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Foto: Strohbehn, Tork in das Reisegepäck der Gäste gelangen. „Der Hotelier muss hier sein Personal schulen, in-dem das Housekeeping z. B. beim Bettenmachen bereits auf Wanzen ach-tet“, rät Robert Biebl, der selber auch Schu-lungen anbietet. „Häu-fig befinden sich kleine Blutflecken als Folge von einem Wanzenbiss auf der Wäsche.“ In diesem Fall muss der Fachmann zurate gezogen werden. „Bei der Wanzen-bekämpfung muss inzwischen alles zerlegt werden“, erklärt Robert Biebl. Die Wände werden freigeräumt, die Kopfteile des Bettes sowie sämtliche Steckdo-sen und Schalter freigelegt, die Matratze entfernt und die Lattenroste aufgestellt. An-schließend wird eine Kontaktbe-handlung durch-geführt, indem die Wände mit einem Insektizid behandelt werden. Die nächste Möglich-keit ist die Wärmebehand-lung. Dabei werden die Wanzen durch die Hitze eines im Raum platzierten elektrischen Ofens und die damit einhergehende Ei-weißzersetzung abgetötet. Ento-mologen raten dazu, das Zimmer erst nach ein paar Tagen wieder zu belegen. Als Leitfaden emp-fiehlt der Schädlingsbekämpfer Hoteliers den Europäischen Ko-dex für Bettwanzenbekämpfung, der im Internet zu finden ist. „Wir bitten die Hoteliers, die Betten nach einer ersten Maßnahme frisch zu beziehen“, erläutert der Geschäftsführer und erzählt an-schließend von neuen Wäsche-säcken, die sich beim Waschen auflösen. Bei 50 bis 60°C werden die Wanzen dann in der Maschi-ne abgetötet. Für die verschiedensten Insekten gibt es zudem Pheromonfallen, die z. B. im Trockenlager einer Gastronomie aufgestellt werden. „Dörrobstmotten fühlen sich hier wohl und gehen an alle stärkehaltigen Trockenwaren – von Nudeln, getrockne-tem Obst, Schokolade bis zu Gewürzen wie Pfeffer oder Chili.“ Alle Verpackungen müssen bei einem Be-fall kontrolliert wer-den. „Die Nachkon-trolle ist sehr wich-tig“, betont Robert Biebl. Allerdings gibt es keine langfristige Gewährleistung für einen späteren Neubefall. „Der Schädlingsbekämpfer kann sich nach Absprache aber zu einer Nachbearbei-tungsverpflichtung bereiter-klären“, informiert der erfah-rene Schädlingsbekämpfer und appelliert an die Verantwortung der Hoteliers und Gastronomen. Durch eine stichprobenartige Kontrolle des Warenein-gangs wird z. B. das Risiko eines Befalls von Außen reduziert. Auch gebäude-technische Schwachpunkte wie defekte Fliesen und Fugen oder ein zu großer Abstand zwischen Tür und Boden sind zu vermeidende Schlupflöcher. „Schädlingsbekämpfer und Gastronomen müssen an ei-nem Strang ziehen“, betont er. Und was ist für Robert Biebl das Besondere an seinem Be-ruf? „Es gibt keine Norm, kein Fall ist wie der andere“, zeigt sich der Experte begeis-tert und erzählt von einem Auftrag, bei dem er und sein Team Wachsmotten aus einem stillgelegten Kamin entfernen mussten, in dem sich wilde Bienen niedergelassen hatten. „Schädlingsbekämpfung ist nun mal kein Artikel, der über den Ladentisch geht, sondern inkludiert eine individuelle Beratung, Unterstützung und Aufklärung.“ tin www.bieblsoehne.de hygiene Siegel plus Eine gute Hygiene sollte Hotelstandard sein. Warum tragen sogar Hotels wie das Vier Jahreszeiten Kempinski München „Ein Stern mehr“? Katrin Ferge (K.F.): Das Hin und Her um den Hy-gienepranger hat vor allem Verunsicherung gebracht. Den Gastro-Betreibern sitzt eine oft ungerechtfertigte Angst vor der öffentlichen Meinung im Na-cken. Und für die Verbraucher sind Unternehmen, die sich nicht in die Karten schauen las-sen, per se verdächtig. Daher haben wir 2012 ein proaktives, positives Zeichen gesetzt: Mit dem Hygienesiegel „Ein Stern mehr“ bieten wir Betrieben die Option, aktiv ihre hohen Hygienestandards aufzuzeigen. 2012 hat Tork das Hygienesiegel „Ein Stern mehr“ initiiert – ein Zwischenfazit mit Katrin Ferge, Brand Communications Manager von Tork, u. Herbert Trottberger, Sales Director von SCA Hygiene Products. Wo kann der Stern nachfassen, wo allgemeine Systeme oberflächlich bleiben? Herbert Trottber-ger (H.T.): Laut einer repräsentativen Tork-Studie haben 75 % der Deutschen schon e i n - mal ein Restaurant wegen mangelnder Sauberkeit ver-lassen. Das zeigt nicht nur den Stellenwert der Hygiene, es legt den Finger in eine Wunde: Denn das, was der Gast sieht und beurteilt, sind nicht die tatsächlichen hygienischen Zustände, sondern sein sub-jektiver Eindruck. So kann z. B. die Küche und der Waschraum picobello sein, aber ein flecki-ges Tisch-tuch oder ein unange-nehmer, aber nicht unhygienischer Geruch können das positive Bild schädigen. Da-her überprüfen wir nicht nur das gesetzlich vorgeschriebene Hygi-enemanagement, sondern auch alle Gästekriterien. Inwiefern profitieren die zertifzierten Hotels davon? Welche weiteren Pläne haben Sie? K.F.: Laut GfK-Umfrage spielen Auszeichnungen für Qualität, Sauberkeit und ökolo-gi s che Verantwortung für über die Hälfte der Deutschen eine wichtige Rolle bei der Aus-wahl des Restaurants oder Ho-tels. Bisher haben zwölf Unter-nehmen das Siegel. H.T.: Wir planen es auch in Ös-terreich und der Schweiz zu etablieren und passen es an die landesspezifischen Bedürfnisse an. Zudem planen wir für zerti-fizierte Häuser einen Hygiene- Stern-Club mit exklusiven Hy-gienetipps. Vielen Dank für das Gespräch. www.tork.de syk Wanzen im Bett, Mäuse im Gastraum – damit der Alptraum Theorie bleibt, sind Schädlingsbekämpfer wie Robert Biebl mit Hoteliers Hand in Hand im Einsatz. 4/2014 53


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