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Ob Flüchtlingszelt, Verpflegungsaktion oder Mitarbeitergewinnung – die Branche zeigt in der Flüchtlingswelle aktuell Flagge. Weiteres Potenzial besteht vielerorts. Zahlreiche Informationen zu aktuellen Initiativen und staatlichen Rahmenbedingungen finden Sie unter www.gastroinfoportal.de muss schon Gas geben, um es zu schaffen.“ Besonders wichtig sei das schnelle Deutschlernen. Und sich ein Herz zu fassen und zu sa-gen: „Hilf mir“. Im Benen-Diken-Hof auf Sylt fragte der afghanische Flücht-ling Salih Shekhan selbst an, ob er mitarbeiten dürfe. Inzwi-schen macht der ehemalige In-formatikstudent bei Claas-Erik Johannsen eine Lehre als Res-taurantfachmann. Zwei weitere Afghanen jobben als Room Boy und Küchenhilfe. „Die Einsatzbe-reitschaft der Flüchtlinge ist sehr hoch“, freut sich der Hotelier. Auf Sylt halten sich derzeit 200 Asyl-bewerber auf – und im Gastge-werbe sind 350 Stellen frei. Selbst ist der Arbeitgeber Die „Gastgeber-Branche“ zeigt viel guten Willen. Doch noch zö-gern viele Betriebe, Flüchtlingen eine Chance zu geben. Vor allem weil der Behörden-aufwand und die Planungsunsicherheit ab-schreckend wir-ken. In Anbe-tracht von 15.941 offenen Ausbil-dungsstellen allein im August eigentlich ein Jam-mern auf hohem Niveau, könnte man meinen. Und eine Chance, die man schon eine Weile ge-danklich hätte durchspielen können. Bereits im Januar hatte z. B. Gereon Haumann, Präsident des Dehoga Rheinland-Pfalz, die „Initiative 300“ zur Ausbildung von 300 Flüchtlingen im Gast-gewerbe Rheinland-Pfalz gestar-tet. Bis März fanden sich bereits 307 Plätze in 86 Gastro-Betrie-ben. Die Behörden fanden wiede-rum zeitgleich nur vier Bewerber. Als sich Gereon Haumann selbst kümmerte, machten immerhin 110 Flüchtlinge einen vorberei-tenden dreimonatigen Sprach-kurs, etwa 70 davon kamen in Betriebspraktika und gut zwei Dutzend traten jetzt ihre Ausbildung an. „Hätte die Politik im Januar gewusst, was noch auf uns zukommt, hätten sie wohl mehr Einsatz gezeigt“, vermutet Gereon Haumann. Dabei geht in Berlin selbst derzeit sogar eine Initiative von der Politik aus: Das bundesweit einzigartige Hospi-tality- Programm des Senats soll jungen Asylbewerbern zur Aus-bildung im Berliner Gastgewerbe verhelfen. Vorgeschaltet war der Aktion eine Umfrage unter allen Berliner Dehoga-Mitgliedsbetrie-ben über Erfahrungen mit und Interesse an der Mitarbeit von Asylsuchenden. Die Resonanz war sehr groß, und eine deutliche Mehrheit bekundete Interesse. Unterstützung für alle Interes-sierten bietet auch das Projekt „Early Intervention“ der Agentur für Arbeit, das Qualifikationen und Neigungen der Flüchtlinge abfragt. Hilfreich ist zudem das Studentenprojekt workeer.de, bei dem Flüchtlinge und Arbeitgeber zusammengebracht werden. Ak-tuell bieten dort etwa die A-ja- Resorts Jobs an. Bei allen Initiativen muss die Poli-tik natürlich den passenden Rah-men setzen. Der Dehoga fordert dabei u. a. eine Aufenthaltsgarantie während der Ausbildung. Zudem sollen die Gastro-Berufe auf die Mangelliste der Jobs mit Personalengpass gesetzt werden. Das würde die Ausbildung oder Beschäftigung schon ab dem 3. Aufenthaltsmonat vereinfachen. Es bleibt eine Aufgabe und eine gewisse Pflicht: Das Gastgewer-be kann viel dazu beitragen, dass die Hunderttausenden, die teil-weise ihr Leben riskiert haben, um Deutschland zu erreichen, auch wirklich in unserer Gesell-schaft ankommen. Wie Maqsoud Adeeb, der sich längst Maxi nennt, in Unterhaching: „Als ich kürzlich mal Verwandte in Berlin besucht habe, hatte ich richtig Heimweh nach München.“ Florian Maaß Immer besser - Systemlösungen aus einer Hand Perfekte Wäschepflege, glänzende Geschirrreinigung Leistungsstärker - Waschen, Trocknen, Mangeln Sicherer - geprüfte Hygienelösungen Glänzender - Spülergebnisse für gepflegte Gastlichkeit Schneller - Kundendienst in Ihrer Nähe Umfassender - sorglos Serviceleistungen Info: 0800 22 44 644 www.miele-professional.de ➘


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