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„Eine Option, keine Garantie für den Direktvertrieb“, wägt Tobias Warnecke, politischer Referent des Hotelverband Deutschland (IHA), aus heutiger Sicht die Vor- und Nachteile des Google Hotel Finder ab. „Der oft beschworene ,weiße Ritter‘, der die Hotellerie aus der Abhängigkeit der Buchungsportale befreit, ist Google mit Sicherheit nicht.“ Andreas von Reitzenstein, Vorstand und Chief Commercial Officer der H-Hotels, ist da mehr überzeugt: „Der Google Hotel Finder wirkt sich positiv auf unsere Hotels aus.“ Bereits seit 2013 sind die Häuser der Kette über eine direkte Schnittstelle angeschlossen, die sie selbst programmiert haben. Jährlich generiere sie so einen höheren sechsstelligen Umsatz, wenn auch der Anteil am gesamten Online-Umsatz noch gering ist. Die Sichtbarkeit der H-Hotels habe sich erhöht, so dass der Finder insgesamt für den Eigenvertrieb vorteilhaft ist. Allerdings, so Andreas von Reitzenstein, werde auch die Präsenz der OTAs durch den Google-Dienst größer, indem sie bei jedem Hotel mitbieten. „Daher war es für uns auch nie eine Frage, ob wir den Google Hotel Finder testen wollen oder nicht.“ Kleine Gruppe, keine Vorteile? Marco Nussbaum, CEO von Prizeotel und bekannter „Beweger“ und Diskutant in Hotel-Onlinevertriebsfragen, ist heute im Vergleich weniger begeistert. Aktuell habe man keine direkte Schnittstelle und könne deswegen nicht am Hotel Finder partizipieren. Er sieht ein starkes Ungleichgewicht: „Kleine Hotelgruppen und Kooperationen geraten in eine immer höhere Abhängigkeit von den OTAs. Die großen Ketten und Marken haben eine Chance, sich von der Abhängigkeit ein wenig zu lösen, obwohl die Abhängigkeit von Google danach auch nicht zu unterschätzen ist. Es ist ein wenig wie vom Regen in die Traufe.“ Denn für kleinere Ketten und Kooperationen führe der Google Hotel Finder lediglich zu steigenden Distributionskosten. Auch Tobias Warnecke vom Hotelverband Deutschland (IHA) sieht den Nachteil in sich wechselseitig hochschaukelnden Kosten: „Da steht nur ein Gewinner von vornherein fest: Google.“ Zusammen mit dem europäischen Verband Hotrec will der IHA Google daher in die Schranken weisen lassen und fordert bei der Europäischen Kommission, dass werbliche Angebote wie der Google Hotel Finder nicht mehr als 30 % des jeweiligen Bildschirms einnehmen dürften – egal ob auf Laptops, Tablets oder Smartphones gegoogelt wird. Nachdem ein vom ehemaligen Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia vermittelter Kompromiss-Vorschlag bei den Hoteliers und anderen Verbänden als ungenügend durchgefallen ist, wird der Fall von der neuen Kommissarin Margrethe Vestager nun erneut Gestern gefeiert, heute schon müde? Der Google Hotel Finder ist seit zwei Jahren auf dem deutschen Markt. Ein Zwischenfazit. verhandelt. Was können derweil Hotels selbst für einen besseren Finder-Nutzen machen? An der eigenen, mobil optimierten Webpräsenz samt Buchungsmaschine arbeiten und kostenlose Google-Tools nutzen, betont Marc O. Benkert von der Hamburger Agentur Be:Con. Er sieht vor allem die einwandfreie Webpräsenz als Voraussetzung für den Finder und stellt immer wieder erhebliche Unterschiede in der Konvertierung fest. „So haben wir Kunden, welche über den Hotel Finder respektable Ergebnisse erzielen, aber auch Kunden, bei denen die Konvertierung im Bereich von unter 2 % liegt.“ Dass auf Google die Klickkosten am höchsten sind, kann er nicht bestätigen: „Die Klickkosten in Relation zum Buchungsumsatz sind z. B. über Trivago und TripAdvisor höher.“ Andreas von Reitzenstein von H-Hotels empfiehlt wiederum, alle Entscheidungen auf Daten und bestenfalls auf A/B Tests basieren zu lassen. Alle erinnern daran, dass man die kostenlosen Tools von Google nicht vernachlässigen sollte. Das gilt vor allem für die Pflege der eigenen Präsenz über „Google My Business“. Aus der Quelle werden u. a. die Hoteleinträge im Google Hotel Finder inhaltlich bestückt. Beobachter vermuten übrigens, dass der Google Hotel Finder bald ersetzt werden könnte durch sogenannte Google Business Listings. Bei diesem Modell werden in die organische Suche drei Hotels mit Bild und anschließend mit Buchungsoptionen eingeblendet. In den USA wird damit schon experimentiert. „Der Hotel Finder wird vielleicht schon bald Geschichte sein“, glaubt Marc O. Benkert vor diesem Hintergrund. Was aber mit Sicherheit bleibt: der Start der Customer Journey auf Google. Heute und wohl auch morgen hoffen Hotels und Buchungsportale, dass der Reisende möglichst schnell und ohne Umwege über weitere Google-Dienste bei ihnen ankommt. Stefan Mey SIHOT im neuen Design: innovative Funktionen und Usability Eine neue Technologie auf Basis unserer stabilen Plattform. Individuelle Anpassung nach Ihren Bedürfnissen. www.sihot.com Das ist SIHOT.FleX medien


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