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Fotos: Dreimeta, Armin Fischer, Augsburg for 25hours Hotels, Maaß Das rote alte Relikt der Backstein-Neo-gotik wirkt inmitten der Leistungs-schau modernen Bauens in der Ham-burger Hafencity fast etwas verloren. Erst der Blick zur imposanten baulichen Ver-wandtschaft in der Speicherstadt lässt ah-nen, dass auch hier am Magdeburger Hafen alle Gebäude ähnliche Klinkerfassaden hat-ten. Die Lage am Südostrand der Hafencity ist 1A. Dennoch brauchte es unternehme-rischem Mut und Leidenschaft für die Ge-schichte des Hauses, um das Hotelpotenzial zu sehen. Es war nicht nur in einem baulich schlechten Zustand, durch viele Um- und Ergänzungsbauten ist das Gebäude stark verschachtelt. Es besteht aus drei Teilen mit verschiedenen Bodenhöhen, die sich auf je-der Etage bemerkbar machen. Zudem liegt das Haus etwa 3 m niedriger als der zum Hochwasserschutz aufgeschüttete Boden des Viertels. Ein Fall für Kai Hollmann. Schon sein erstes Hotel, das Gastwerk, war denkmalgeschützt und eine bauliche He-rausforderung. „Denkmalgeschützte Ge-bäude zu sanieren hat schon seinen Reiz, aber es ist auch schnell ein Fass ohne Bo-den, durch Brandschutzauflagen, Denk-malschutzauflagen etc.“, weiß er aus Erfah-rung. Der kritische Punkt diesmal war, als der Bau einer Tiefgarage tiefe Risse ins Ge-mäuer verursachte und schnell das Funda-ment stabilisiert werden musste. Doch der Hanseat glaubte an das Projekt. Er ist nicht nur mit seinen drei Partnern von 25hours der Hotelier, sondern auch gemeinsam mit Jürgen Groß der Investor. Individualität No. Neu Das Alte Hafenamt, so der neue Gebäu-dename und die neue Adresse seit März 2016, passt in die 25hours-Philosophie. Die Innovatoren der deutschen Hotelszene den-ken nicht nur in Bilanzen, sondern auch in Drehbüchern, jedes Hotel erzählt eine Ge-schichte. Kontakte zur lokalen Kunstszene und zur Nachbarschaft sind ihnen so wich-tig wie zur Fachwelt. Sie setzen Trends, ohne sich in Marketing-Sprech zu verren-nen. Etwa 90 % Auslastung in allen Hotels ist der Lohn. Die bisher sieben 25hours Hotels unter-scheiden sich stark. Quasi Individualität in Serie. Und auch das Alte Hafenamt ist eine schöne Ergänzung oder Weitererzäh-lung des benachbarten 25hours Hafenci-ty. Als Seemannsheim gedacht, werden hier über das Haus verteilt die Geschich-ten von 25 Seeleuten aus aller Welt er-zählt. Das Alte Hafenamt ist dagegen das Heim der Kapitäne. Weniger verspielt, weniger hip, etwas erwachsener. Eher Boutique-Hotel als Hipster-Herberge. Warme Farbtöne wie Beige, Blau und Braun oder Terrakotta betonen das. Das 1885 errichtete Gebäude ist voll von baulichen Finessen wie Friesen aus Form-steinen, Spitzbogenvertiefungen, Mauerreliefs, Stuckdecken, Terrakotta-Ziegelstei-nen und viel Messing. Im Flur hängen alte Seekarten – eine schöne Reminiszenz an die Geschichte des Gebäudes. Über 100 Jahre lang wurden hier Pläne gezeichnet, und Kapitäne aus aller Welt berichteten dem Hafenmeister über ihre Reisen. Die aus-führende Architektin Britta Kleweken von Dreimeta Augsburg wollte so viel Vorge-fundenes Nina Quitmann hotelkonzepte Mit dem neuen Alten Hafenamt wagt sich 25hours wieder an eine neue große