Page 45

first_class_05_2014

Fotos: privat Hotelfachschule Pegnitz (staatl.) Der Anruf: Eine etwas in Eile scheinen-de Frau S. fordert uns auf, für Informatio-nen die Website anzusehen und dann eine E-Mail zu schicken. Auf unseren Wunsch hin, Unterlagen per Post zu bekommen, notiert sie nur notgedrungen die Anschrift. Das Antwortschreiben: kommt nach zwei Tagen und ist sehr allgemein, unpersönlich und ohne jeden Bezug auf unser Anliegen. Das Schulgeld wird genannt sowie eine Option für ein persönliches Gespräch nach Eingang der Bewerbungsunterlagen. Die Website: Gegenüber den erhaltenen Unter-lagen ist sie deutlich moderner und über-sichtlich gestaltet. Wir finden sofort zum Betriebswirt und zu den möglichen Zusatz-qualifikationen. Die Lehrkräfte werden mit Bild vorgestellt, wenn auch ohne Vita. Das Schulgeld ist übersichtlich dargestellt. Hier kann Pegnitz punkten. Ein Rückgriff: Nein. Hotelfachschule Garmisch-Partenkirchen (privat) Der Anruf: Um 9.47 Uhr stellt ein sehr freundlicher Herr S. Fragen zu unseren Wünschen, versichert jederzeit telefonische Auskunft und verspricht, dass das Material noch am selben Tag in die Post geht. Um 12.31 Uhr erfahren wir via Rückruf, dass gerade neue Broschüren gedruckt werden und er lieber, mit unserem Einverständnis, diese schicken möchte. Das Antwortschreiben: erreicht uns 13 Tage später mit dem neuen Informationsmaterial. Das Anschreiben ist persönlich und stellt die Schulstärken heraus. Vor allem sieht sich die Schule in der Verantwortung, dass das Studium mit Erfolg absolviert wird. Die Website: Auch sie punktet mit starken Bil-dern Hotelfachschulen sorgen für entscheidendes Know-how – vor allem in Zeiten des Fächkräftemangels. Doch wie intensiv können sie den neuen Nachwuchs beim ersten Kontakt für sich begeistern? Ein neuer Servicetest. bei herrlicher Landschaft. Die „brave“ Startseite führt uns sofort zum Betriebswirt. Die Kosten und Voraussetzungen sind über-sichtlich dargestellt. Auch eine Ratenzah-lung ist in Aussicht gestellt. Ein Rückgriff: mit Brief und Beilagen zum Gastronomie- und Hotelkolleg. Hotelfachschule Fulda (staatl.) Der Anruf: Eine Dame mit unverständlichem Namen teilt uns kurz angebunden mit, dass man eigentlich nichts per Post ver-schickt. Alles stehe im Internet. Trotzdem notiert sie unsere Anschrift, um uns den Flyer zu schicken. Das Antwortschreiben: ist einen Tag später da, aber wie das Te-lefonat: Trotz eindeutiger Nachfrage nach einer Weiterbildung zum Hotelbetriebswirt bekommen wir auch den Flyer für den BW im Tourismus. Ergänzt wird das Schreiben nur noch durch ein Kuvert für das Anmel-deformular. Ein Anschreiben fehlt komplett, ebenso die Kosteninfos. Die Website: Ähn-lich dem mausgrauen Briefpapier fehlt eine moderne Darstellung. Die Startseite gliedert sich nach Schulformen und setzt voraus, dass man sich auskennt. Auf der Homepage finden wir nach Minuten immer noch keine Kosten. Auf einer biederen PP-Präsentation stellen wir, wie im Prospekt, fest, dass keine Gebühren anfallen. Wenn dem schon so ist, sollte man es als USP deutlicher herausstellen. Ein Rückgriff: Nein. Hotelberufsfachschule Kermess (privat) Der Anruf: Ein freundlicher, gesprächiger Herr N. übermittelt ungefragt viele Infor-mationen zum Studium und versichert, dass die Post sofort versendet wird. Leider fragt er