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Foto: © Luis Louro / Fotolia.com Um herauszufinden, was sich im ersten Jahr mit dem neuen Mindestlohngesetz im Markt getan hat und welches weitere Kritikpunkte sind, haben wir Vertreter des Außer-Haus- Markts inklusive des Fleischerhandwerks um ihr Fazit gebeten. In einer Online-Umfrage von Anfang Dezember 2015 bis Anfang Januar 2016 äußerten sich insgesamt 303 Verantwortliche aus der Hotellerie (30,0 %), Gastronomie (42,6 %), dem Fleischerhandwerk (14,9 %), aus Gemeinschaftsverpflegung (8,6 %) und Schulverpflegung (3,3 %) zum Mindestlohn und seinen Auswirkungen. Die meisten von ihnen (67,1 %) arbeiten in kleinen Betrieben mit bis zu 25 Mitarbeitern. Erzwungener Wandel Bereits vor Realisierung der Mindestlohnverordnung wähnten sich viele Betriebe vor großen Veränderungen. Unsere Umfrage zeigt: Auch ein Jahr nach Einführung des Gesetzes stehen viele Betriebe ihm kritisch gegenüber. Die Mehrheit der Befragten (65 %) gibt an, dass sich seit der Einführung Umstrukturierungen im Personalbereich oder den Arbeitsabläufen Welche Veränderungen haben sich in den befragten Betrieben ergeben? Erhöhung der Preise für Gäste und Kunden Gleiches Arbeitspensum trotz verkürzter Arbeitszeit Erhöhung des Arbeitspensums der Mitarbeiter 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 ergeben haben. Die Mehrheit der Unternehmen (84,2 %) muss höhere Personalausgaben einkalkulieren oder die Preise für Endverbraucher erhöhen (64,1 %). Außerdem geben über 30 % der Umfrageteilnehmer an, dass das Gesetz für Veränderungen bei Arbeitspensum, Zusatzzahlungen und Umsätzen sorgte. 31,5 % mussten sogar Arbeitskräfte entlassen. Auf die Frage, ob die Regeln und gesetzlichen Vorgaben den Arbeitsablauf im Unternehmen stören, antworteten deutliche 71,5 % mit Ja. Trotzdem zahlten bereits 68,8 % der Unternehmen vor Inkrafttreten des Gesetzes den Mindestlohn von 8,50 €. Eine Differenzierung zwischen den Branchen zeigt allerdings Unterschiede. In der Gastronomie ergibt sich eine Änderungsrate von 77,69 %. 71, 3 % der gastronomischen Betriebe mussten zum Jahreswechsel die Preise für Gäste anheben. Fast alle (92,6 %) berichten von höheren Personalausgaben. 76,8 % der Befragten aus der Hotellerie bestätigen diese Einschätzung. Die Mehrheit der Hoteliers ist der Meinung, dass die gesetzlichen Vorgaben den regulären Arbeitsablauf stören. Eine etwas andere Sicht auf das Mindestlohngesetz hat das Fleischerhandwerk: 50,0% seiner Vertreter geben an, durch die Einführung haben sich keine Veränderungen ergeben. Deutlicher fällt die Bewertung bei der Gemeinschafts- und Schulverpflegung aus: Im Bereich der Gemeinschaftsverpflegung geben 65,2 % an, dass sich keinerlei Änderungen aufgrund des Gesetzes ergeben haben. Immerhin 55 % der verantwortlichen Schulverpfleger teilen diese Meinung. Mindestlohn ja, Bürokratie nein Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass die Umstellung auf den gesetzlich festgelegten Mindestlohn bei einem Großteil der Betriebe (86,6 %) gut funktioniert hat. Die Betriebe fühlen sich überwiegend gut beraten, insbesondere Vertreter aus der Schulverpflegung (63,6 %). Über die Hälfte der Gastronomiebetriebe (59,5 %) wünschen sich jedoch mehr Unterstützung von Bund und Verbänden. Trotz der weitgehend problemlosen Umstellung, bewerten die Befragten die zahlreichen organisatorischen Veränderungen, die das Inkrafttreten des Mindestlohngesetzes mit sich gebracht hat, als schwer umsetzbar. Dazu zählt die neue Aufzeichnungspflicht, die vor allem das Fleischerhandwerk (68,2 %), aber auch die Gastronomie (66,2 %) und die Hotellerie (61,4 %) als schwer empfanden. Alle drei Branchen realisieren die Aufzeichnung überwiegend handschriftlich (Fleischerhandwerk und Hotellerie: je 81,4 %, Gastronomie: 73,6 %). Viele Befragte klagen deshalb, dass die Dokumentation der Arbeitszeit viel Zeit verschlingt und wünschen sich Ausnahmeregelungen oder eine komplette Abschaffung. Auch Schulverpflegungsanbieter erfassen die Arbeitszeit größtenteils handschriftlich (81,8 %), dennoch stuft ein Großteil von ihnen (63,6 %) die Umsetzung als einfach ein. Auch knapp drei Viertel (73,9 %) der GV-Anbieter hatten keine Probleme bei der Einführung der Zeiterfassung, was auf die fortschrittliche Erfassung zurückzuführen sein könnte: 78,3 % der Betriebe erfassen die Arbeitszeit elektronisch. Höhere Ausgaben im Bereich Personal Entlassungen Der Mindestlohn hat sich auf den Umsatz des Unternehmens ausgewirkt Streichung von zusätzlichen Zahlungen (Urlaubsgeld usw.) Andere (z.B. Mehrschichtbetrieb, Betriebsaufgabe, Umstellung des Angebots ...) Über alle Branchen hinweg geben die befragten Unternehmen an, dass die Einführung des Mindestlohngesetzes Anfang 2015 in höheren Personalausgaben resultiert hat. © first class, Quelle: B&L MedienGesellschaft 84,2 % 31,5 % 33,7 % 64,1 % 31,0 % 26,6 % 35,3 % 20,1 % marktforschung 1-2/2016 13


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