Licht an

first_class_03_2015

Fotos: Fabian Hild, Breidenbacher Hof, © goldencow_images – Fotolia.com einrichtung & energie Frau Kober, was sind die häufigsten Fehler bei Raum- und Lichtplanungen in Hotels? Eine differenzierte Lichtplanung mit Grund- und Akzentbeleuchtung ist die Basis für ein erfolgreiches Raumkonzept. Hat man diese, kann es nicht passieren, dass z. B. 200 m² mit nur zwei Schaltkreisen ausgestattet sind und so das Licht nicht wirkt. Es geht um das Zu-sammenspiel von Farbe und Proportion bei Decke, Wand und Boden sowie um stets neue Raumerlebnisse. Problematisch im Gastro- Bereich sind oft Tische mit blendenden Leuchten. Nur bei einem blendfreien, aber gerichteten Licht lassen sich die Speisen und Getränke in ihrer Qualität zeigen. Auch die Lichtfarbe – das Lichtspektrum des Leuchtmittels – ist oft zu kühl, also Richtung Tageslicht, gewählt. So fehlen die Rot- Licht an Licht wirkt und Gelb-anteile, und diese Farben werden nicht reflektiert – sind also nicht sichtbar. Im laufenden Betrieb wird schließlich oft der Austausch der Leuchtmittel zum Tatort: Zwar berücksich- tigen viele noch die Wattzahl und das Mo-dell, aber sehr oft nicht die gleiche Lichtfar-be. In der Folge sind in den Lampen weiße, grüne und blaue Lichtpunkte erkennbar, die den Gast unterbewusst stören. Welche Hotelbereiche werden in puncto Licht am stiefmütterlichsten behandelt? Vor allem die Flurzonen und sanitären An-lagen in den öffentlichen Bereichen. Das meiste Potenzial birgt der gastronomische Bereich, denn hier können bei einer Lichtop-timierung locker Umsatzzuwächse um die 30 % erreicht werden. In den Wellnessberei-chen ist es uns wiederum besonders wichtig, einen „Cocooning-Effekt“ zu erreichen, d. h. ein sanftes, natürliches Licht, das Geborgen-heit schafft und die Räume in Szene setzt. Welche technischen und gestalterischen Lichtmöglichkeiten gibt es heute, die noch wenig bekannt sind? Wie haben die Energie-sparsysteme die Lichtgestaltung verändert? Für letzteres gilt: nicht sehr zum Vorteil, wenn man diese Entwicklung nur auf die sog. Energiesparleuchte mit meist E27- oder E14-Gewinde anwendet. Zudem gibt es immer noch sehr unterschiedliche Qualitä-ten in der Leuchtkraft und Farbwiedergabe bei teilweise zu langem Starten. Allerdings ist die Sensibilität für gutes Licht mit zu-gleich vernünftigem Energieverbrauch stark gestiegen. Mit dimmbaren, kunstvollen Ab-schnitten z. B. gelingt es vielen heute gut, den Ver-brauch unter Volllast zu verringern. Auch der Austausch bisher energe-tisch ungünstiger Leuchtmittel gegen LED-Leuchtmittel mit gleicher Lumenzahl (also Leuchtkraft) ist eine sinnvolle Investition, die sich meist schon im Anschaffungsjahr rech-net. Ein guter Lichtplaner berät dabei stets über die Neuheiten und zeigt seriös die Po-tenziale, direkt auf das Hotel gerechnet, auf. Hier ist z. B. die Entwicklung vom LED zum OLED interessant, wenn auch serienreife, er-schwingliche Produkte noch nicht erhältlich sind. Aber ihre Lebensdauer ist so hoch, dass sie sicher wichtiger werden. Letztlich gilt: Weniger ist mehr. Während LED in diversen Weißtönen im gleichen Raum stört und sich mittlerweile gut gleich-schalten lässt, erleichtert eine BUS-Steue-rung des Lichts, evtl. der Lichtszenen, bei intuitiver Bedienpaneel eine perfekte Be-leuchtung. Dabei achten wir auf wirklich intuitive Einstellungsmög-lichkeiten, damit auch alle Mitarbeiter si-cher damit umge-hen können. Sie haben die Brasserie im Breidenbacher Hof (F. l.) bei be-grenztem Budget „Planungsbüro Dreiklang- umgestaltet. Was ist nun anders? – und bringt 30 % mehr F&B-Umsatz. Wir sprachen mit Sabine Kober vom Hotelkonzepte mit Bisher wirkten die weiß Charakter“. lackierten, profilierten Wand-paneele kühl bei einer insgesamt schwieri-gen Akustik. Das vorhandene Licht an der Wand blendete enorm, und auf den Tischen herrschte ein undifferenzierter Schatten. Für das Ziel „mehr Umsatz durch eine längere Verweildauer“ war für uns daher entschei-dend, dass wir den Brasserie-Charakter er-lebbarer machen. Innerhalb von fünf Werk-tagen haben wir zunächst Bankreihen an den Längsseiten zur PAX-Zahloptimierung in blutrotem Nubuk-Leder positioniert, und den vorhandenen Stühlen mit strapazier-fähigem Mustermix-Polsterstoff ein neues Gesicht verliehen. Neben schlichten Leinen-vorhängen an der großen Fensterfront, sorgt das neue Stoffpaneel an der Wand für eine stilistische und akustische Aufwertung. Spie-gel an verschiedenen strategischen Stellen lassen den Raum größer wirken. Über die Tische mit Echtholzplatten aus weiß gekelk-ter Eiche befinden sich nun schwenkbare Einbauleuchten. Die umlaufende Hohlkehle (ca. 55 m) an der Decke ist schließlich mit regulierbaren RGB-LED-Linien versehen, die über Szenen morgens, abends oder z. B. bei Events verschieden abrufbar sind. Das Ergebnis: Die Brasserie verzeichnete seitdem eine Umsatzsteigerung um 29 %, der Hotel-gastanteil stieg dabei um 12 %. Vielen Dank für das Gespräch. syk 60 3/2015


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