Hotel Blauer Bock, München: Holz im Bock

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Foto: Rudolf Neumeier Wenn Stefan Grosse oder sein Ho-telberater Martin Gahn sagen, Lage ist nicht alles, dann ist der gemeine Beobachter zunächst zu einem milden Lächeln verdammt. Denn wer mit-ten in München 100 m vom Viktualienmarkt in einem der ältesten Häuser der Stadt resi-diert, hat sicher andere Probleme als die der Nachfrage und Aus-lastung. „Das stimmt, aber wir konnten durch die aktuellen Zim-merrenovierungen unsere Produkte we-sentlich aufwerten und setzen nun auf neue Preisstrukturen und auf deutlich mehr wie-derkehrende Gäste“, erklärt Stefan Grosse. 2004 hatte der F&B-Spezialist mit Küchen-chef Hans Jörg Bachmeier das seit 1814 bestehende Restaurant Blauer Bock von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft gepachtet und schnell wieder zu einer der besten Adressen in München etabliert. Seit 2008 Geschäftsführender Gesellschafter des Hotels ließ Stefan Grosse in den Folgejahren im laufenden Be-trieb viele Teile des Hauses von grundauf reno-vieren. Aus den einst 75 Zimmern wurden 69, „was in die-ser Lage weh tat“, wie Stefan Grosse ein-gesteht, aber sich schnell als sinnvoll her-ausstellte. „Die Juniorsuiten, die im Grunde keiner ausnutzen konnte, wurden z. B. zur Familiensuite mit Schlafsofa für die Kin-der“, berichtet er. Kein Hokuspokus? In diesem Jahr stand von Februar bis August die Renovierung von 44 Zimmern in drei Kategorien bei laufendem Betrieb an. Für das Planungsbüro Rudolf Neumeier, das u. a. alle fünf Themenhotels des Europa-Park Rust konzipiert und eingerichtet hat, eine span-nende Aufgabe: „Als wir uns 2013 erstmals das Projekt mit den Vorgaben einer schlich-ten, zeitlosen und praktikablen Hotelmöblie-rung, die sich im Design deutlich vom Stan-dard abhebt, ansahen und mit dem geringen Budget pro Zimmer konfrontiert wurden, schien dies unmöglich umsetzbar“, erinnert sich Martin Neumeier. „Mich wurmte das, und wir entwickelten schließlich mit unse-rer Produktion in Tschechien ein modulares Holzregalsystem mit vielen Themendetails“, berichtet er und ergänzt: „Damit ist es für uns möglich geworden, auch im Drei-Sterne- Segment im Rahmen engster Budgetvorgaben und kleiner Stückzahlen eine indivi-duelle, hochwertige Einrichtung mit einem für uns typischen Gestaltungsthema zu rea-lisieren. Gerne wollen wir künftig in diesem Bereich viel mehr machen.“ Die Zimmer des Blauen Bocks prägen nun Eicheböden und modulartige Echtholzre-galsysteme, die in schlanken Eisenrahmen eingefasst sind und zugleich als Nachttisch dienen, einen Spiegel fassen oder Lampe und Garderobe vereinen. Hinzu kommen Details wie die ledernden Sitzbänke in Bock-form. Sprüche wie „Lieber Schäfchen zählen als Böcke schießen“ oder dem eingebauten blauen Bock im historischen Stich über dem Bett greifen das Thema des Hauses immer wieder charmant auf. „Das Konzept ist sicher kein Hokuspokus, aber die Möbel und De-tails sind hochwertig, individuell und funkti-onal“, resümiert Martin Neumeier zufrieden. Mit den Zimmerrenovierungen justiert das Hotel nun auch bei den fokussierten Gästegruppen und seiner Preisstrategie nach. Checkten bisher neben den „üblichen“ Städ-te- und Geschäftsreisenden auch viele ame-rikanische Gruppenreisende, die pauschal vom Veranstalter eingebucht wurden, ein, will das Hotel künftig verstärkt seine Gäste direkt erreichen, aktiver verkaufen und noch mehr Stammgäste generieren. „Dann geht vieles auch nicht mehr so stark über den Preis“, betont der Revenue-Management- Experte Martin Gahn, der gerade im Haus eine neue nachfragebedingte Preisstruktur samt neuer Software aufgesetzt hat. Dynami-sche Zeiten im Blauen Bock, die viel Erfolg versprechen – und nicht zuletzt auch die elf festen Mitarbeiter weiter motivieren. syk Holz im Bock Auch die beste Lage verpflichtet zu Neuerungen. Der Blaue Bock hat ein individuelles Zimmerkonzept mit wenig Budget realisiert. Hotel Blauer Bock am Viktualienmarkt 80331 München www.hotelblauerbock.de 34 9/2014


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