uns nicht nach Anliegen und Wünschen. Das Antwortschreiben: ist nach vier Tagen da. Mit einem treffenden Satz eingeleitet und persönlich gestaltet, sind alle für uns relevanten Informationen kurz und bündig dargestellt. Eine zweite Seite enthält die komplette Termin- und Kostenübersicht so-wie das Angebot, in einem angeschlossenen Hotel zu übernachten. Die Website: Hier ist das Lesefenster deutlich eingeschränkt. Ein Suchfeld gibt es nicht. Wir finden keine Angaben zu Kosten, aber zu Zahlungsbe-dingungen und Fördermöglichkeiten. Ein Rückgriff: Leider nein. Hotelfachschule Erfurt (privat) Der Anruf: Das Gespräch mit Frau M. ist sehr informativ und erklärt einiges zur Qualifikation der Dozenten und den Studi-enablauf. Wir werden zu einer persönlichen Hausführung eingeladen. Durch die per-sönliche Gesprächsart fühlen wir uns ge-bunden. Das Antwortschreiben: kommt am Folgetag. Der Zwei-Seiten-Brief nimmt – wenn auch etwas unpersönlicher als im Ge-spräch – Bezug zum Hotelbetriebswirt, gibt Hinweise auf Förderfähigkeit und nennt Aufstiegsmöglichkeiten. Auf die enge Zu-sammenarbeit mit dem Dehoga wird hingewiesen, ebenso auf zusätzliche Qualifikationsmöglichkeiten während des Studiums. Die Website: Da sie auch als Startseite für den Dehoga Thüringen dient, wirkt sie überfrachtet mit leider wenig attraktiven Peter Rothenhäusler ist Hotelberater, Qualitäts-trainer SQD II. Kerstin Menz ist seit 30 Jahren DIE AUTOREN in der Branche tätig und hat 2008 die Hotelberatung Die-Hoga- Spezialisten gegründet. Informationen zum Hotelbetriebswirt. Pro-jektarbeiten werden hingegen vorgestellt. Zu den Kosten finden wir auch nach Minu-ten nichts und geben auf. Sehr gut ist, dass die Vita der Dozenten einzusehen ist. Ein Rückgriff: Per Telefon in der Folgewoche, ob die Unterlagen angekommen sind. Resümee Bei allen positiven und einigen negativen Erfahrungen: Niemand hatte am Telefon gefragt, wie wir auf die Einrichtung kamen. Wer zwei Jahre aus dem Beruf aussteigt und sich trotz zusätzlicher Kosten weiter-bilden will, verdient die volle Anerkennung und sollte von den Schulen auch bewor-ben und begleitet werden. Gleichwohl ist es für fertige Hotelbetriebswirte seit über 30 Jahren schwierig geblieben, einen adäquaten Wiedereinstieg zu finden. Auch dies ist eine Aufgabe der Bildungseinrich-tung! Schließlich sollten auch die Hotels Weiterbildungen genügend wertschätzen: Wenn ein bekanntes Münchner Fünf-Ster-ne- Hotel für einen angehenden Hotelbe-triebswirt ein halbjähriges Praktikum für 0 E (brutto) und keine Kost o. ä. frei an-bietet, verschärft dies nur den Fachkräf-temangel und schadet unserem Ruf. Wir beobachten vor diesem Hintergrund leider auch immer wieder, dass der Anteil der Hotelbetriebswirte, die nach dem Studi-um in andere Branchen wechseln, deutlich zunimmt. Hier wünschen wir uns mehr Unterstützung unseres Verbandes zum Er-halt. Und noch eine Bitte an alle Kollegen: Halten Sie Kontakt zu Schulen und Wei-terbildungsstätten. Bringen Sie sich, wenn möglich, selbst mit ein. Gastreferenten sind willkommen und können unsere boomende Branche positiv vorstellen. Seien Sie Bot-schafter wie unsere TV-Köche. Die Autoren machen dies seit Jahren mit Freude und viel Erfolg bei der Talentsuche. 5/2014 45


first_class_05_2014
To see the actual publication please follow the link above