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Was ist überhaupt das Faszinierende an Fastfood, wie es derzeit viele Generationen lieben? Kinder mögen Fastfood, weil ihnen die Inszenierung von Essen kaum etwas bedeutet. Anders als Erwachsene genießen sie es nicht, über längere Zeit am Tisch zu sitzen, um ein Menü zu verzehren. Für sie ist es eine Qual, wenn man ihnen sagt: Du stehst erst auf, wenn du fertig bist. Kinder mögen das schnelle Essen. Doch inzwischen ist ihnen oft das Verständnis ihrer Mütter sicher, die ebenfalls mit McDonald‘s & Co. groß geworden sind. Ist die Pommes- Generation künftiger Maßstab erfolgreicher Gastronomiekonzepte? Das Wort Fastfood ist noch immer negativ belegt, das ändert sich aber gerade – ebenso wie entsprechende Konzepte. Restaurantketten wie „Hans im Glück“ haben ebenfalls Burger auf der Speisekarte, doch die Betonung liegt auf frischen Zutaten, hoher Produktqualität und handwerklicher Zubereitung. Zusammen mit einem modernen Restaurantambiente sprechen diese Konzepte einen neuen Fastfood-Konsumenten an. Der genussorientierte Fast-Casual- Typ ist stark im Kommen. Was kennzeichnet den Fast-Casual-Typen? Er achtet auf Qualität, Frische sowie Nachhaltigkeit. In unserer zunehmend mobilen Gesellschaft will er schnell, dabei aber gesund und kreativ essen. Wird dieses Bedürfnis erfüllt, gibt er gern 10, 11 E für seinen Mittagssnack aus. Diesem Trend entspricht auch die Streetfood- Bewegung, die mit auffälligen Foodtrucks und pfiffigen Konzepten die Fastfood-Szene aufmischen. Hier passiert etwas, das finden vor allem junge Leute spannend. Mit der klassischen Imbissbude, wo es Pommes und Bratwurst gibt, hat die Foodtruck- Philosphie kaum noch etwas zu tun. Könnte nach der Nutella-Generation und der Pommes-Generation bald ein Massentrend zu gesunder Ernährung folgen? Der Trend zu ve-getarisch bzw. veganer Kost könnte ein Vor-bote sein, oder nicht? Veganer verzeichnen zurzeit hohe Wachstumsquoten, allerdings gehen wir von einem niedrigen Niveau aus, denn es gibt ja nicht sehr viele Konsumenten, die konsequent auf tierische Produkte verzichten. Von einem Massentrend zu sprechen, wäre nicht angemessen. Das Interesse an der vegetarischen Küche als gesundheitsbewusste Ernährungsalternative ist jedoch hoch und sorgt für Bewegung in der Gastronomie-landschaft. Revolutionäre Konzepte schießen in „Die Ernäh-rung unserer Mütter und Väter war nicht besser! Gemüse und Obst waren z. B. mehr belastet.“ Ingo Barlovic sales_trend den Großstädten förmlich aus dem Boden, doch leider überlebt kaum eines das erste Jahr. So wie der Sonntagsbraten fast ausgestorben ist, scheint auch das klassische Mittagessen in Gefahr. Wie wird der Trend zum Snacken und Take away z. B. die GV prägen? In den Betriebsrestaurants wird man sich auf zwei Haupt-Ernährungstypen einstellen müssen: den Fast-Casual-Typ, der es schnell und anspruchsvoll mag, und den Typ „Hauptsache schnell und billig“. Hinzu kommen Menschen, die ihre Ernährung als Weltanschauung propagieren wie die Veganer, sowie eine wachsende Zahl jener, die sich mit dem passenden Essen selbst optimieren möchten. Später rücken diese Ernährungstypen dann in den Seniorenheimen nach und prägen mit ihren Vorlieben das Speisenangebot. So wie Nutella als Brotaufstrich selbstverständlich wurde, so wird es dann auch ein Burger im Altenheim sein. Welche Entwicklungen werden die gastrono-mische Landschaft noch verändern? Es gibt immer mehr Menschen, die länger im Ausland gearbeitet haben und deshalb nicht nur regional, sondern international essen möchten. Lieferdienste werden an Stellenwert gewinnen, nicht nur weil immer mehr Menschen im Homeoffice arbeiten. Aber vielleicht entdecken die Menschen auch das heimische Kochen wieder, denn es entspricht der Individualisierung. Wünschenswert wäre aber nicht nur das gelegentliche aufwändige Kochen als Event, sondern das normale Alltagskochen. Vielen Dank für das Gespräch! Cornelia Liederbach *Ein Unternehmen der Senger GmbH in Rheine. * * 117


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