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Gemeinsames Kochen Gerade in Städten werden die Küchen in Privat-haushalten sich in Richtung Versorgungsküche entwickeln. Dem gegenüber steht das Bedürf-nis nach Kochen in Gemeinschaft. Befriedigen können dieses große, gut ausgestattete Kü-chen, die sich für Gruppen anmieten lassen. Dafür lassen sich unter dem Schlagwort „Kit-chen Surfing“ auch private Köche buchen – ein Zusatzgeschäft auch für Profiküchen? Realität sind bereits Plattformen wie Meal Sha-ring oder die App mealUp, die Reisende vor Ort oder Fremde einer Stadt an einen gemein-samen Tisch bringen. Die Gegenbewegung sind Livestreams, die einsame Esser miteinan-der vernetzen. Die Südkoreanerin Seo-Yeon Park z. B. verdient ihr Geld mit einer Online- Dining-Show, s. Link. Home Delivery, Online- Foodshopping, To-go-Verzehr Amazon & Co. erschweren dem Einzelhandel schon jetzt das Geschäft. Der Nestlé Zukunfts-studie zufolge könnten auch Nahrungsmit-tel für den täglichen Bedarf spätestens in 15 Jahren größtenteils online eingekauft werden. Apps werden dabei die Bestellung erleichtern. Analog der unter Gastro-Profis etablierten Ein-kaufsgemeinschaften könnten unter Konsu-menten Food-Communities entstehen, die ge-meinsam günstiger einkaufen wollen. Der LEH dagegen wird wohl mehr zum Berater, Ideen-geber und „Verköstiger“, also auch zum Kon-kurrenten des klassischen Außer-Haus-Markts. Darüber hinaus werden noch mehr Mahlzeiten unterwegs gekauft und vor Ort oder Zuhause verzehrt. Zusätzlich nimmt der Trend zu, sich bereits fertige Mahlzeiten nach Hause liefern zu lassen – beides eine Chance für gastronomi-sche Betriebe (s. S. 112ff). Die neue Konsumentenmacht Das Internet ermöglicht es dem Konsumenten, seine Kaufmacht noch besser auszuschöpfen. Der Empowered Consumer wird zum neuen „Experten“, der Wissen auf horizontaler Ebe-ne, z. B. in Blogs, weitergibt. Er hat zudem eine Renaissance des Selbermachens angeschoben, die auch „Free-from-Produkte“ und alternative Anbieter sowie Genussnetzwerke fördert. Die Gastrononomie sollte mit diesem Konsumen-ten in transparenten Dialog auf Augenhöhe treten (s. S. 156ff). kir Illustrationen: Nestlé Deutschland Personalisierte Lebensmittel sollen die individuelle Leistungsfähigkeit steigern. Novoandina entsprechend angesagt sind. Im-pulsgeber ist allen voran Lima bzw. Peru gene-rell. Die Neuandische Küche zeichnet sich durch ihren offenen Umgang mit fremden Einflüssen aus. Als Signature Dish gehandelt wird Ceviche – roher, in Limettensaft marinierter Fisch. Den Reiz von Streetfood macht neben dem Stilmix internationaler und heimischer Zuta-ten oder Küchen zusätzlich das unverkrampfte Ambiente aus – und neben gutem Marketing auch die Vergänglichkeit der Festivals. Etwas strukturierter kombiniert wird beim letz-ten Trend dieser Stilrichtung, dem Food Pairing und Food Completing. Hier sind wissenschaft-liche Aromenprofile und deren harmonische Paarung und Ergänzung ausschlaggebend. Personalisierung, Ernährung als Statussymbol Statt der einen Strömung werden sich meh-rere nebeneinander entwickeln, da die Ernäh-rung immer mehr den individuellen Lebensstil widerspiegelt. Damit einher gehen Szenarien der personalisierten Ernährung (s. S. 28), deren Umsetzung Armbänder oder Apps mit individu-ellen Gesundheitsprofilen erleichtern könnten. Auf die Spitze getrieben wird das durch eine Ernährung, welche die Leistungsfähigkeit erhö-hen soll, z. B. durch Produkte mit gesundheit-lichem Zusatznutzen wie Brainfood, die auch unterwegs verzehrt werden können, z. B. als Powerriegel. https://www.youtube. comwatch?v= LGJX1h7CR8k ➘ Ressourcenschonende Ernährung, z. B. mit In-Vitro-Fleisch, gewinnt an Bedeutung. 26 Kompendium 2015


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