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Fotos: privat, Block Menü food_convenience gehensweisen nennt Katrin Moos-Achenbach, verantwortlich für Export und Marketing bei der Achenbach Delikatessen Manufaktur, für die individuelle Fertigung. „Manche Kunden stellen uns ein genaues Rezept zur Verfügung, das wir dann 1:1 umsetzen und nur noch klei-ne Anpassungen im Sinne einer effizienten Herstellung oder verbesserten Mindesthalt-barkeit vornehmen“, führt sie eine Varian-te auf. Andere kämen mit sehr viel weniger Vorgaben auf das Unternehmen zu. Für diese sei z. B. eine Form oder auch die Verwendung bestimmter Zutaten entscheidend. „Die Kre-ativität überlassen sie dann unserer Produktentwicklung, die eine neue Rezeptur entwickelt und erste Muster herstellt.“ Als Voraussetzung für die in-dividuelle Fertigung gibt der Mehrheit der Unternehmen an, dass eine Mindestabnahmemen-ge erreicht werden muss. Bei Wein-bergmaier sei diese je nach Produktgruppe unterschiedlich, wobei bestimmte Mindest-mengen nicht unterschritten werden können. Als Grund dafür nennt Mag. Andreas Kirchner, Geschäftsführer des Unternehmens, dass der Entwicklungs- und Produktionsaufwand sonst nicht mehr gerechtfertigt sei. „Ebenso not-wendig ist, dass sich die Produkte mit unseren vorhandenen Maschinen herstellen lassen“, nennt Martine Barkei, Vertriebsleiterin Food Service und Industrie bei Bürger einen weite-ren zu erfüllenden Aspekt. Anders als Standard Inwieweit sich die individuell hergestellten Produkte vom Standardsortiment der ein-zelnen Hersteller unterscheiden, variiert. So erklärt Martine Barkei von Bürger z. B.: „Wir produzieren sowohl komplett neu entwickel-te Kundenprodukte als auch leicht veränderte Varianten vorhandener Produkte.“ Gleiches gilt auch für die Fertigung im Hause Block Menü: „Manchmal sind es nur Nuancen, manchmal weicht es sehr von unserem Stan-dard ab. Meistens sind es aber Produkte, die wir im Standardgeschäft nicht anbieten.“ Von der Abwandlung einer vorhandenen Rezep-tur durch den Austausch einer Zu-tat bis zur Entwicklung eines Produkts, das sich nicht einmal ansatzweise in unserem Sortiment wiederfinden lässt, ist das Spektrum rie-sig, weiß Katrin Moos- Achenbach. Immer aber bedarf es dabei passgenauer Lösungen, die sich nahtlos in das je-weilige gastronomische Konzept einfügen. „Daher können die Wünsche hinsichtlich Rohwaren, Geschmack, Optik und Handling sehr unterschiedlich ausfallen“, verdeutlicht sie. „Auch das vorhandene Budget ist nicht bei allen Zielgruppen gleich.“ Wie die Convenience-Produkte der Zukunft aussehen, hängt stark von der Philosophie des einzelnen gastronomischen Betriebs ab, ist sich Kalle Seifert, Kaufmännischer Leiter bei Seubert, sicher. „In manchen Betrieben heißt es ,Hauptsache günstig‘, in anderen steht die Qualität im Vordergrund. In jedem Fall wird das Thema regionale Produkte auch im Be- Convenience der Zukunft... ...ist qualitativ wie selbstgemacht. ...ist gelingsicher in der Handhabung. ...ist nachhaltig erzeugt. ...hat Bezug zur Region. ...lässt dem Koch Freiräume für seine eigene Kreativität. ...vereint Wirtschaftlichkeit, Qualität und Sicherheit. ...geht immer mehr in Richtung höherer Conveniencegrad. ...bedeutet, alles noch einfacher und schneller zu gestalten. INFO reich Convenience immer wichtiger.“ Bürger stellt Unterschiede in den Anforderungen der einzelnen Zielgruppen fest. So stehe bei Metz-gereien der hausgemachte Charakter im Vor-dergrund, bei den anderen Zielgruppen seien hingegen auch das Handling und die Sorten-vielfalt bedeutend. Exklusivität inklusive? Ist das Convenience-Produkt Marke Eigenbau erst einmal entwickelt, bleibt die Fra-ge offen, ob dieses auch der Konkurrenz in die Finger fallen könnte. Das würde wiederum bedeuten, dass der Wunsch nach Individu-alität und Abgrenzung vom Wettbewerb trotz individuellem und zu-gleich industriellem Produkt nicht gegeben ist. Um dies zu vermeiden, sind die Rezepturen bzw. Produkte bei u. a. Bürger, Block Menü oder Meisterfrost 100 % exklusiv – so-fern es, wie im Falle von Block Menü, nicht anders im Kontrakt festgehalten ist. „Prinzipiell geben wir keine individuellen Rezepturen an unsere Kunden weiter – nur mit Einverständ-nis verwenden wir diese selber oder für andere Kunden“, räumt Mag. Andreas Kirchner von Weinbergmaier ein. Auch im Hause Seubert ist es bereits vorgekommen, dass Rezepturen nach erfolgreicher Umsetzung auch für das eigene Sortiment übernommen wurden. Bei Achenbach kommt es auch vor, dass Sonder-anfertigung Anstoß für eigene Produkte sind. „Im Sinne einer partnerschaftlichen Zusam-menarbeit stimmen wir derartige Pläne aber selbstverständlich mit dem Auftraggeber ab“, betont Katrin Moos-Achenbach. Wer es noch exklusiver will, der führt wie die Hotelmanagement-Gesellschaft GCH Hotel Group eigene Dessert- und Snacklinien als Standard ein. „Wir sind stolz, bald bundesweit einheitliche, exklusive Desserts und Snacks anbieten zu können, deren Komponenten es in der Form nur bei uns gibt“, erklärt Shachar Elkanati, F&B Director der GCH Hotel Group, und ergänzt: „Der Gast von heute erwartet mehr als ein austauschbares Convenience- Produkt.“ Wer also mit Individualität im Spei-senangebot – auch mittels Unterstützung von Convenience-Produkten – punktet, tanzt hin-sichtlich der Angebotseinheit geschmacklich aus der Reihe, aber dafür der Konkurrenz mit einer Nasenlänge voraus ins Ziel, das heißt: Kunden gewinnen. sar „Prinzipiell geben wir keine individu-ellen Rezepturen an andere Kunden weiter oder verwenden sie.“ Andreas Kirchner 50 Kompendium 2015


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