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Fotos gelöchert und weiß, dass einige Azubis be-reits in der Berufsschule von ihrem Abend-essen mit dem Chef erzählt haben. Aber was hat das mit dem Preis zu tun? Als Bodo Janssen Anfang 2013 von der erstmaligen Vergabe des von first class und der Deut-schen Hotelakademie (DHA) ausgeschriebe-nen Hospitality HR Awards für erfolgreiche Personalkonzepte liest, nimmt er dies zum Anlass, erstmals seinen Personalweg aufzu-schreiben – und überzeugte die Jury sofort mit dem Gewinn des ersten Platzes in der Kategorie Kettenhotels. Es folgten etliche Einladungen zu Tagungen, Kongressen und Buchprojekten in Bereichen und Branchen aller Art, das Angebot für einen Lehrauftrag und schließlich der Gewinn weiterer Preise. Bodo Janssen hat quasi eine HR-Karriere genommen, doch das würde er nie so sagen. „Eines hat das andere ergeben“, erklärt er mit geläutertem Blick. „Durch das Kennen-lernen neuer Menschen und ihrer Projekte haben wir zusammen immer wieder etwas Neues anstoßen können.“ Man muss weiter zurückspulen – etwa fünf Jahre – um zu verstehen, welchen Weg die ostfriesische, familiengeführte Hotelgruppe gegangen ist. Damals war vieles nicht in Ordnung. Stimmten zwar die Zahlen und Wachstumsprognosen, so zeigten sich deut-liche Risse im Personalfundament. Ein Mit-glied aus dem Führungsteam blickte sich in der Folge im Team um, hörte den Kollegen zu und erklärte Bodo Janssen schließlich ir-gendwann ohne Umschweife, dass das Bild, das er von seinem Unternehmen hat, nichts mit der Realität zu tun hat. Eine interne Mit-arbeiterumfrage 2010 macht dies schließlich amtlich: Mehr als eine Schulnote zwischen vier und fünf gaben die Mitarbeiter in puncto Zufriedenheit nicht. Viele haben vor allem Probleme mit dem Führungsstil ihres direk-ten Vorgesetzten und fühlen sich schlicht-weg schlecht geführt. Bodo Janssen ist geschockt und betroffen. Es nagen Selbstzweifel am Sinn und Ziel des Unternehmens, das er ein paar Jahre zuvor von seinen Eltern übernommen hatte, und er fängt an, neben des operativen Geschäfts, sich selbst neu zu hinterfragen, will wissen, Dienst leistungswe g was glückliche Mitarbeiter und Unternehmer ausmacht und sucht und findet Antworten u. a. im Kloster bei Pater Anselm Grün und dem Psychologen Dr. Friedrich Assländer – eineinhalb Jahre lang. „Im Spannungsfeld zwischen Spiritualität und Wissenschaft be-gannen wir hier, über das Thema Führung zu ,meditieren‘“, erklärt er und zeichnet dabei auf der Serviette mit dem Finger immer wie-der Pyramiden und Kreise auf. Zwei deutli-che Erkenntnisse brachte der reflektierende Weg zu Tage: Es wird zu viel geführt und zu wenig gemanagt. Und: Nur wer sich selbst führen kann, kann auch andere führen. Führung ist in diesem Sinne kein Privileg, sondern eine Dienstleistung und sollte dem Team optimale Rahmenbedingungen schaf-fen. Eine werteorientierte Führung kann die Zufriedenheit wesentlich steigern. Als Bodo Janssen nun mit diesen Erkenntnis-sen im Hintergrund sein Führungsteam mit den Ergebnissen der Mitarbeiterumfrage konfrontiert, erlebt er auch hier zunächst ungläubiges Entsetzen und vor allem eine sich ausbreitende Leere. Schnell


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