Hotelstory – wieder in Hamburg und wieder im Seemannsgewand. Aber diesmal im hip-erwachsen gewordenen Boutique-Stil. wie möglich verwenden. Nicht als museale Dekoration, sondern funktional. So wurden alte Türen zu Bettrücken, alte Schränke für Seekarten zum Unterbau von Servicestation und Buffet. Die Zimmer verfügen über Kingsize-Bet-ten, Bluetooth-Boxen, kostenloses W-LAN, nachhaltige Kosmetikartikel, teilweise Nes-presso- Maschine und Samova-Tee sowie – erstmals bei 25hours – einen Smart-TV, über den auch ausgecheckt werden kann. In den Kojen der Kategorien X und XL par-ken Fahrräder der Marke Pelago. Felix Siegl, zuständig für Sales und Marke-ting, musste die individuell geschnittenen 49 Kojen zwischen 20 und 50 m² in M, L und XL kategorisieren. Keine leichte Aufgabe, besonders, da sie auch sehr unterschiedliche Zimmerhöhen und Aussichten bieten. Auf der einen Seite auf den Marktplatz des Viertels, mit Straßen-Cafés und einem dienstäglichen Food-Truck-Markt. Andere Blickwinkel bieten Hafenblick oder haben Fenster zum idyllischen Hof, den Lieb-lingssplatz der General Managerin Nina Quitmann, mit zwei Boule-Bahnen neben dem ältesten Baum der Hafencity. Molcho & Highballs Wichtig, um Kapitäne bei Laune zu halten: eine gute Kombüse mit herzhaftem Essen und ausreichend gutem Rum. Ein Neni-Res-taurant sorgt, wie schon in Wien und Berlin, für einfache, frische israelisch-arabisch-ös-terreichisch- mediterrane Hausmannskost, nur hier der Umgebung angepasst mit mehr Fisch im Angebot. Die Küche ist einsehbar, nur durch eine Glasscheibe von den 80 Plät-zen getrennt. Die Philosophie der Chefin Haya Molcho ist, an großen Tischen zusam-menzusitzen, das Essen herumzureichen und zu teilen. Der messingge-fasste Eichenboden wird durch Bodenreliefs von Antonio Gaudi veredelt. Für die Rum-Versor-gung, z. B. mit unkompli-zierten Highball-Drinks in gefrorenen Gläsern mit Eiskugeln, sorgen der derzeit renommierteste deutsche Bar-tender Jörg Meyer und Rainer Wendt (Café Paris) in der Boilerman Bar im 8 m hohen ehemaligen Kartenraum. Hier gibt es eine große Fensterfront sowie eine Terrasse mit weiteren 40 Plätzen und eigenem Eingang. Blickfang ist ein großes Wandbild des fik-tiven Gastgebers, des alten Hafenmeisters. Tatsächlich stand jedoch ein Obdachloser dem Maler Thomas Koch Model. Er malte erst mit Tusche auf eine Art Folie, die dann in die Wand gearbeitet wurde. Das Portrait wirkt beängstigend lebendig. Spätestens nach ein Paar Highballs mit Rum erwar-tet man, dass das Wandbild anfängt, See-mannsgarn zu erzählen. Florian Maaß 25hours Altes Hafenamt 20457 Hamburg • www.25hours-hotels.com Eigentümer: Altes Hafenamt Hamburg Architekt: Bolles+Wilson Innenarchitekt: Dreimeta Armin Fischer Projektentwickler: Groß & Partner Aufzüge: Thyssen Krupp Bad: Dornbracht, Duravit, Ideal Standard, Kaldewei Betten: FBF bed&more Kaffee, -maschinen, Tee: Mr. Hoban‘s Coffee Roastery, Nespresso, Samova Möbel: Freiraum (lose Möbel, Zimmer), Max Franke (Lobby, Eingang), Schirmherrschaft (Terrasse) Software: Protel Türschließanlage: VingCard – Assa Abloy TV: Samsung www.fbf-bedandmore.de (Auszug) PROJEKTBETEILIGTE 3/2016 15


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