Rom liegt ihm zu Füßen

first_class_06_07_2014

Foto: Hassler Rom liegt ihm zu Füßen die PR-Verantwortliche Italo-Amerikanerin Vivian Barsanti mit am Tisch und springt ein, wenn ein Gespräch stockt, indem sie das Ge-sagte noch einmal langsam und deutlich ar-tikuliert. Alle Angestellten haben diese Art, mit Roberto E. Wirth zu sprechen, verinner-licht. Der Rest der täglichen Kommunikation läuft digital – per SMS und WhatsApp. Es ist nicht nur die Lage des Hassler in Rom, die das Hotel zu etwas ganz Besonderem macht. Es ist vor allem auch der Spirit von Roberto E. Wirth. Roberto E. Wirth ist ein kunstsinniger Hote-lier. Das spiegelt sich vor allem in den vie-len Details der 96 Zimmer und Suiten wider. Antiquitäten und Kunstwerke treffen hier auf Murano-Leuchter, antike Spiegel oder kost-bares Porzellan. Ein besonders spektakuläres Stück befindet sich gleich am Treppen-absatz im Foyer, wo einer von drei Original-abgüssen der berühmten Bronzeskulptur der Wölfin mit den Zwil-lingen Romulus und Remus Am oberen Ende der Spanischen Trep-pe gelegen, scheint das Hassler das wohl meist fotografierte Hotel zu sein. Bereits 1893 begann die bewegte Geschichte der Nobelherberge mit der Eröffnung durch die Schweizer Familie Hassler-Nistelweck. 1921 kaufte Oscar Wirth das Hotel, sein Sohn Roberto E. Wirth ist bis heute Alleineigentümer und damit das Hotel noch eines von wenigen Luxushotels in Rom in privater Hand. Roberto E. Wirth ist von Geburt an taub, etwas, das der 64-Jährige nie als unüberwindbares Hindernis betrachtet hat. Zwar musste er sei-nen „perfektionistischen“ Vater erst davon überzeugen, dass er der richtige Mann für den Job an der Spitze ist, doch entmutigen ließ er sich von dessen anfänglicher Skep-sis nicht. „Mein Vater hat mich oft gefragt, ob ich mir zutraue, mich in mehreren Spra-chen zu verständigen. Denn das war für ihn als Hotelier unabdingbar“, erzählt Roberto E. Wirth. So ging er damals nach Mailand, um die Gebärdensprache zu erlernen, und absolvierte danach seine Hotelausbil-dung an einer Hotelfachschule für Gehörlose in den USA, wo er auch sein Diplom mach-te. Als Oscar Wirth 1982 verstarb, übernahm er die Hotelleitung und lernte schnell: „Das Ausschlaggebende an einer guten Führungskraft ist für mich, dass sie weiß, wie man mit Menschen umge-hen muss. Ich habe im Hotel gearbeitet, mit meinen Augen gelernt, und Schritt für Schritt alle Abteilungen kennengelernt.“ Man kann Roberto E. Wirth beobach-ten, wie er beim Gang durchs Hotel Stammgäste mit Handschlag begrüßt und ganz der routi-nierte Gastgeber und Chef ist. Bei allem kann er auch auf die Unterstützung seiner 160 Mitarbeiter bauen. So sitzt beim Interview auch postiert ist. Doch trotz solcher Kostbarkeiten gibt sich das Hassler keineswegs als Hotel-museum. Immer wieder hat der Hausherr in die Erneuerung des Interieurs für einen inter-essanten Stil-Mix aus Alt und Neu investiert. Im alten Palmengarten mit antiken Amphoren z. B. präsentiert sich die Bar, die wie ein blau illuminiertes Ufo aus glänzendem Chrom und Edelstahl anmutet – eine spektakuläre Kombination, nicht ohne Risiko, das Stammpublikum zu vergraulen, weiß Roberto E. Wirth. „Unsere römischen Stamm-gäste sind erzkonservativ und mögen solche Brüche erst einmal gar nicht. Sie haben lan-ge gebraucht, um sich mit dem neuen Pal-mengarten anzufreunden.“ Er lächelt: „Jetzt mögen sie ihn.“ Als Hotelier muss man sich in Rom keine großen Auslastungssorgen machen, denn noch immer gehört die Stadt zu den Top- Reisedestinationen Europas, deren Hotels laut Roberto E. Wirth im Schnitt zu 70 % ausgelastet sind. Ein Hotel wie das Hassler muss auch die wachsende Konkurrenz durch Privatvermieter und Bed & Breakfast-Hotels nicht ernsthaft fürchten. Trotzdem ist Roberto E. Wirth auf letztere nicht gut zu sprechen, weil sie den Preiskampf unter den Hotels weiter anheizen. „Wir möchten uns auch in Zukunft nicht auf diesen Preiskampf einlas-sen“, versichert er. Die generell gute Auslas-tung des Hotels habe 2013 wegen der Papst-wahl nochmal einen kräftigen Schub nach oben erhalten. „Es kommen wieder sehr viele Gäste aus Südamerika, und der star-ke Dollarkurs hat uns auch ein zusätzliches Plus bei den US-Gästen beschert“, berichtet Roberto E. Wirth. Bald könnte Roberto E. Wirth in den Ru-hestand gehen. Denn die beiden Kinder Robertino und Veruschka besuchen gerade die Glion Hotelfachschule nahe Montreaux und werden in einigen Jahren das Hotel übernehmen. Bis dahin möchte der Senior noch das Spa, die Lobby und die Rezeption erneuern lassen, damit er ihnen ein gut be-stelltes Haus übergeben kann. Und auch da-nach bleibt für ihn viel zu bewirken – vor al-lem als Stifter einer gemeinnützigen Organi-sation, die sich für die Belange tauber Kinder einsetzt, sowie als Gastgeber und Initiator von Charity- und Fundraising-Events. Sein Vater, der Perfektionist, wäre stolz auf ihn. www.hotelhasslerroma.com Nathalie Kopsa Roberto E. Wirth trägt übrigens Manschettenknöpfe in der Gestalt von Schildkröten. Sie sind seine Lieblingstiere. Warum? „Weil sie so langsam und so ruhig sind.“ 6-7/2014 43


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