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Zu viele Häuptlinge – zu wenige Indianer? Ein Häuptling hat den „Headdress“ auf, übernimmt Verantwortung und trifft Entscheidungen. Dennoch wird er ohne entsprechende Indianer an seiner Seite scheitern. Doch viele junge Talente, vor allem Absolventen der Hofas, äußern den Wunsch nach einem Leben als Häuptling: „Ich habe die Zeit und das Geld nicht umsonst investiert. Ich werde eines Tages die Verantwortung für ein Hotel übernehmen.“ Eine schöne Vorstellung, fast so wahrscheinlich wie der Gewinn einer Schlacht gegen die Bleichgesichter mit ihren Feuerwaffen. Ich stelle den Wunsch nicht in Frage, denn Ziele sollen sein. Vielleicht ist nur hin wieder die Vision und Intention zu hinterfragen. Denn in Zeiten, in denen große Grandhotels und Hotelgruppen teilweise im Copy-and-Paste-Verfahren eigene Akademien wie Pilze aus den Boden schießen lassen, werden sehr gut ausgebildete Fachkräfte zum Output. Ihr Akademie-Ziel: Anreize schaffen, Mitarbeiterentwicklung bieten und den eigenen Nachwuchs ausbilden. Doch was machen wir dann mit den vielen sehr gut ausgebildeten jungen Talenten? Ein Beispiel: Es gibt, laut einer bekannten Jobbörse, aktuell weniger als zehn Stellen als Hotel Sales Manager, dem gegenüber stehen mehr als 2.400 vakante Positionen an der Rezeption. Sieht sich nun ein super gefördertes Talent eher in der Position als Hotel Sales Manager, oder möchte es lieber am Frontdesk dem Gast gegenüberstehen? Was meinen Sie? Ich plädiere für die kostenintensive Version der Mitarbeiterentwicklung: der Erarbeitung eines vollumfassenden Entwicklungsprogramms für alle Hierarchiestufen. In Anbetracht der Mangelware – Mitarbeiter in der Küche, dem Service und der Rezeption – ist das eine nachhaltige und gut investierte Investition. Denn es werden die Gastgeber ihr Geschäft weiterhin erfolgreich betreiben, die entsprechend „angezündete“ und gut ausgebildete Mitarbeiter in allen Abteilungen haben. Und alle Leser mit einer Hands-on-Mentalität haben bitte eines im Kopf: Indianer dürfen anpacken und umsetzen, während Häuptlinge leider viel zu viel Zeit abseits des operativen Geschäfts verbringen. Und das macht nicht immer sonderlich viel Spaß – lassen Sie sich das von einem ehemaligen Häuptling sagen. gastkommentar Patrick Nottebaum, Inhaber Walnut Careers Die HR-Tagung für die Hotellerie und Gastronomie geht in die 2. Runde! 25. Juni 2015 im Hotelkomptenzzentrum in Oberschleißheim Infos & Anmeldung: www.hotelkompetenzzentrum.de/veranstaltungen-und-seminare/mkubik.html


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