Karriere - Interview mit ZAV: Suchen lassen, selbst fördern

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Foto: © Kurhan – Fotolia.com karriere Suchen lassen, selbst fördern Frau Jürgens, die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) rekrutiert in Süd- und Osteuropa Fachkräfte für die Hospitality- Branche. Welche Vermittlungsmöglichkeiten haben Sie, die andere nicht haben? In den letzten 18 Monaten konnte die ZAV fast 600 Mitarbeiter aus dem Ausland an Hotel- und Gastronomiebetriebe in Deutsch-land vermitteln. Die meisten stammten aus Osteuropa, aber auch aus Spanien und Finn-land. Bei der Vermittlung kooperieren wir eng mit unseren Auslands-partnern, über das EURES-Netzwerk (EURopean Employment Services) sind alle europäischen Arbeitsverwaltun-gen verknüpft. Mit ihnen führen wir in den Ländern Info- und Auswahlveran-staltungen durch, organisieren Online- Bewerbertage und veröffentlichen Stellen-angebote europaweit. Zu-dem bewerben sich auch durch unser Internetangebot Bewerber direkt bei uns. Die Arbeitgeber können unsere Re-krutierungsreisen begleiten, ihren Betrieb vorstellen und Bewerbungsgespräche füh-ren, was bisher gerade die Konzernhotels, Erlebnis- oder Systemgastronomien nutzten. Wir können aber auch Bewerber schriftlich vorschlagen, die zu Auswahlgesprächen nach Deutschland eingeladen werden oder Gespräche über Skype etc. führen. Wie schnell vermitteln Sie i. d. R. Bewerber und unterstützen sie mit Förderprogrammen? Wie schnell die Stelle besetzt wird, hängt von der Komplexität, den nötigen Sprachkennt-nissen und der Kompromissfähigkeit der Ar-beitgeber ab. Passt ein Bewerber z. B. mit sei-ner Persönlichkeit und Qualifikation, erfüllt aber nicht ganz die Sprachanforderungen, ist die Frage, ob ein Arbeitgeber den Bewerber selbst nachqualifiziert oder weitersucht. In den günstigsten Fällen erfolgen Einstellun-gen innerhalb einer Woche oder eines Mo-nats, es kann aber auch länger dauern. Ein Vorteil dabei ist, dass Bewerber aus der EU freien Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt haben, also keine Arbeitsgenehmi-gung benötigen – nur für Kroa-ten gelten noch Sonderregeln. Ausbildungssuchende aus der EU können über das Programm MobiPro- EU gefördert werden, dass Zuschüsse zu Sprachkur-sen, Umzügen, Praktika etc. gewährt (www.the-jobofmylife. de). In der Presse wird im Kontext mit dem Programm vereinzelt von stockend bewilligten Anträgen und Jugendlichen, die von privaten Trä-gern rekrutiert und in Deutschland sind, aber noch nicht vermittelt wurden, berichtet. Was ist daran dran? Wie läuft das Programm? Das Interesse junger Menschen aus der EU an einer betrieblichen Berufsausbildung in Deutschland ist weiter groß. Daher hat sich die Regierungskoalition darauf verständigt, im Rahmen der Beratungen zum Bundes-haushalt die Haushaltsmittel für 2014 noch-mals aufzustocken, so dass alle jungen, aus-bildungsinteressierten Europäer, die vor dem 8. April 2014 einen Förderungsantrag im Rahmen von MobiPro-EU für dieses Jahr bei der ZAV gestellt haben, förderbar sind. Die Bundesagentur für Arbeit hat in den letzten Monaten vermehrt in Fällen Vermittlungs-unterstützung geleistet, in denen private Vermittlungsinitiativen ihre zugesagten Ver-mittlungsleistungen gegenüber den jungen Europäern nicht einlösten. Am 30. Juli 2014 ist die neue Förderrichtlinie des Programms erschienen. Hauptveränderungen sind, dass von einer Individual- auf eine Projektförde-rung umgestellt wird und es sich nur noch an Ausbildungssuchende richtet. Zuvor konn-ten auch Fachkräfte in Mangelberufen unter 35 Jahren das Programm nutzen. Welche Vermittungsprobleme gibt es generell? Die größten bestehen in Bereichen mit di-rektem Kundenkontakt, die gute Deutsch-kenntnisse fordern. Aber weil der internatio-nale Tourismus hierzulande immer wichtiger wird, können internationale Mitarbeiter be-reichernd sein. Wie gesagt, die Entwicklung wird auch davon abhängen, was Arbeitgeber bereit sind, in ihre neuen Mitarbeiter zu in-vestieren – ob sie nicht den „perfekten Be-werber“ geliefert bekommen möchten, son-dern diesem eine Entwicklungszeit geben, z. B. durch den Besuch weiterer Sprachkurse. Zuweilen wird der Ruf nach Spezialisten und Quereinsteigern immer lauter. Spüren Sie hier eine verstärkte Nachfrage? Bei der Vermittlung von ausländischen Fach-kräften spielen Quereinsteiger bisher keine große Rolle, da bereits andere Vermittlungs-hürden bestehen wie fehlende Sprachkennt-nisse, die sich durch fehlende Berufspraxis noch verstärken würden. Bei den Ausbil-dungssuchenden haben wir aber viele Bei-spiele, in denen Bewerber aus Süd- oder Osteuropa zuvor in ihren Heimatländern stu-diert haben und jetzt etwas anderes machen möchten, z. B. eine Ausbildung als Koch oder Hotelfachkraft. Danke für das Gespräch. syk Während hier Fachkräfte fehlen, sind etliche in Süd- und Osteuropa arbeitslos. Die Arbeitsvermittlerin und EURES-Beraterin Brigitte Jürgens erklärt neue Kontaktmöglichkeiten über die ZAV. 42 9/2014


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