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„Endte“ trifft Palio Viele Fragen stellt der Direktor Ingo Schreiber derzeit seinem Chefsom-melier und Maitre Sebastian Wilkens – und ist immer wieder schwer beeindruckt, welche komplexen Gedächtnisleistungen der immer gut gelaunte Weinexperte ab-rufen kann. Wenn alles gutgeht, trägt Sebastian Wilkens am Ende der gemeinsamen Lernzeit als einer von wenigen Menschen weltweit den Titel Master- Sommelier. Für ihn wäre es der Weinolymp und für das 60-köpfige Team des 72 Zimmer großen Fürstenhof in Celle eine weitere, große Gastro-Auszeichnung. Bereits seit 1979 führt das Restaurant Endtenfang mit der barocken Bibliothek und Schätzen wie der historischen Endten-presse durchgängig einen Michelin-Stern. Stand dafür bis 2013 vor allem der langjähri-ge Chefkoch Hans Sobotka, hat nach einem „dualen“ Übergang nun Holger Lutz, Jahr-gang 1976, das Zepter inne – und knüpft an die Traditionen mit einer Menge frischem Konzeptwind an. Dafür sorgen vor allem die drei Überschriften auf der Karte „Hier und heute“ (z. B. Blutwurst, Aschauer Aal & Gar-tenerbse), „Gestern geerntet“ (Artischocke & Sommertrüffel etc.) sowie „Morgen woan-ders“ (Blaue Garnele, Kaisergranat gestockt & Sobrasada etc.) – denn sie versprechen die Freiheit für oftmals weitgereiste Gäste, sich selbst aus allen drei Welten das eigene Menü zusammenzustellen. Wo „unter uns Köchen das inflationär gebrauchte Wort Regiona-lität fast schon ein Schimpfwort“ ist, wie Holger Lutz sagt, setzt er quasi auf va-riantenreiche Verkuppelungsmomente und begeistert damit Gast und Kriti-ker gleichermaßen. Der zweite Stern ist damit klar im Visier, und Celle so weiter ein beachtenswerter Punkt auf der Gourmetkarte. Dabei hat der Fürstenhof hier sogar noch ein zwei-tes Ass mit 16 Gault Millau-Punkten im Ärmel: die Taverna & Trattoria Pa-lio. Im historischen Anbau gelegen und den Kastanieninnenhof zu Füßen, kre-denzt hier der Küchenchef Helmut Griebl eine grundsolide, variationsreiche Küche, wie sie für die typische italienische Mama steht. Der heutige Vice President Operations der Althoff Hotels, Andreas Schmitt, war es selbst, der 1996 das Konzept entwickelt hat und inzwischen in zahlreichen anderen Häu-sern der Gruppe als Cucina Casalinga etab-lierte, zuletzt u. a. im Ameron Hotel Speicher-stadt Hamburg. Ingo Schreiber, der seit 2005 das Haus leitet, drückt dem Gruppenklassiker in Celle wiederum mit eige-nen Aktionen seinen Stempel auf. Beim Sommerfest z. B. mit langen, weißen Tafeln unter Bäumen und Lampionschein fühlen sich die Gäste nirgends näher an Italien. Erdöl bringt Gäste Das Althoff Hotel Fürstenhof wurde als Ba-rockjuwel bereits 1680 von einem Italiener gebaut, war immer wieder Stadtsitz von Adelsfamilien und eröffnete 1970, nachdem es der neue Eigentümer Carl Philipp Graf von Hardenberg vor dem Abriss gerettet hatte, als Hotel neu. Mit der bewegten Geschich-te im Rücken, g e l i n g t d e m Foto: © by Althoff Hotel Collection Fünf-Sterne-Hotel der Spagat zwischen Familienfeier im Barockambiente und Businessadresse für (inter)nationale Ge-schäftsreisende. Letztere machen tatsächlich 70 % der Gäste aus – viele von ihnen auch Longstay, was vor allem daran liegt, dass sich in Folge von Erdölfunden seit 1880 in Celle viele Produktionsunternehmen mit ih-ren Ingenieuren angesiedelt haben. Für Ingo Schreiber eine spannende Kombination, we-gen der sich das Haus in keine Schublade stecken lässt. Hinzu kommt eine weitere De-pendance auf der anderen Straßenseite, die augenscheinlich wenig aber tatsächlich sehr viel mit dem Hotel zu tun hat: das Congress Union Celle Congress Center mit elf Veran-staltungsräumen für bis zu 3.000 Personen und dem Thaers Wirtshaus. Vom Fürstenhof und damit von Ingo Schreiber mitgemanagt sind erstaunliche Cross-Marketingeffekte möglich – „hier mit und da ohne Krawatte“, wie der Direktor, der zuletzt weltweit für Starwood tätig war, seine abwechslungsrei-che Aufgabe zu schätzen weiß. Vor diesem Hintergrund ist die Geschichte des Fürsten-hof noch lang nicht zu Ende erzählt. syk Althoff Hotel Fürstenhof 29221 Celle www.fuerstenhof-celle.com Althoff steht für F&B-Spitzen – und damit auch für den Fürstenhof Celle. Hier ist nicht nur der 2. Stern im Visier, sondern auch die Geburtsstätte des Gruppenklassikers Cucina Casalinga. hotelkonzepte 1-2/2015 13


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