Teller aus Familienhand

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tischkultur Teller aus Familienhand lich wird jedes Teil zweimal mit umwelt-freundlichem Erdgas gebrannt – zuerst bei ca. 900°C, dann während des Glasur- oder Glattbrands bei ca. 1.400°C. Zusammen mit dem natürlichen Rohstoffmix aus blei- und cadmiumfreien Porzellan mit einem hohen natürlichen Aluminiumoxid-Anteil entsteht auf diese Weise die extreme Härte des Scher-bens und der Glasur. Soviel Spezialistentum gepaart mit Hightech ermöglicht auch die Entwicklung von ech-ten Innovationen: „Mit der Serie Diamant ist es uns 2012 gelungen, ein ganz neues Porzellan samt Glasur zu realisieren, dass wärmer und weicher schimmert als bishe-riges Hartporzellan, aber noch nie so hart und kantenschlagfest war – eine Revolution auch für die Verwendung in der Hotellerie und Gastronomie“, betont der Geschäfts-führer Werner Weiherer. Ob spezielle Früh-stücksbuffets oder Ausgabesysteme – mit Partnern wie Frilich oder Hupfer entwickelt Seltmann Weiden immer wieder Speziallö-sungen. „Wir freuen uns, dass wir im Bereich Profiporzellan in den letzten Jahrzehnten entscheidende Impulse für mehr Nutzen in den Küchen, im Service und beim Gast setzen konnten, und wir blicken bereits auf neue Projekte, die wir vorstellen können.“ www.seltmann-weiden.com syk Sie fahren nach Erbendorf? Können Sie bitte diese Mappe mitnehmen?“, fragt uns ein mittelalter Mann lä-chelnd und besonnen, und wir greifen gerne zu. Ein paar Kilometer weiter er-fahren wir erst, dass dies Christian Seltmann selbst war. Bis heute sei er stets im Unternehmen präsent und ein wichtiger Ansprechpartner, aber die Fami-lie möchte eher im Hintergrund bleiben – eine Bescheidenheit, die mit viel Mut und Vision bis heute durch die Familie gelebt wird. Der Urgroßvater Christian Seltmann Seltmann Weiden gehört zu den großen Porzellinern – doch nur aus Tradition? Nicht nur! In einer der modernsten Produktionsstätten Europas wird Porzellan zum Teil neu erfunden. hatte dafür im Jahr 1910 mit der Gründung seiner eigenen Fabrik samt drei Rundöfen in Weiden in der Oberpfalz den Grundstein gelegt. Die zweite Generation kaufte 1957 die Königlich privilegierte Porzellanfabrik Tettau dazu, die dritte nach der Wende 1990 und 1995 vier traditionsreiche, spezialisier-te Porzellanmanufakturen in Thüringen. In fünf Werken mit ca. 1.000 Mitarbeitern entsteht heute Porzellan für die Bereiche Hotellerie und Gastronomie, Sozialgastronomie, Incentives sowie Haushalt. Ein wei-terer Fokus liegt in der Herstellung von hochwertigen Geschenken sowie wert-vollen Plastiken bekannter Künstler. Das Spektrum ist damit breit gestreut und reicht von aufwändiger Hand-werkskunst in den Manufakturen bis hin zur Hightech-Fertigung in einer der modernsten Porzellanfa-briken Europas. Hand in Hand mit Robotern Erbendorf, ca. 20 km von Weiden entfernt, steht synonym für das moderne Seltmann Weiden und für 100 % „Made in Germany“. 2008 zu einer der modernsten und umweltfreundlichsten Produktio-nen umgebaut, laufen Mitarbeiter und Besucher durch eine mehretagige Werkshallenstadt zwischen wolkenkratzerartigen Hochregal-lagern und edelstahlblinkenden Leichtmetallöfen, die Straßenzüge formen. Roboter schneiden sich hier routiniert hinter Sicherheitsgittern eine Scheibe der Porzellanmasse ab, pres-sen sie zu einer Tellerform, arbeiten die Kanten sauber nach und geleiten den Teller nach einer kurzen Ruhephase zum richtigen Ofen. Doch auch hier läuft nichts ohne die Mitarbeiter, die teilweise seit über 30 Jahren im Unter-nehmen arbeiten und mit ihrem gro-ßen Erfahrungsschatz das Werk mit handwerklichem Leben füllen. Gera-de die Hohlformen wie Tassen, Kan-nen und Schalen gießen sie zu einem wichtigen Teil noch per Hand. Sie setzen noch selbst den Hen-kel auf die Tassen, und an der Tassen-straße taucht eine Mit-arbeiterin jeden Tag mit einer speziellen, jahrzehntelang einge-übten Bewegung rund 8.000 Tassen in ein Glasurbad – ohne dass auch ein Hauch von einem Fingerabdruck zurückbleibt. Schließ- 28 8/2014 Fotos: Konzack


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