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first_class_09_2015

mitarbeiterwege Das Pullman Dresden Newa konnte vor allem beim Praktikum viele Punkte sammeln. oder wie manches schiefläuft. Aber gerade Köche regnet es mit den steigenden admi-nistrativen Aufgaben nicht vom Himmel. Große Hotels haben eine HR-Abteilung und im Vergleich zu kleinen und mittleren In-dividualhotels damit einen großen Vorteil. Ketten- und Großhotels aber wiederum ha-ben den größten Bedarf an Fachkräften und ziehen den Individualhotels viele Ausgebil-dete ab. Dass auch bei den Ketten manches besser geht, hat der Test aber leider auch © first class gezeigt. Unsere Empfehlungen: Bieten Sie monatlich einen fixen Berufs-Info-Tag an und machen Sie in Schulen und der Presse darauf aufmerksam. Bei diesen Treffen kön-nen Sie auch die HACCP-Einweisung etc. vornehmen, die einige getestete Hotels als Vorwand genommen hatten, kein zweitä-giges Praktikum anzubieten. Grundsätzlich empfiehlt es sich heute sehr, auch zweitä-gige Praktika anzubieten. Denn ein guter Bewerber sieht sich die Betriebe ein bis zwei Tage vorab an. Und wir wollen doch die Guten! Jene, die im Frühjahr und zum Sommeranfang konzentriert in Prüfungen stecken und zugleich Bewerbungen starten, haben einen vollen Terminkalender und oft nur am Wochenende Zeit. Schneidet der Praktikant im Kurzpraktikum gut ab, kann man ihm ein längeres anbieten. Für diese Varianten sollten Sie jeweils ein Handbuch anlegen und darin u. a. die vielen Aufstiegs-chancen aufzeigen. Machen Sie deutlich, dass es in unseren Berufen später auch fami-lienfreundliche Arbeitsmöglichkeiten gibt. Geben Sie Gehälter von F&B Managern und Direktoren an und bebildern Sie dies. Geben Sie Kontaktdaten von Ehemaligen weiter, die dafür wiederum ein jährliches Benefit er-halten. Während der Praktika ist es sinnvoll, in allen Abteilungen je einen Paten für den Nachwuchs zu haben und diesen je nach Er-folg am Jahresende auch besonders zu honorieren. Nach der Probezeit empfiehlt sich z. B. ein Messerkoffer als erstes Willkommensge-schenk. In manchen Betrieben bekommen die Auszubildenden sogar ein Auto gestellt. Wir selbst haben mit vielen Maßnahmen gute Erfahrungen gemacht, z. B. legen wir bei jeder Absage einen Brunch-Gutschein bei, Azubis bekommen zudem nach der Pro-bezeit Übernachtungsgutscheine für Freun-de und Bekannte geschenkt. All das und noch vieles mehr führt zum Wow-Effekt. Und dies erkennen gute Bewerber sehr wohl an. IM GESPRÄCH MIT ... KEVIN RAKOW Herr Rakow, wie überrascht waren Sie von den Erfahrungen, die Sie in den Betrieben gemacht haben? Als überraschend würde ich diese nicht bezeichnen. Da ich zwei Freunde habe, die in der Küche arbeiten, hatte ich schon ein grobes Bild darüber, wie der Hase läuft. Ich muss jedoch gestehen, dass ich sehr erstaunt war über die logistische Leistung, die in einer Küche vollbracht wird. Zum Großteil geht es um das Vorbereiten und Put-zen, nur ein kleiner Teil hat mit dem Kochen zu tun. Zudem war ich überrascht, wieviel nicht frisch zubereitet wird, sondern gerade beim Frühstück mindestens einen Tag alt ist, im Kühlhaus steht und am nächsten Tag wieder aufgetischt wird. Aber nach den vier Hotels war mir klar, dass es gar nicht anders ablaufen kann. Zudem war ich wirklich über den Ton in der Küche überrascht – im positiven Sinne: Ich wurde immer respektvoll behandelt. Der Ton ist zwar rau, aber nicht so schlimm wie in der Öffentlichkeit oft dargestellt. Und da prä-zise und just in time agiert wird, verstehe ich auch den Ton. Was hätten Sie sich von Ihrem künftigen Ausbildungsplatz gewünscht? Welcher wäre es geworden? Welcher genau es geworden wäre, darüber bin ich mir bis heute nicht sicher. Entweder das Pullman, weil dort die Organisation für die Azubis am besten war, bei klaren Anordnungen und einem spürbar angenehmen Umgang. Dort wäre es wohl die angenehmste Ausbil-dung gewesen. Oder im Bülow Palais, in dem die Qualität und die In-halte der Ausbildung mit Abstand die überzeugendsten waren. Hier wird die gehobenste Küche mit allen Sektionen von der Vorspeise bis zur Patisserie in einem vereint. Dort hätte ich am meisten gelernt und wäre mit dem größten Erfahrungszuwachs hinausgegangen. Von meinem künftigen Arbeitsplatz wünsche ich mir Ehrlichkeit, einen Ort, an dem klar gesagt wird, was zu tun ist, und an dem eine Miteinander-Atmosphäre im Team herrscht. Wo jeder dem anderen hilft. Nach dem Motto: „Viele Hände, schnelles Ende.“ Ich denke: Wer sich um den anderen kümmert, der fühlt sich wohler, und das Arbeiten macht Spaß, was sich automatisch auf die Produkte positiv auswirkt. Was sind Ihre künftigen Berufspläne? Das ist mit Abstand die schwierigste Frage. Ich bin noch bis Ende September auf Reisen und werde danach entscheiden, ob ich etwas im Bereich Vertrieb, Marketing, Hotel und Tourismusmanagement oder in einem ganz anderen Bereich mache. Auch solche Tests wären interessant, weil sich so viele Erfahrungen machen lassen, ohne in einen stupiden Alltag hineinzukommen. Vielen Dank für das Gespräch. syk Hotel Suitess Bülow Palais The Westin Hotel Bellevue Pullman Dresden Newa Hotel Erstkontakt (max. 3 Punkte) 2 2 3 3 Praktikum (max. 13 Punkte) 6 9 10 13 Verabschiedung Verbleib (max. 2 Punkte) 0,5 1,5 1,5 1,5 Nachfassen (max. 2 Punkte) 0 0 0 2 Gesamt (max. 20 Punkte) 8,5 12,5 14,5 19,5 56 9/2015


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