Page 31

first_class_01_02_2014

statt beliebige Regionalität Fotos funktioniert nur dort, wo es eine Lücke im Preis-/Leistungsverhältnis gibt. Qualitativ gute und preiswerte Marken lassen keinen Platz für den Handel. Für die Profiküche hat die Industrie aber nicht überall gute Antworten, daher ist die Eigenmarke des Handels eine Folgeerscheinung. Wir sehen neben der gleichen Qualität zum besseren Preis den großen Vorteil der Eigenmarke in der Preisstabilität. Wir verhandeln mit dem Produzenten unserer Eigenmarken einen viel längeren Preiszeitraum als wir ihn bei der Markenartikelindustrie bekommen. Davon profitiert unser Kunde enorm; er will Sicherheit für seinen Wareneinsatz. Wie stellen Sie Ihr Sortiment zusammen? Wir stellen uns als Vollsortimenter auf. Je breiter die Palette ist, die ein Kunde bezieht, desto weniger Prozesskosten haben beide Seiten, was sich wieder im Preis bemerkbar macht. Wenn wir einen unterdurchschnittlichen Anteil in einem Sortimentsbereich haben, dann blicken wir auf Umfang, Preis und Qualität unseres Angebots und regulieren nach. Wichtig ist, dass das Sortiment immer auf dem Prüfstand steht. Dafür beziehen wir die Waren auch nur von zertifizierten Lieferanten. Regionalität liegt Ihnen am Herzen. Wie ist sie mit den Absatzmengen und Lieferradien einer Großhandelsstruktur vereinbar? Regionalität ist ein Modewort, dessen Inhalt beliebig geworden ist. Aus Interpretationsnot haben viele daraus eine Kilometeranzahl um den Ort des Kaufens gemacht. Wir haben festgestellt, dass es nicht die Kilometer sind, die zum Regionalkauf motivieren. Vielmehr sind sie ein Versuch, ein greifbares Produkt zu haben, nicht ein Produkt, bei dessen food Intransparenz man kein gutes Gefühl hat. Man will Vertrauen und Anständigkeit bei den Produkten – Motive, die wir gemeinhin durch Nähe bekommen und dann auf Kilometerangaben übertragen. Schlechte Produkte kommen auch aus irgendeiner Region, und sind in ihrer Heimat nicht besser sind als hier. Daher haben wir die Marke „Ursprung“ ins Leben gerufen, bei der wir Kriterien wie Tierwohl, Fütterung und Haltung in den Fokus stellen. Wenn wir einen Bauern finden, der mit Herzblut für das Produkt steht und die Transparenzkriterien erfüllt, darf er auch aus einer anderen Ecke Deutschlands kommen. Wir geben ihm Sicherheit für den Verkauf seiner Produkte, er gibt uns Transparenz und Sicherheit in der Qualität. Jemand, der einen fairen Preis und eine Garantie bekommt, hat keine Notwendigkeit mehr zu betrügen. Das Problem ist manchmal der Preis, denn das kostet Geld und das kann und will sich nicht jeder leisten. Ein Umdenken findet aber langsam statt. Wir sehen, dass wir mit diesen lokalen Bauern gemeinsam eine Erfolgsstory schreiben. Welche Rolle spielen bestimmte Zertifikate? Zertifikate sind ein Beweis, dass das Unternehmen sich messen lassen will. Eine Reihe von anerkannten Zertifikaten heißt, wir nehmen ernst, was wir für unsere Kunden leisten. Wir sind nicht nur „mal“, sondern seit Jahren IFS Higher Level in allen unseren Standorten zertifiziert, das ist meines Wissens nach einmalig in unserer Branche. Wir nehmen ernst, was wir tun und erwarten das auch von unseren Lieferanten. Was bedeutet es, ein guter Großhändler mit Mehrwert zu sein? Es bedeutet, dass der Großhändler flexibel ist, weil sein Kunde auch flexibel sein muss. Man muss sich verändern, ein Gast will doch schon lange nicht mehr nur satt werden. Man muss im Produkt und Prozess immer wieder neue Dinge aufnehmen und alte fallen lassen. Wer das nicht kann, wird als Händler nicht mehr lange dabei sein, weil er seinem Kunden keine Impulse bieten kann. Niemand braucht einen Partner, der ihn nicht weiter bringt. Danke für das Gespräch. kir www.transgourmet.com 1-2/2014 31


first_class_01_02_2014
To see the actual publication please follow the link above