Eigener Modewettbewerg

first_class_08_2014

Foto: Hotel Schiller5, © Bibanesi – Fotolia.com 1920er Jahre entwickelt, weil das gesamte Interieur auf diese Epoche ausgerichtet ist. Schnittige Modelle Von Jeans bis zum Smoking ist heute auch im Bereich der Berufsbekleidung vieles möglich. Helmut Börner empfiehlt zeitlose Linien, daher spielen aktuelle Farb- und Schnitttrends für ihn eine untergeordnete Rolle. Während die Stoffe früher eher schwer und dick waren, setzen die Textil-experten heute auf leichte Mischgewebe, die atmungsaktiv und somit hautfreund-lich sind. „Kleider werden dabei immer beliebter, z. B. für das Barpersonal“, sagt Uwe Dranß. Zudem seien schmale Schnitte angesagt. „Auch wir beobachten diesen Trend der körperbetonten Passformen Bodyfit oder Slimfit verstärkt“, bestätigt Robert Bertsch jr. von Bertsch Hotelwäsche. Er räumt je-doch ein, das dies in der Berufsbekleidung nur bedingt umsetzbar ist, da die Kleidung vor allem bequem sein und dem Arbeits-umfeld gerecht werden soll. Jobeline aus dem Hause Hotelwäsche Erwin Müller setzt vor allem auf Funktions-materialien und moderne Schnitte. Wichtig ist für das Unternehmen auch die Kombi-nierbarkeit der Kollektionen – ob bei den Modellen, Farben oder Accessoires. Auf diese Weise entstehen mit wenigen Handgriffen immer wieder neue Outfits. Um die personalisierte Corporate Identity eines Hauses zu unterstreichen, hat Jobeline seinen Individualisierungsservices erweitert. Neben der „Individua-lisierung nach Maß“ wird nun die individuelle Logoerstellung als Basis für die diversen Möglichkeiten wie Einstickung, Einwebung, Laser- Branding oder Druck angeboten. Wer es komplett individuell möch-te, für den kann Como Corporate Fashion z. B. auf die Branchen-expertin Beate Klose zurück-greifen, die die Berufsbeklei-dung auch nach ganz eigenen Designs gestaltet. Ob kombiniert aus bestehenden Teilen und mit Details individualisiert oder komplett auf das Hotel zugeschnitten – in jedem Fall zeigt sich: Die Berufsmode greift aktuelle Trends dezent auf, weil sie länger mo-dern sein muss. Das betont vor allem auch Karsten Jeß, Geschäftsführer von Servitex: „Grundsätzlich sollte schon langfristig, d. h. im Rahmen von mindestens zwei Jahren bei Kochjacken und Blusen sowie von drei Jahren bei anderen Berufskleidungsteilen, gerechnet werden, um attrak-tive Preise zu bieten.“ Individuell auch danach Wenn die neue Hoteluniform an der Rezeption, im Service, in der Küche oder im Housekeeping im Einsatz ist, gehen Textilunternehmen in der Re-gel flexibel auf Änderungswünsche ein – egal ob bei Miet- oder Kauf-wäsche. Nach der Anprobe im Hotel wird die Kleidung bei vielen Dienst-leistern und Herstellern vor allem bei Bedarf angepasst, üblich sind gerade Kürzungen. „Sollte sich in unserem Größenspiegel keine passende Größe finden, sprechen wir uns mit dem Ho-telier ab und können auch eine maß-geschneiderte Lösung anfertigen las-sen“, erklärt Helmut Börner von Greif Textile Mietsysteme. In diesem Sinne passt auch Servitex Hosenbeinlängen individuell an und ermöglicht Änderungen hinsichtlich Abnähern oder Ärmellängen kurzfristig. Für eine Ersteinkleidung benö-tigt das Unternehmen in der Regel sechs Wochen Vorlaufzeit, abhängig vom Modell und der Anzahl der zu kürzenden Hosen. Es lohnt sich, mehr Zeit, Energie und auch finanzielle Mittel in die Ausstattung der Mitarbeiter zu investieren. Die passende Beratung ist hier ein bedeutender Teil des Gesamtpakets der Wäschereidienstleister und sollte von den Hotels auch unbedingt genutzt werden. tin Eigener Modewettbewerb Wer lange auf etwas verzichtet, möchte etwas Besonderes, wenn er sich dann doch dafür entscheidet. Beim Münchner Schiller5 Hotel & Boardinghouse mit 55 Zim-mern und Suiten sowie ca. 30 Mitarbeitern dauerte es bis dato neun Jahre, bis sich der heute 86-jährige Inhaber Leo Milchiker und Hoteldirektor Sebastian Sebald zur eigenen Unifom entschlossen und dafür sogar eine Modefachschule betrauten. 15 Studentinnen Im Schiller5 trägt das Team bald die Fünf. Die Idee stammt von einer Modestudentin, die einen Hotelwettbewerb gewonnen hat. der Akademie Mode & Design in München (AMD) entwickelten in der Folge Anfang 2014 im Rahmen eines Wettbewerbs Ent-würfe für die Rezeptions- und Servicemit-arbeiter. „Wir waren von Anfang an vom Projekt begeistert“, betont AMD-Studien-dekanin Prof. Ulrike Nägele. „Denn neben Innovation und Kreativität ist uns beim Stu-dium auch der Praxisbezug wichtig.“ Die Studentinnen erhielten wenige Vorgaben, darunter Angaben zur CI, zu den Farben und Funktionen. Nach zwei Monaten Bear-beitungszeit reichte das Spektrum bereits von himmelblauen Schulterflügeln für ein frisches Service-Outfit bis hin zu klassischen asymmetrischen Kostümen. „Die Vielfalt hat uns wirklich überrascht“, resümiert Sebastian Sebald. Die Jury, in der auch first class saß, wählte schließlich drei Entwürfe in die End-runde. Im Juli konnte die 24-jährige Verena Massmig (F.l.) im Schiller5 den Wett-bewerb mit einem Paris-Wochenende gewinnen. Ein Highlight ihrer schlich-ten, aber detailreichen Kollektion ist die „five-tie“ – eine abgewandelte Form einer schmalen Krawatte, die eine abstrakte und kantige Fünf bildet. Zudem finden Aspekte wie Bewegungsfreiheit, Strapazierfähigkeit und Wirtschaftlichkeit Beachtung. Derzeit wird die Kollektion mit Detailänderungen produziert und demnächst getragen. Der Juwelier Leo Milchiker, der sich 2005 mit 77 Jahren den Hoteltraum ver-wirklicht hatte, bietet so noch mehr Individu-alität im Haus. www.schiller5.com berufsmode


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