Schädlingsbekämpfung: Augen auf und durch

first_class_04_2014

Fotos: © mrkob – Fotolia.com Kunden geht bzw. in digitaler Form zur Verfügung gestellt wer-den kann. Findet eine Ins-pektion statt, muss der Hotelier nur noch seinen Ordner mit Ver-trägen und Kontrolldokumenten vorzeigen. Aus dem Ordner geht auch der Kontrollturnus und der allgemeine Schriftverkehr her-vor. „Bei der Schabenbekämpfung besteht seit fast 20 Jahren die Möglichkeit eines sogenannten Gel-Verfahrens“, erläutert der Fachmann Dabei handelt es sich um einen Fraßköder in pastöser Form, der sich in kleinen Kar-tuschen mit einer speziell dafür konstruierten Pistole befindet. „Damit platzieren wir kleinste Pünktchen dort, wo sich Scha-ben bewegen“, skizziert Robert Biebl. Das Gel enthält zu 99,9 % lebensmittelähnliche Lockstoffe und nur 0,1 % des abtötenden Wirkstoffs. „Es ist enorm wich-tig, dass die Küche in allen Be-reichen hygienisch sauber ist, ansonsten ist das Nahrungsan-gebot für die Schabe zu groß“, begründet der Experte. „Vor al-lem Geräte, die auf Sockeln ste-hen, sollten von unten gereinigt werden.“ Die Schaben halten sich in warmen Hohlräumen wie Tellerwärmern auf und kommen zum Fressen heraus. Um die Tie-re zu finden, müssen Türen und Klappen geöffnet werden. Gene-rell gibt die Gesetzgebung vor, nach dem sogenannten Minimie-rungsgebot zu handeln, d. h. der Schädlingsbekämpfer muss das Verfahren einsetzen, das am we-nigsten gefährlich und umwelt-belastend ist. Wider Zimmergenossen In der Hotellerie sind Wanzen häufig ein multinationales Pro-blem. Die Tiere verstecken sich in Ritzen, Spalten und Fugen, aus denen diese dann z. B. heute ein Aus-bildungs-beruf ist. Käfer-Kontrolle hygiene Augen auf und durch Es hängt von der Größe und Struktur eines Hotels ab, ob und wie häufig es re-gelmäßig durch ein Schädlings-bekämpfungs- Unternehmen kontrolliert werden muss. Vier-mal ist laut Robert Biebl das mindeste, sechsmal im Jahr bei kleineren Betrieben empfehlens-wert und bei großen Hotels bis zu zwölfmal. Auf Schaben legt er dabei ein besonderes Augenmerk und er-kennt wie seine Kollegen schnell, ob ein Befall z. B. im Bereich einer Spülmaschine besteht. Bereits bei der Küchenplanung kann vorgesorgt werden: Geräte sollten so platziert werden, dass diese vom Küchen- und Reini-gungspersonal von allen Sei-ten zugänglich sind. „Die Käfer wissen, wo sie ungestört sind, wo alles dunkel und ruhig ist“, erklärt Robert Biebl. In diesen Bereichen setzt er sogenannte Kontrollpunkte – also Etiketten, die an die Wand geklebt werden, ohne offensichtlich zu sein. Hier befinden sich Lockstofffallen für Schaben, die an diesen kleben bleiben. Zudem gibt es Scanner- Systeme, mit denen der Fach-mann über den Fallen-Barcode fährt und Daten speichert. Die Dokumentation über die Kont-rolle wird nach jeder Maßnah-me ausgedruckt und in Ordnern abgelegt, wovon einer im Unter-nehmen bleibt und einer an den Kind bin ich in den Ferien zu Einsätzen mitgefahren und habe bei der Rattenbekämp-fung zugeschaut“, erinnert er sich und lässt einmal mehr die Begeisterung für seinen Beruf erkennen. Inzwischen arbeiten auch seine Söhne hier. „Als ich vor 47 Jahren in das Familien-unternehmen einstieg, begann gerade die klassische Schäd-lingsbekämpfung. Über die Jahrzehnte hat sich das Berufs-bild sehr verändert“, resümiert der Experte. Doch nicht nur das. Früher war z. B. das Firmenlogo auf dem Dienstauto gut sicht-bar. Heute klebt lediglich ein kleiner QR-Code am Auto, der Interessierte zur Homepage des Familienbetriebs führt. „Damit kommen wir dem Wunsch unse-rer Kunden nach einem neutra-len Fahrzeug entgegen“, erklärt Robert Biebl und ergänzt: „Dis-kretion hat für einen Schädlings-bekämpfer höchste Priorität.“ Wie in der Medizin müsse dabei zunächst eine Diagnose gestellt und dann eine Therapie einge-leitet werden – ohne Holzham-mer- bzw. Giftspritzenmethode. Schnell wird klar, warum der Schädlingsbe-kämpfer Er hat die Lizenz zum Tö-ten, genauer gesagt, „die Befähigung zum Töten von Wirbeltieren“. Schädlings-bekämpfer wie Robert Biebl brauchen diese Auszeichnung, um die Bekämpfung von Ratten und Mäusen durchführen zu dürfen. Eine weitere Vorrausset-zung für einen Fachmann ist die Beachtung tierschutzrechtlicher Aspekte. Denn wenn ein Nager in einem mechanischen Fallen-system nicht abgetötet ist, muss der Fachmann dies nachholen. „Inzwischen gibt es Systeme, die mir per Internet auf meinem Smartphone anzeigen, wo eine Ratte oder Maus in die Falle ge-gangen ist“, beschreibt Robert Biebl, der mit Kaschmirpullover und buntem Seidenschal wohl weit entfernt ist von der verbrei-teten Vorstellung eines Schäd-lingsbekämpfers im grauen Ove-rall. Der Begriff „Kammerjäger“ ist seiner Meinung nach nur ein Relikt aus früheren Zeiten. Denn nicht im dunklen Kämmerlein, sondern zusammen mit Men-schen arbeitet er in der vierten Generation seit fast 50 Jahren im 1893 gegründeten Unternehmen Biebl & Söhne Hygiene in Tauf-kirchen bei München. „Schon als 52 4/2014


first_class_04_2014
To see the actual publication please follow the link above