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suchen, laut Julian Trautwein, inzwischen den Kontakt zur Plattform. Der Markt bietet offenbar Platz für beide Angebote. Laut Travelzoo-Umfrage möchten 51 % nicht auf die Hotelannehmlichkeiten verzichten. 55 % haben Zweifel an Sauber-keit, Zahlung und Abläufen bei Airbnb. Blei-ben die ungleichen Spielregeln. Prof. Roland Conrady schlägt einen Mittelweg vor, durch den „Abbau von exzessiven Regulierungen in der Hotellerie und Einführung sinnvoller Regeln“. Er macht deutlich: „Die Sharing Economy geht nicht mehr weg, es sind zu starke Treiber am Werk. Man muss sie als Trigger für den Wandel von Rechtsvorschrif-ten Fotos: Ipartment, privat ren so auch klar von den Hotelangeboten. Ipartment-Geschäftsführer Mathias Rincòn nennt sich Airbnb-Fan und vermarktete das eigene Angebot anfangs sogar über die Sei-te. Für ihn war Airbnb jedoch nicht der richtige Kanal, um gehobene Corporate-Kunden anzusprechen. Ein scheinbar allgemeines Airbnb-Problem, denn Geschäftsreisende bevorzugen weiter Profi-Unterkünfte. Mit hotelähnlichen Services soll nachgebessert werden, dafür wurde z. B. der Hotelier Chip Conley engagiert. Umgekehrt sind erste Ho-telketten in die Sharing Economy eingestie-gen. Wyndham beteiligt sich an Lovehomes-wap, Hyatt bei einer Edelversion von Airbnb, Onefinestay, und verspricht sich auch Impul-se für die eigenen Hotels. Andere Hoteliers haben ihre Zimmer auf Airbnb gestellt – und „Hotelbrille“ vieles aus der Gastperspektive. So sichern sie einen hohen Grad an individueller Betreuung. Gut möglich, dass das das größte Pfund gegenüber den Kettenhotels ist. Sie erarbeiten seit einiger Zeit mit Apartmentplayern in internationalen Arbeitskrei-sen ein einheitliches Apart-ment- Wording, ein Marke-tingkonzept etc. Das dürfte in der Branche relativ einma-lig sein. Wie ist der Stand? Anett Gregorius, Geschäftsführerin Boardinghouse Consulting Wie ist eine solche Zusammenarbeit möglich? Serviced Apartments erleben derzeit eine stetige Veränderung: Der Markt wird immer größer, die Konzepte vielfältiger. Wir haben im Kleinen eine Marktmatrix entworfen und 2014 weiterentwickelt. Im Großen soll diese kommuniziert und angewendet werden, ob in Marktanalysen, Vorträgen oder im Alltag – das ist die wirkliche Herausforderung. Zudem befassen wir uns mit der Immobilie selbst, aktuell der, wie viel Lifestyle ein Apartment braucht. Das ist etwas, was sich auch durch die Konkurrenz der Privatwohnungen stellt. Die Luxushotellerie erlebt in einigen Groß-städten eine deutliche Abwanderung in den Privatzimmersektor. Wir wollen davon nicht überrollt werden und mit guten Konzepten vorbauen. Das Thema greifen wir z. B. auf der Expo Real auf. International haben wir unsere Ergebnisse auf dem Serviced Apart-ment und Produktangeboten nutzen.“ Airbnb plant derweil, den ganzen Urlaub zu organi-sieren, vom Flug bis zum Abendessen. „Wir wollen die ganze Reise betrachten“, sagt Julian Trautwein. Dass sich die Plattform erst am Anfang sieht, könnte die gesamte Touris-musbranche beunruhigen. Florian Maaß Summit in London vorgestellt. Ohne Frage: Diese branchenumfassende Zusam-menarbeit lebt vom Engagement vieler. Ich möchte jeden Experten ermutigen, die Ar-beit aktiv zu unterstützen. Im Juni war der Bewerbungsschluss für den So!Apart 2015, dem Preis für die bes-ten Apartmentkonzepte, der am 19.11.2015 in Berlin von Ihnen vergeben wird. Welche Konzepttrends zeichnen sich aktuell ab?
 Individualität ist Trumpf. Es geht klar hin zu mehr Lifestyle. Der Gast lebt meist längere Zeit in Serviced Apartments und schätzt eine wertige Ausstattung, die sei-nem Lebensgefühl entspricht, eine tech-nische Ausstattung und das Branding. Die komplette Kommunikation rund um das Produkt hat sich sehr professionalisiert. Der Award ist eingebettet in ein zweitägiges Tagungsprogramm. Welche Themen bewe-gen gerade die Branche? Es gibt drei „Dauerthemen“: die saubere Abgrenzung der Produkte innerhalb des Segments (Marktmatrix), Fragen rund um die Online-Buchbarkeit und der Wunsch, öffentlich noch besser wahrgenommen zu werden. Die Themen sind Dauerbrenner, weil der Markt nach wie vor wächst und es weiter neue Investoren und Marktteil-nehmer gibt, oft Branchen- oder zumindest Segmentfremde. Einen genauen Einblick in das Programm können wir voraussicht-lich ab September geben. www.so-apart.de Vielen Dank für das Gespräch. syk IM GESPRÄCH MIT... ANETT GREGORIUS Frau Gregorius, Wohnlichkeit, Echtheit, Profi-Standards – man könnte sagen, dass sich der aufstrebende Apartmentsektor den Vorteilen von klassischen Hotels und Airbnb bedient. Sie begleiten den Apartmentsektor seit über 15 Jahren: Was könnte die klassische Hotellerie von diesem lernen?
 Ich gebe Ihnen Recht, wenn wir Airbnb als Synonym für die private Wohnraumvermittlung verwenden. Serviced Apart-ments bedienen sich einiger Vorteile von Privatwohnungen, genauso wie denen klassischer Hotels. Dabei bildet das Gros der Gäste nach wie vor Geschäftsreisende, für die verlässliche Standards wichtig sind, gute Organisa-tionsstrukturen und professionelle Abläufe. Aus der „privaten“ Welt schätzen sie die große Gastgebermentalität und den groß-zügigen, individuellen Wohnraum. Viele Serviced-Apartment-Betreiber bieten zudem Räume, in denen sie sich treffen können. In einer hocheffizienten, durchrationalisierten Welt sucht der Gast heute Rückzugsorte. Vielleicht ist das aktuell eine der wichtigs-ten Eigenschaften, weshalb sich immer mehr Gäste für Serviced Apartments entscheiden. Zudem ist der Serviced-Apartment-Markt hier sehr mittelständisch geprägt. Die Häu-ser können relativ schnell auf veränderte Bedingungen reagieren. Oft kommen Betrei-ber aus anderen Branchen und sehen ohne 42 9/2015


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