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Fotos: © Trueffelpix – Fotolia.com zulässig Neue Usali-Version Von den Managern der Hotel Association of New York City 1925 als Standardwerk initiiert, erfasst Usali (Uniform System of Accounts for the Lodging Industry) nicht nur die wichtigsten Kennzahlen, son-dern zulässig macht sie auch regional, zeitlich und betrieblich vergleichbar. Bis heute weltweit von Hotel-Managern, Controllern und Buchhal-tern genutzt, basiert Usali auf dem Direct Costing-Prinzip, bei dem die entstehenden Sach- und Personalkosten den einzelnen Abtei-lungen zugeordnet und deren Umsätzen gegenübergestellt werden. Die aktuelle Version stammt von 2006, am 1. Januar 2015 erscheint die elfte Entwicklungsstufe mit ca. 50 großen und kleineren Ände-rungen. Bisher sehr amerikanisch geprägt, erleichtert sie nun die Implementierung lokaler Besonderheiten und sorgt für einen bes-seren internationalen Vergleich. „Die operativen Kennzahlen wur-den dabei mehr als bisher standardisiert“, erklärt Niels Schröder, Geschäftsführer von Fairmas Gesellschaft für Marktanalysen. Da-mit sollen unterschiedliche Auslegungen und trickreiche Beeinflus-sungsversuche der Kennzahlen noch stärker verhindert werden. Bot die ADR (Average Room Rate) z. B. bisher oft eine Hintertür zur Be-einflussung der Benchmarks, sind nun die verkauften Zimmer ihre Basiskennzahl, nicht die beleg-ten. Verkaufte Zimmer ohne Berechnung einer Rate (als Teil einer Promotion/ei-nes Vertrages) fließen mit in die verkauften Zimmer ein – Complimentary-Zim-mer nicht. Auch die gängige Praxis, sog. Resort Fees, wie für All-Inklusive-Pakete dem Zimmerumsatz zuzuordnen, ist für mehr Transparenz nicht länger möglich. „So mancher RevPar wird nun anders aussehen“, ist Niels Schröder überzeugt. „Customers served“ heißt zudem die neue Kategorie, die die Be-grifflichkeit des Gedecks (Cover/Couvert) ersetzt, egal ob der Gast Essen bestellt oder nicht. „Zunächst scheint es nur eine kleine Än-derung, doch sie dürfte große Auswirkungen haben“, erwartet Niels Schröder. „Das beginnt bei den operativen Standards und der Erfas-sung von Daten im Kassensystem und endet mit völlig veränderten Kennzahlen im Reporting.“ Beim größten Kostenfaktor Lohnkosten schiebt Usali 11 durch die Umbenennung von Payroll Cost zu Labor Cost allen Versuchen, die Personalkosten in der Darstellung durch Outsourcing bei gleichzeitiger Erhöhung sonstiger Aufwendungen zu drücken, einen Riegel vor. Der gesamte Personaleinsatz – auch die outgesourcten Leistungen – wird nun als Labor Cost abgebil-det. Ebenso neu ist die Aufteilung der Lohnkosten in Management und Non-Management für einen schnellen Blick auf das Lohnkos-ten- Verhältnis von Arbeits- und Führungskräften. Dem Trend zum Outsourcen/Zentralisieren entspricht die Option, dass jede Hausab-teilung ihr eigenes Kostenkonto „Cluster Service“ erhalten kann. Bewertungen zulässig Bereits bei der Spickmich.de-Entscheidung hat der Bundesgerichts-hof (BGH) eine Online-Lehrerbewertung als zulässig befunden. Nun hat er über die Klage eines Arztes, der mit seinen Basisdaten nicht mehr in dem Ärztebewertungsportal Jameda geführt werden woll-te, entschieden. Der klagende, niedergelassene Gynäkologe war dort mit seinem akademischen Grad, Namen, der Fachrichtung und Praxisadresse verzeichnet und wurde mehrfach – auch durchaus po-sitiv – bewertet. Doch er verlangte vom Portal, es zu unterlassen, sei-ne „Basisdaten“ und Bewertungen auf dem Portal vorzuhalten und das Profil zu löschen. Der BGH wies die Klage ab. Das Portal sei nach § 29 Abs. 1 Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) zur Erhebung, Spei-cherung und Nutzung sowie nach § 29 Abs. 2 BDSG zur Übermitt-lung der Daten des Klägers an die Portalnutzer berechtigt. Insofern überwiege das öffentliche Informationsinteresse das informationelle Selbstbestimmungsrecht des Klägers. Zwar erkannte das BGH die Missbrauchsmöglichkeiten eines Portals, bei dem nur die Anmeldung per E-Mail-Adresse erfolgt. Zudem bestünde die Gefahr möglicher Beeinträchtigungen des sozialen Geltungsanspruchs des Arztes und ökonomischer Nachteile wegen anonymer negativer Bewertungen. Zugleich spiele sich die Berufstätigkeit in einer der Öffentlichkeit zu-gewandten Sozialsphäre ab. Der Einzelne müsse sich hier auf eine Be-obachtung durch die Öffentlichkeit einstellen. Die BGH-Entscheidung überrascht nicht, und ihr ist zuzustimmen. Die öffentliche Bewertung beruflicher Leistungen führt zu Markttranspa-renz. Dazu gehört auch, sich einer Bewertung durch die Öffentlichkeit auszusetzen. Für den Äußernden wiederum ist die Kritik an öffent-lich angebotenen Leistungen Teil seiner Meinungsfreiheit. Das Urteil stärkt das Recht auf freien Meinungsaustausch im Internet. Im Übri-gen können Infos wie Name, Adresse und Tätigkeit bereits allgemein zugänglichen Quellen entnommen wer-den (z. B. Gelbe Seiten), sodass ihr Erheben, Spei-chern, Verändern oder Nutzen ohnehin nach § 29 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 BDSG zulässig wäre. Bei einem Erfolg des Klägers hätten Bewertungsportale wohl erheb-lich an Bedeutung verloren. Entsprechend müssen sich auch Hotel-betreiber weiter dem sog. „Markt der Meinungen“ stellen. Anderer-seits schränkt das Urteil das Recht des im Portal von unwahren oder schmähenden Inhalten Betroffenen nicht ein. Dieser kann unverän-dert die Löschung der rechtswidrigen Beiträge vom Portalinhaber ver-langen. Dr. Martin Gerecke (Rechtsanwalt bei CMS Hasche Sigle), Dr. Christian Rabe (Rechtsreferendar am OLG Hamburg) Das Standardwerk Usali erscheint 2015 in einer neuen Version und macht Benchmarkingvergleiche effektiver als je zuvor. Hotelbewertungen sind zulässig. Darin hält der BGH auch beim neuen „Ärzte- Urteil“ fest. Zwei Juristen erkären. 64 11/2014


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