Branchenreport: Boom trotz Bürokratie

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branchenfokus (+3,3 %) zählte 2014 hierzulande die klassische Ho-tellerie, davon al-lein erstmals mehr als 60 Mio. aus-ländische Gäste. Der erzielte Nettoumsatz lag, laut IHA-Hochrechnung, bei Hotels, Hotels garni, Gasthöfen und Pensionen bei 22,1 Mrd. € (nominal +3,0 %, real 0,8 %). Für das laufende Jahr rechnen die Hoteliers mit einem Zuwachs von je 2 % bei Übernachtun-gen und Umsatz. Der aktuelle IHA-Branchenreport „Hotel-markt Deutschland 2015“, dem erstmals die Daten des Hotelbenchmarks von MKG Hospitality basierend auf den Angaben von und Aus-bauten (Vor-jahr: 436) geplant, die bei Realisie-rung 65.929 z u s ä t z l i c h e Hotelzimmer (Vorjahr: 56.880) im bereits gut be-setzten deutschen Hotelmarkt bedeuten würden – vor allem in Mün-chen, Frankfurt und Berlin. Entspre-chend rechnet der IHA weiter mit einer Zu-nahme des Verdrängungswettbewerbs – ge-rade auch zu Lasten der mittelständischen Häuser. Diese will der Verband künftig noch stärker unterstützen. Dazu gehört u. a. der Kampf gegen die Bettensteuer, die derzeit in ca. 20 deutschen Städten und Gemeinden gilt. „Sie ist kontraproduktiv, ungerecht, un-verhältnismäßig, bürokratisch und aus un-serer Sicht schlichtweg verfassungswidrig“, betonte Fritz G. Dreesen. Auch gegen unfaire Praktiken von Online-Buchungsporta-len wolle der Hotelverband weiter vorgehen und begrüßte das Einschreiten des Bundes-kartellamts bei Meistbegünstigungsklauseln. Das sei für die Branche ein weiterer Schritt zur Wiedererlangung der Entscheidungs-freiheit und zum faireren Wettbewerb, so Markus Luthe, IHA-Hauptgeschäftsführer. Handlungsbedarf sieht der Verband auch bei der anstehenden Novellierung der EU-Pau-schalreise- Richtlinie und der Einführung der Kategorie „Bausteinreise“. „Viele normale Hotelangebote würden künftig unter das Pauschalreiserecht fallen. Damit würde u. a. der Direktvertrieb der mittel-ständisch geprägten Hotellerie im Wettbewerb mit Buchungsporta-len ebenso erheblich wie widersinnig benachteiligt“, warnte Fritz G. Dreesen. Shadow statt Sharing Faire Wettbewerbsbedin-gungen mahnte der Ver-band auch im Umgang mit Peer-2-Peer-Plattformen wie Airbnb, Wimdu & Co. an, die fälschlich unter „Sharing Eco-nomy“ statt „Shadow Economy“ subsumiert würden. Das Problem habe in einigen Städten eine für die Hotellerie wettbewerbsrelevante Dimension erreicht. Vor allem das zwei-erlei angelegte Maß sei schwierig: Einer-seits gibt es das Leitbild des unaufgeklärten, schutzbedürftigen Verbrauchers, in dessem Interesse das sichtbare, gewerbliche Beher-bergungsangebot mit immer neuen Aufla-gen in puncto Hygiene, Brandschutz, Sicher-heit und Steuern stehen soll. Andererseits befindet sich der aufgeklärte Bürger, der via Smartphone und User-Bewertungen die Risiken selbst einschätzt und keiner staatlichen Bevormundung bedarf. Denn von den 11.701 Wohneinheiten, die z. B. allein Airbnb in Berlin auf seiner Plattform anbie-tet, stehen 7.714 als komplette Wohnungen 365 Tage im Jahr bereit – trotz des seit Som-mer 2014 geltenden Wohnraumzweckent-fremdungsgesetzes. Das ermittelte jüngst das studentische Projekt „Airbnb vs. Berlin“ an der FH Potsdam. So eine eklatante Un-gleichbehandlung halte ein Rechtsstaat nicht aus, urteilte Fritz G. Dreesen scharf. dmp Der Branchenreport „Hotelmarkt Deutschland 2015“ ist unter www.iha-shop.de bzw. beim IHA-Service für 365 E erhältlich. Bildungseinrichtungen zahlen 105 E. IHA-Mitglieder erhal-ten ihr Exemplar kostenfrei zugesandt. Deutschland zieht immer mehr aus-ländische Gäste an. Die inländische Hotellerie punktet mit ihrem hervorragenden Preis-Leistungsverhältnis“, ver-kündete IHA-Vorsitzender Fritz G. Dreesen stolz bei der Jahrespressekonferenz. Nie sei Deutschland als Reiseland beliebter gewe-sen: 263,2 Mio. Übernach-tungen ca. 1.000 Hotels mit über 160.000 Zimmern zugrunde liegen, sieht alle Kennziffern im Plus: Stieg die Zimmerauslastung 2014 von 68,5 % auf 70,1 % (+2,3 %), lag der Netto- Zimmerpreis bei 87 € (+1,6 %) – aber immer noch unter dem Europa-Durchschnitt von 89 €. Der Zimmerertrag (RevPAR) erhöhte sich um 3,9 % auf 61 €. Für die nächsten drei Jahre sind bundesweit 494 Neu-, Um- Foto: Polster Boom trotz Bürokratie 5. Wachstumsjahr in Folge, aber Herausforderungen wie Bettensteuer und Privatvermietungsportale – dieses Spannungsfeld machte der Hotelverband Deutschland (IHA) im Branchenreport auf. 8 5/2015


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