Freund und Feind im Bett?

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Foto: © sowanna – Fotolia.com Freund und Feind im Bett? Wir sind noch ganz am Anfang und ein kleiner Player im Tourismus“, verkündet Airbnb-Sprecher Julian Trautwein kürzlich im Gespräch mit first class. Und Sensible könnten das, was als Understatement gemeint ist, auch als „Drohung“ für die Hotellerie verstehen. Denn das 2008 gegründete US-Start-up der Sharing Economy ist mit 20 Mio. Kunden, 24 Mrd. $ Marktwert, dreistelligen Zuwachsraten bei Gästen und Unterkünften sowie 1,5 Mio. Betten (verzehnfacht in vier Jahren) bereits das weltgröß-te Beherbergungsunternehmen – ohne ein einziges Hotelbett zu besitzen. Für die online angebotenen, meist privaten Unterkünfte verdient es 13 % des Zimmerpreises. Bisher ist das Modell bei uns überwiegend ein Großstadtphäno-men, mit einem Viertel der deutschen Angebote allein in Berlin. 245.000 Berlin-Besucher nutzten 2014 bereits die Seite. Doch bisher hat noch keine neue Vertriebsstruktur die Beherbergungsbranche so durcheinandergewirbelt – und wird daher wohl auch langfristig Einfluss auf den gesamten Hotelmarkt nehmen. Also wie soll die Hotellerie mit dem neuen Mitbewerber umgehen? Nikolaus Kaiser, Direktor des Hamburger Baseler Hofs, ist deutlich: „Die Hotellerie lehnt Angebote der entgeltlichen Übernachtung in Privatwohnun-gen ab.“ Der Hotelmanager Armin Hies vom neuen Aloft Stuttgart ist entspannter und sieht „Airbnb als interessanten Kollegen in der Stadt“. Auch Tobias Warnecke, IHA-Referent und Mitglied der Task Force Share Economy im europäischen Dachverband, heißt „jeden innovativen neuen Player willkommen“, aber er müsse nach den gleichen Regeln spielen. Und da hapert es bisher mangels klarer Regeln oder ausreichender Kontrolle, etwa bei der Besteu-erung, Meldescheingesetz, Sicherheit, Brandschutz und Hygiene. Auch der Tourismus-Ausschuss des Bundestages beschäftigt sich aktuell mit dem Thema. Mitglied und Hotelfachfrau Anja Karliczeck sieht grundsätzlich „neue Wettbewerber sehr positiv“, nur den ungleichen Wettbewerb nicht. Möglicherweise sei auch „die Definition zwischen privat und gewerblich zu verschärfen“. Die Großstädte versuchten das schon in eigenen Verordnungen. In Berlin ist, auch auf Druck der Hotel-Lobby, ab 2016 die wieder-holte oder gewerbsmäßige touristische Untervermietung nur noch mit Genehmigung möglich. Hamburg wählte einen gemäßigteren Kurs, legalisierte die Angebote, solange die Wohnungen räumlich und zeitlich überwiegend vom Mieter selbst genutzt werden. Bei der Gesetzesnovelle in der Elbmetropole war Airbnb sogar beteiligt, um Klarheit für die Gastgeber zu liefern. Und kleinere Städte ohne Wohnungsnot begrüßen Airbnb sogar als „positive Ergänzung zu 40 9/2015


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