personalwege - Test: Nachwuchs wirklich gesucht?.......

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Foto:s © WoGi – Fotolia.com Nachwuchs wirklich gesucht? mitarbeiterwege Seit Jahrzehnten klagt die Branche über den Fachkräfteman-gel. Das inzwischen professionalisierte Recruiting nutzt bisher vor allem den Ketten und Bildungsträgern. Viele Privathotels kämpfen derweil um zu wenige, die eine Ausbildung starten, und um jene, die von den Ketten lange ins Ausland gelockt werden und hier fehlen. Weltweit werden täglich ca. 150 Hotels in der Vier- und Fünf-Sterne-Kategorie eröffnet. Mit den Hotels im Ein- bis Drei-Sterne-Bereich haben wir einen globalen Tagesbedarf von ca. 45.000 Mitarbeitern – an spannenden Plätzen und mit einer nahezu weltweiten Arbeitsplatzgarantie. Doch wir jam-mern z. B. über schlechte Arbeitszeiten und vergessen, dass wir in Deutschland ca. 1,6 Mio. Arbeitnehmer haben, die im Drei-Schichtsystem arbeiten und dies auch bei einem niedri-gen Lohnniveau akzeptieren. Warum also bekommen wir in unserer Branche nicht die Kurve? Bei unserem neuen Servicetest, bei dem uns der Hotel- und Tourismusmanagement-Student Kevin Rakow freundlicherweise unterstützte, wollten wir wissen, wie engagiert sich die Branche um potenzielle Azubis bemüht. Wie die Ab-läufe sind, wenn ein 25-Jähriger mit Abitur, der über eine Ausbildung zum Koch nachdenkt, in einem Vier- bis Fünf- Sterne-Hotel anruft und nach einem zweitä-gigen Praktikum fragt. Wie ernst er genommen wird, wenn er taff verdeut-licht, dass er sich nach einem Prak-tikum in drei bis vier Dresdner Hotels für den künftigen Ausbil-dungsbetrieb entscheidet. Wir hatten erwartet, dass man ihn mit der Sänfte abholt. Doch statt-dessen war – zumindest bei unse-rer Anfrage – das zweitägige Prak-tikum leider aus verschiedenen Gründen u. a. in folgenden Betrie-ben nicht möglich: Hotel Taschen-berg Palais Kempinski, Gewand-haus Dresden, Swissôtel Dresden Am Schloss, Steigenberger Hotel de Saxe, Hotel Am Terrassenufer und Hotel NH Dresden Neustadt. Im Innside Dresden hatte man einen Rückruf zu-gesagt, der aber ausblieb. Insgesamt waren die Gespräche teilweise weder professionell noch sehr freundlich. In den Betrieben, in denen er „schnup-pern“ durfte, testeten wir folgende As-pekte: Versucht das Haus, schnell einen Termin zu finden? Gibt es vorab oder am Ende ein kleines Vorstellungsgespräch? Wie wird er zum Praktikum empfangen? Weiß das Team Bescheid? Bekommt er eine gute Einweisung und einen Ansprechpart-ner? Wie wird er geführt und motiviert, um später ins Team zu finden? Bekommt er etwas in die Hand und ruft ihn das Haus spätestens nach 14 Tagen an, um ihn zu gewinnen oder ihn zu einem längeren Test einzuladen? Bülow Palais Am 29.5. warten wir um 14.01 Uhr fünf Minuten in der Warteschleife und versuchen es am 1.6. wieder. Wir werden sofort in die HR-Abteilung verbunden. Die Ansprechpartnerin Fr. F. ist im Meeting. Ein Rückruf wird zugesagt und erfolgt nach 30 Minuten. Kompliment! Kevin Rakow wird gebeten, sich per E-Mail direkt an den Küchenchef Ein 25-Jähriger mit Abitur und Interesse an einer Kochausbildung klopft für ein zweitägiges Praktikum an der Hoteltür – und ist nicht immer willkommen. Ein neuer Servicetest. 54 9/2015


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