Aktuelle Studie: Folgen des Mindestlohns

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Foto: © beermedia.de – Fotolia.de, privat V on 2014 auf 2015 steigen die Personalkosten in der Hotellerie im Durchschnitt um 9 %, in der Gastrono-mie um 13 %. Etwa zwei Drittel der Personalkostensteige-rung in der Hotellerie und 82 % in der Gastronomie sind dem Mindestlohn zuzurechnen. Diese Mehrkosten durch den Mindestlohn entsprechen in der Hotellerie im Schnitt 2 % des für 2015 erwarteten Umsatzes und in der Gas-tronomie 3 % des Umsatzes. Das ist das Ergebnis einer Studie des Heilbronner Instituts für angewandte Markt-forschung mit dem De-hoga und IHA Deutsch-land. In der Onlinebe-fragung wurden 1.512 Personen aus Hotellerie (49 %) und Gastronomie (51 %) interviewt. Mit zunehmender Betriebsgröße bzw. steigendem Um-satz haben die zu erwartenden Mehrkosten durch den Mindestlohn in Relation zu den Personalkosten bzw. zum Umsatz eine geringere Bedeutung. Kleinst- und Klein-betriebe sind von der Einführung ökonomisch stärker betroffen. So liegt etwa der Anteil Mehrkosten durch den Mindestlohn an den Personalkosten bei diesen Be-trieben (unter 100.000 E Umsatz) bei 13 %, während er bei Großbetrieben mit 5 Mio. E Umsatz bei mehr bei 3 % liegt. Vor allem gastronomische Betriebe in Ostdeutsch-land leiden unter den Folgen des Mindestlohns: Die Gastronomie dort erwartet 15 % Personal-Mehrkosten. Betriebe, die mit höheren Mehrkosten durch den Mindestlohn rechnen, geben auch eine im Verhältnis größere Umsatzsteigerung an. Dies könnte das durch den Mindestlohn entstehende Defizit ausgleichen. Die Ausnahme in der Erhebung sind Hotels im Osten und Süden, welche die höhe-ren Kosten durch Mindestlohn und Personalkosten nicht durch einen höheren Umsatz auszugleichen erwarten. Höhere Preise? 75 % der Hoteliers und 88 % der Gastronomen haben einen Teil der Mehrkosten über eine Erhöhung der Verkaufspreise kompensiert oder planen es. Mindestens jeder zweite Gastrono-mie- oder Hotelbetrieb wird die Mitarbeiterstruktur überprüfen und anpassen, um die Personalkosten zu optimieren. Die Branche erwar-tet keine negativen Beschäftigungseffekte. Je nach Anstellungsver-hältnis ergeben sich aber Unterschiede: So wird ein geringer Anstieg an Teilzeitkräften und Auszubildenden erwartet, dem eine geringe Reduktion an Mini-Jobbern gegenübersteht. Rund jeder Zweite bewertet den Mindestlohn als negatives Ereig-nis, nicht notwendig, sinnlos und ökonomisch nicht zu bewältigen. Die andere Hälfte steht ihm neutral oder positiv gegenüber. Die größten Herausforderungen bestünden nicht in den Mehrkosten durch den Mindestlohn, sondern in der Dokumentationspflicht und im Aufwand zur Umsetzung. 70 % der befragten Hoteliers und 78 % der Gastronomen sehen dar-in eine große oder sehr große He-rausforderung. Der Aufwand zur Umsetzung wird von 66 % der Hoteliers und 75 % der Gastronomen als große oder sehr große Herausforderung erlebt. Hoteliers folgen dem Grundgedanken des Mindestlohns im Verhältnis zu den Gast-ronomen eher. Auch regional unterscheidet sich die Einstellung dazu. Betriebe im Norden und Westen Deutschlands sind dem Mindestlohn und sei-nen Auswirkungen gegenüber aufgeschlossener als im Süden und Osten. Daher liegt der Schluss nahe, dass die Politik den positiven Effekt des Mindestlohnes in dieser Branche nicht vermitteln konnte. www.hs-heilbronn.de Folgen des Mindestlohns Die Branche erwartet, laut einer Studie, dass durch den Mindestlohn die Personalkosten bei Klein- und Kleinstbetrieben kräftig steigen. Bei Dokumentationspflicht handeln Die Ver-ordnung erlegt gast-gewerblichen Unternehmen auf, Beginn, Ende und Dauer der Arbeitszei-ten von Mitarbeitern und Mini-jobbern aufzuzeichnen und die Unterlagen dem Zoll bei Prü-fungen vorzulegen. Dieser büro-kratische Mehraufwand im per-sonalintensiven Gastgewerbe lässt die Arbeitgeber Sturm lau-fen. Die Politik ist sich uneins, ob nachgebessert werden soll, z. B. durch Senkung der Schwel-le der Aufzeichnungspflicht von derzeit 2.958 E Monatsbrutto-verdienst auf 1.900 E, wie vom Dehoga gefordert. Ob und wann Änderungen kommen werden, ist völlig ungewiss. In der Zwi-schenzeit bleibt den Gastrono-men nur eines: die gesetzlichen Anforderungen in vollem Um-fang Kaum ist die Allergenkennzeichnung gemeistert, gibt es jetzt dringenden Handlungsbedarf durch die seit 2015 geltende Dokumentationspflicht im Mindestlohn. und zuverlässig zu erfül-len. Doch selbst vier Monate nach Einführung des Mindest-lohns, ist die Unsicherheit groß, und es besteht ein hoher Bedarf an individueller Beratung, um einerseits die rechtliche Situa-tion in Griff zu bekommen und andererseits für Entlastung zu sorgen. Die Kernkompetenz „Gastgeber“ wird zunehmend von der Verwaltungsaufgabe verdrängt. Statt vorn beim Gast zu sein, verbringt der Gastro-nom immer mehr Zeit im Back-office. Andererseits werden mit hoher Dynamik neue Module entwickelt. Etablierte Kassen-systeme wie auch die vereinzel-ten neuen iPad-Kassensysteme bieten integrierte Lösungen für die Mitarbeiter-Zeiterfassung zu geringen Zusatzkosten an. IT- und Kassendienstleister tun alles, um in Gesprächen und auf Roadshows um-fassend zu informieren. Nun ist der einzelne Gas-tronom gefordert, diese Beratung anzunehmen und zügig über passende Lösun-gen zu entscheiden. Stefan Brehm, Geschäftsführer Gastrofix 8 4/2015


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