Hochzeiten in Grün

first_class_08_2015

Fotos: AmVieh-Theater Hochzeiten in Grün Wie führt man ein Bio-Hotel in einer nicht-touristischen Gegend erfolgreich? Mit Authentizität, rauschenden Festen und Engagement. Wer zum AmVieh-Theater im oberbayerischen Isental kommt, wird herzlich begrüßt – von den Besitzern Astrid Wöhrl und Hans Reichl ebenso wie von Fridolin und seinen drei Lama- und Alpaka-Kollegen. Wo die Ruhe unter der Woche nur von Vogelkonzerten unterbrochen wird, feiern an den Wochenenden um die 120 Gäste Hochzei-ten in einer ehemaligen Scheune. Das AmVieh- Theater finanziert sich zu 90 % über Events. „Unser größtes Aushängeschild ist der per-sönliche Kontakt, für den wir viel Mühe und Zeit aufwenden“, erklärt Astrid Wöhrl. Etwa 50 Entscheider pro Jahr müssen sie über-zeugen, die weitere Gäste mitbringen. Für diese stehen vier Doppelzimmer, ein Fami-lienzimmer und eine Ferienwohnung bereit, alle mit Holz, Stahl und Filz eingerichtet. Da das Paar bei jeder Feier mit anpackt und Bio einfach lebt, wirkt es authentisch und sympa-thisch. „Unsere Idee war nicht, mitten in der Natur Gäste in großer Zahl ökologisch zu ver-pflegen, sondern selbst gesund zu leben und das weiterzugeben – unsere Geschäftsphilosophie hat sich aus unserer Einstellung ergeben“, erinnert sich Astrid Wöhrl. So machte Hans Reichl seinen Hof 2001 zum Naturlandhof, 2007 kam das Bio-Hotel dazu. Dieses lie-ßen sie in Holzständerbauweise errichten mit Bäumen aus dem eigenen Wald. Auf dem Dach versorgt die Photovoltaik-Anlage die Küche mit Strom. In den Zimmern betten die Gäste ihre Häupter auf Bio-Baumwolle – zum Teil mit Lamawolle gefüllt. Astrid Wöhrl sorgt überwiegend für fleischlose Gerichte: „Ich möchte so lecker vegetarisch kochen, dass die Gäste immer seltener Fleisch wäh-len.“ Was nicht selbst her-gestellt wird, bezieht das Paar vom regiona-len Öko-Großhandel. Convenience landet nicht auf den Tellern – das stellt die Küche vor Herausforde-rungen: Astrid Wöhrl schei-terte auf der Suche nach einer Gastro-Kartoffelpresse – die meisten verwenden Pulver für Kartoffelpüree. „Bei uns gibt es aber nur selbst gemachtes Kartof-felpüree – also nehme ich meine 20 Jahre alte Haushaltspresse“, erklärt die Küchenchefin mit einem Schulterzucken. Für die Region Regional heißt nicht nur aus der Region, son-dern auch für die Einheimischen. Im Sommer ist das Café nachmittags geöffnet, und hier herrscht bei Kaffee, hausgemachter Limonade und Kuchen Dorfplatzatmosphäre. Alte Be-kannte treffen sich und tauschen den neues-ten Klatsch aus. „Es ist uns wichtig, dass man auch zu uns kommen kann, wenn man gerade nichts Konkretes zu feiern hat – so bleiben wir für die Leute greifbar“, erklärt das Paar. Schließlich bedeutet das Hotel für sie auch Politik. Hans Reichl arbeitet ehrenamtlich für den Verein Tagwerk, ein Netzwerk aus Biobauern, Verbrauchen und Verarbeitern, das sich für umweltschonende Landwirtschaft ein-setzt. Dank diesem wurden die Gemeinden Schwindegg und Buchbach als Öko-Modellregion Isental anerkannt, weil sie ökologische Lebensmittel, erneuerbare Energien und so-ziales Engagement fördern. Zudem hat Hans Reichl die Regionalwert AG gegründet, die regionale ökologische Erzeuger und Verarbei-ter finanziell unterstützt. „Eine Rendite der Le-bensqualität berücksichtigt auch ökologische und soziale Belange – es sollte allen möglichst gut gehen in einem intakten Umfeld“, gibt Hans Reichl zu bedenken. Auch ihr AmVieh- Theater wollen sie noch umweltfreundlicher gestalten. Astrid Wöhrl hat Spielzeug aus Re-cyclingplastik angeschafft, und Hans Reichl arbeitet an der Verbesserung des Energiemanagements. Davon sollen die Gäste gar nichts mitbekommen: „‚Tu Gutes und sprich darü-ber‘ ist nicht unser Motto, es geht uns um die Sache und nicht um Selbstprofilierung“, stellt Hans Reichl klar – und das spürt der Gast. jus www.amvieh-theater.de Die Ludwig Gruber Brunnwald 400  A-6465 Nassereith Tel. +43-(0)664-444 87 28  www.biohotels.info INFO reportage 142 Kompendium 2015


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