Dr. Peter Stadelmann, Rational: Sonnige Aussichten

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Foto: Teodorescu SONNIGE AUSSICHTEN Der Management-Experte Dr. Peter Stadelmann hat sein erstes Jahr als Vorstandsvorsitzender bei Rational vollgemacht. Zeit für ein Stimmungsbarometer und die weiteren Aussichten. Herr Stadelmann, welches Fazit ziehen Sie aus dem ersten Jahr als Vorstandsvorsit-zender bei Rational – verbildlicht mit dem „Inselwetter“, das für die Stimmung in den Montageinseln steht? Das erste Jahr steht für mich als Optimist im Zeichen der Sonne, auch wenn wir zah-lenmäßig und börsenbedingt 2014 einen schwierigen Start hatten. Doch wir haben das ganze Jahr hart gearbeitet, um aufzu-holen – mit Erfolg. Dazu haben auch die Produktlaunches bei Frima im Januar und bei Rational im Mai beigetragen. Was hat Sie, als langjährigen Berater und Trainer von Führungskräften, besonders an Rational fasziniert? Als ich 2010 im Rahmen eines Projekts für Rational mit dem Unternehmen in Berüh-rung gekommen bin, war ich perplex: Das Unternehmen und seine Mitarbeiter taten genau das, was ich 20 Jahre lang versucht habe, anderen beizubringen – und zwar schon jahrelang und von Siegfried Meister perfektioniert! Er hat das Prinzip der engpasskonzentrierten Strategie (EKS) bereits in genialer Weise gelebt – das hat mich fasziniert. So entstand eine gegen-seitige Anziehungskraft und 2012 hat mich schließlich der berühmte „Rational-Sog“ hierhergebracht. Außerdem habe ich schon immer davon geträumt, einmal irgendwo zu arbeiten, wo man etwas herstellt, das man anfassen kann. Rational macht mit seinem Führungs-system also schon vieles richtig. Gibt es überhaupt noch etwas zu verbessern? Rational hat eine Größe erreicht, die es nötig macht, manches noch ganzheit-licher zu lösen, z. B. Nachwuchskräfte rechtzeitig intern für Führungspositio-nen aufzubauen. Das machen wir schon sehr gut, wir wollen aber noch besser werden. Hier kann ich mein Know-how aus der vorigen 21-jährigen Beratertä-tigkeit gut einbringen. Wie sieht Ihr „Gärtnern“ aus, wie die Führungsphilosophie bei Rational gerne bezeichnet wird? Dieses Bild habe ich früher auch immer verwendet und stehe daher voll dahin-ter. Als Chef müssen Sie dafür sorgen, dass die Pflanze von alleine wächst. Sie müssen herausfinden, wer wie viel Licht und wer wie viel Wasser braucht und sich darum kümmern. Dann wachsen die von alleine – genau das ist der Sog. Übertragen auf die Führung heißt das, dass die Menschen, die bei uns arbeiten, ihre Stärken einsetzen können und dann überdurchschnittliche Leistungen bringen. Das brauchen wir, um dem Kunden am meisten zu helfen – durch das beste Produkt und die besten Dienst-leistungen drumherum. Halten Sie weiterhin an der Ein-Produkt-Phi-losophie fest?Wir werden den Weg der engpasskonzen-trierten Strategie, den Siegfried Meister in den 80er-Jahren eingeschlagen hat, wei-tergehen. Ich kenne einige tolle Beispiele für eine solche EKS, allerdings ist Rational für mich wirklich das schönste. Die meisten glauben, es sei falsch, sich zu konzentrieren und differenzieren. Wir glauben das Gegen-teil: dass wir dem Kunden mehr Nutzen stif-ten, wenn wir uns konzentrieren. Bei Ratio-nal ist das der Kombidämpfer, bei Frima das VarioCooking Center. Natürlich könnten wir theoretisch auch Herde machen, aber dann verlieren wir an Qualität, an Tempo und Effizienz – und das wollen wir nicht. Außerdem sehen wir in der Kombination aus SelfCookingCenter und VarioCooking Center die komplette Küche der Zukunft. Haben Sie schon ein SelfCookingCenter zusammengebaut? Ja, in meiner zweiten Woche hier habe ich mit großem Spaß zwei Tage lang in der Montage mitgearbeitet. Schließlich sollte auch der Vorstand wissen, was wir hier wie produzieren und den Grundsatz, auf Augen-höhe miteinander umzugehen, vorleben. Ich muss direkt mal nachrecherchieren, wo mei-ne Geräte gelandet sind! Dieses Jahr werde ich am sogenannten Produktionstag in der Innenkasten-Fertigung helfen – die werden sich aber sicher freuen, wenn ich weg bin und die Produktivität wieder steigt. Welche Potenziale sehen Sie noch in dieser Branche für Rational? Angesichts von geschätzt 2,5 Mio. Profi-Küchen weltweit, von denen rund 30 % einen Kombidämpfer besitzen, haben wir noch fast drei Viertel des Marktes vor uns. Diesen Markt zu durchdringen, ist aber ein zeitaufwändiger Prozess, der viel Erfahrung und Aufklärungsarbeit braucht. Was sind die Ziele für 2015? Priorität hat unser Versprechen, den höchsten Kundennutzen zu bieten. Daher werden wir in diesem Jahr u. a. unsere Academy Rational wei-ter ausbauen und wollen im techni-schen Service noch besser werden. Wir versuchen mehr über das Gerät und das Nutzerverhalten herauszu-finden, um z. B. eine vorausschau-ende Wartung anbieten zu können. Meine Vision ist eine Anzeige, wie im Auto, die z. B. meldet: Service in 500 Chargen. Vielen Dank für das Gespräch. Halle A3, Stand 213 kir internorga 2015 46


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