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first_class_05_2015

Foto: privat Dortmund. Für den selbständigen Handwer-ker ist das Baukastenprinzip, das kulinari-sche Fremdgehen sozusagen, perfekt: „Ich finde es klasse, spontan zu entscheiden, wo und was ich esse. Schmeckt die Pizza nicht, suche ich mir eben ein anderes Lokal.“ Im Hotel selbst vermisst er nur einen Balkon. Aber wie auch immer: A-ja wird den Touris-mus an der westlichen Ostseeküste beleben und die angestaubte Hotellerie zu überfäl-ligen Neuerungen drängen. Besonders das A-ja Grömitz. Das Resort 23743 Grömitz www.ajaresorts.de Die Leute werden weiter fünf bis sechs Wo-chen Urlaub haben und zwei- oder dreimal wegfahren wollen, aber das Budget reicht nur für einmal. Also kommen wir ihnen ent-gegen, indem sie per Auto anreisen können und nur das zahlen, was sie wollen. Wir hel-fen, die Saisonalität aufzuheben. Die Strand-lieger sind so wichtig wie die Strandläufer. Der Trend geht zur Urlaubsindividualisierung. Immer mehr Urlauber, die sich auf Reisen wie zuhause fühlen möchten, buchen bei Airbnb eine Privatunterkunft. Ein wichtiger Punkt. Viele Hoteliers kennen ihre Konkurrenten nicht, denn das Hotel ne-benan ist es nicht – wir profitieren beide von der Tourismusbelebung in Grömitz. Mittler von Privatunterkünften wie Airbnb, vorbei an Steuerlast und Personalabgaben, das sind die heimlichen Wettbewerber. Und diese können wir weder wegdiskutieren, noch die Entwicklung aufhalten. Die Hotellerie muss die Herausforderung als Chance für das eigene Produkt annehmen: Stärken, Vorteile, Sicherheiten herausstellen, in unseren Hotels zu buchen. Wie sind die weiteren Pläne mit A-ja? Steht der deutsche Markt weiter im Fokus? Meiden Sie Städte, weil Motel One schon da ist? Wir sind ein Startup mit hohen Auslastungs-ansprüchen. Daher bewegen wir uns haupt-sächlich auf dem Quellmarkt, auf dem wir uns auskennen. Ein Fokus legen wir etwa auf Nordrhein-Westfalen, wo 22 Mio. reisefreu-dige Menschen leben, denen man die Ostsee noch beibringen muss. Generell konzentrieren wir uns erstmal auf Deutschland, den alpenländischen Raum und die Autoerreichbarkeit. Das ist Teil der Marke und muss sich festigen. Dann kann ich mir vielleicht ein Experiment mit Fluganreise leisten. Wenn dabei Mallorca das 21. A-ja ist: Warum nicht? Jetzt kann ich mir zehn Hotels in den nächsten fünf Jahren vorstellen, lang-fristig 50. Bad Saarow öffnet noch 2015, Ruh-polding 2016. A-ja in der Stadt? Vom Konzept her wäre dies möglich. Die Konzentration gilt aber den Ferienorten. Sie waren zuletzt Vorsitzender der Geschäfts-führung von TUI Cruises. Welche Erkenntnisse tragen Sie mit in die Hotellerie? Das Thema Auslastung etwa. Diese war ge-setzt bei 100 % und der Preis variabel, in den Hotels ist es oft umgekehrt. Auch bei der Or-ganisation können viele Hotels etwas lernen. Wie ist es beim Personal? Ist es leichter, Mitarbeiter für die Kreuzfahrt zu gewinnen? Nicht zwingend, aber wir sind in der Ho-tellerie klar benachteiligt. Als deutsche Reederei kann ich mit Zulassung in Malta philippinische Mitarbeiter im Housekeeping beschäftigen, in einem deutschen Hotel nicht. Hier bin ich gezwungen, Mitarbeiter aus EU-Ländern einzustellen. Der Gesetzge-ber sieht einen perfekten Housekeeper von den Philippinen als nicht qualifiziert genug an, also anders als einen Blue Card-IT-Inder. Wenn man die Hotellerie und Gastronomie wirklich als Wirtschaftsmotor ansieht, soll-te man ihn nicht mit immer neuen Steuern, Regulierungen und Auflagen bremsen. Die Politiker sollten überlegen, wo sie übernach-ten wollen, wenn sie unterwegs sind. A-ja braucht nicht viel Personal, Sie sparen gerade an dem Punkt. Ich spare nicht an dem Personal, das wir haben. Es ist nur eine Struktur, die weniger Mitarbeiter-intensiv ist. Der Gast arbeitet mit und holt sich Kaffee oder Essen selber. Eine letzte Frage: Bei A-ja trotzen Sie weiter-hin der Dehoga-Zertifizierung. Was haben Sie gegen die Sterne? Die Dehoga-Klassifizierung trifft nur bedingt den Urlaubsmarkt. Der Schwimmmeister etwa kommt aus einer Zeit, als die Postkut-schen noch fuhren. Die für die Sterne gefor-derte Minibar wollen die Gäste höchstens noch zum Selbstbefüllen. Vielen Dank für das Gespräch. Florian Maaß IM GESPRÄCH MIT... … Richard J. Vogel, Geschäftsführen-der Gesellschafter DSR Hotel Holding Herr Vogel, wenn Sie ein Zwischenfazit ziehen: Wofür steht aktuell die Marke A-ja? Für einen erstklassigen Urlaub in erstklassi-ger Lage zu Bedingungen, die man vielleicht aus seiner Campingplatz-Jugend kannte. Sie steht für ein transparentes Preissystem, ein gutes, funktionales Zimmer, erstklassige Betten und dafür, dass der Gast entscheidet, wofür er sein Geld ausgibt mit 100 % Kosten-transparenz und ohne versteckte Nebenkos-ten. An der Ostsee steht A-ja dafür, Strandurlaub in ersten Lagen zu demokratisieren. Verstehen Sie A-ja als Budgethotel? Nein, ganz klar nicht. Das wird auch unse-ren Gästen nicht gerecht, denn je nach den Leistungen, die sie dazubuchen, ist es ein Zwei- oder Vier-Sterne-Urlaub. Auch die An-mutung ist wertiger. Was haben Sie aus den Warnemünder Gäste-reaktionen gelernt? Dass wir das Konzept noch besser erklären müssen. Wer nicht weiß, wie es funktioniert und mehr Service erwartet, ist enttäuscht. Welche Trends im Reisebereich spielen A-ja in die Karten? Zunächst der Trend zum Deutschland-Urlaub. Versprechen, die Saison ganzjährig zu verlän-gern, weckt viele Hoffnungen. Denn Grömitz selbst verfügt über eine gute touristische Inf-rastruktur mit einem kilometerlangen Strand, Seebrücke, Golfplatz, Yachthafen, Gastrono-mien – und bisher vielen Ferienwohnungen statt Hotelbetten (9 %). Den Befürchtungen einiger Grömitzer, der Ortscharakter könne mit dem neuen Hotel kippen, stehen neue spektakuläre Aussichten gegenüber, die viele berechtigte Sorgen in den Hintergrund rü-cken lassen. Auch bei den Gästen: Denn alle optionalen Kosten werden beim Aufenthalt auf der Chipkarte addiert und beim Check- Out bezahlt. Der letzte Eindruck vom A-ja- Erlebnis könnte da ein skeptisches „Na ja“ werden. Dennoch: A-ja scheint endgültig an-gekommen zu sein. Florian Maaß hotelkonzepte 22 5/2015


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