliches Wohnen und Stadtteile als Lobby. in jedem Detail – das haben sie in keinem Hotelzimmer, nicht mal im 25hours. Die Stadtplaner vor Ort sind von dieser Idee der Zweitnutzung leerstehender Läden begeis-tert. Und für uns ist der Gedanke des frag-mentierten Hotels absolut spannend, vor allem in der Logistik, von der Schlüsselaus-gabe bis zu den Reparaturen. Solche Konzepte leben letztlich auch von einem anderen Typus Gastgeber, einem Be-ziehungsmanager. Wird hierfür die klassische Hotelfachausbildung noch gebraucht? Ich bin völlig bei Ihnen. Es geht darum, eine Wirtschaft betreiben zu können und mit Menschen zu agieren. Bei diesem Geschäfts-modell braucht es die Interaktion mit Men-schen. Sie wollen, im Gegensatz zu Airbnb, die Ansprache. In Wien werden sie daher von der Fanny begrüßt, die ihnen Geschich-ten von ihrer Oma erzählt, aber eigentlich ist Frau Holzer-Luschnig ein Hotel-Vollprofi. Wir starten 2016 noch ein anderes Projekt, das zeigt, dass es auch ohne Hotelausbildung geht: Bei The Door-man, ein Boar-dinghausange-bot auf Vier- und Fünf-Sterne-Ni-veau, setzen wir anstelle der Rezepti-on einen Doorman als Integrationsfigur, als An-laufstelle ein – und zwar am liebsten frühere Mitarbeiter von Abercrom-bie & Fitch. Diese müssen nicht wissen, wie man eine Buchung tätigt, sondern sie geben die Schlüssel aus, verraten Stadttipps, orga-nisieren den Hundeservice etc. und sorgen generell für Sicherheit. Wir vermieten die Wohnungen über Makler und gehen von rei-ner Longstay-Nachfrage aus. Insofern gebe ich Ihnen Recht: Die Ausbildung muss sich nach dem Konzept richten. Bei 25hours, The-men- und Familienhotels heißt das, dass es einen Mix gibt. Hier müssen die Mitarbeiter gut ausgebildet sein und als Mensch lässig auftreten, Geschichten erzählen. Der Mensch also wieder als Airbnb-Antwort? Ja, die Menschen wollen „betütelt“ werden. Sozusagen zurück zu den alten Qualitäten unserer Branche, die wir durch Sparzwän-ge und Zeitmangel verloren haben. Gerade für die unabhängigen Häuser ist dies die Chance sich abzuheben. Ansonsten heißt es aber: sich nicht wehren, sondern eigene Kon-zepte entwickeln. Hier gilt es z. B., die vielen unentdeckten Möglichkeiten des gewerblichen Wohnens zu nutzen und mit Immobilien- Partnern aus der Immobilienbranche u. a. Wohnen mit Service anzubieten. Es geht bei all diesen Angeboten um das gro-ße Grundrauschen Individualisierung. Inwie-fern ist diese mittlerweile auf dem deutschen Hotelmarkt tatsächlich angekommen? In puncto Spezialkonzepte wie 25hours oder Grätzlhotel besteht noch einiges Potenzial. Viele Menschen lieben das, und die Hotellerie muss Ant-worten auf die immer indi-viduelleren Ansprüche der Gäste geben. Hier ist noch viel möglich, denn letztlich „vernischt“ sich nicht die Hotellerie, sondern die Gäste – auch weil immer mehr aus für uns relativ unbekann-ten Ländern anreisen. Wir sind überzeugt davon, dass auf Dauer diese extrem fokus-sierten Betriebe 30 % des Gesamtmarkts ausmachen werden – auch im Ferienbereich. 70 % bleiben Mainstreamprodukte, was nicht pauschal heißt, dass es sich um lang-weilige Hotels handelt. Ist die Branche mutiger geworden? Ja absolut, die Branche sieht die Erfolge de-rer, die etwas gewagt haben, und traut sich jetzt auch mehr. Im Moment sind die Exis-tenzängste, die es immer in Wellen gibt, kein Thema. Die Hoteliers sind wieder „leichter“ geworden, einige haben verstanden, nicht mehr alles vorab durchdenken zu müssen, sondern setzen um und justieren bei Bedarf nach. Vielen Dank für das Gespräch. syk 23. Juni 2016 im Hotelkomptenzzentrum in Oberschleißheim Weitere Infos und Anmeldung unter: www.hotelkompetenzzentrum.de Foto: ©BillionPhotos – Fotolia.com einrichtung


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