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Fotos hotelkonzepte Alpines Asien Es darf nicht wie Disneyland in der Schweiz aussehen. Darüber waren sich der belgische Architekt Jean-Michel Gathy und der ägyptische Eigentümer Samih Sawiris beim Projekt Andermatt Swiss Alps einig – auch wenn die Kritiker, wie üblich bei Großprojekten, daran zweifelten. Denn auf einer Fläche von 1,4 Mio. m² mitten in Alt-Andermatt und drumherum ein Neu- Andermatt mit sechs Hotels im Vier- und Fünf-Sterne-Segment, 42 Apartmenthäusern, 25 Villen, Kongresseinrichtungen für bis zu 600 Gästen, einem Hallenbad und einem Golfplatz zu kreieren, mutete für viele in der Schweiz als zu groß und zu teuer an. Doch die Andermatter selbst waren es, die sich von Beginn an begeistern ließen, denn trotz 100-jähriger Geschichte als beliebter Ganz-jahres- Urlaubs- und Kurort drohte dem ca. 1.300-Einwohner-Dorf revolutioniert – mit ein ganzes Dorf das das europaweit Ein Hotel, Andermatt Effekt ist jetzt in verspricht diesem gegangen. Es erste Chedi an den Start Erwartungen geweckt hat. noch mehr als es vor zehn Jahren durch den Abzug der Schweizer Armee und einem Einwohnerschwund die ökonomische Be-deutungslosigkeit. Allen Bewohnern und Politikern im Urserental war klar, dass hier zur Rettung etwas Großes passieren musste. Der frühere Schweizer Botschafter in Ägyp-ten war es schließlich, der 2004 Samih Sawiris nach Andermatt einlud, der in Ägyp-ten mit seiner Familie ein Imperium in den Bereichen Telekommunikation, Bau und Ho-tellerie besitzt und Projekte wie die Ferienanlage El Gouna am Roten Meer realisiert hat. Sofort schwärmte er vom Urserental und schlug bald den Bau eines Tourismusresorts mit 3.000 Betten vor. Die Gemeinde und ihre Bewohner gewann er dafür schnell, übte sich von Anfang an in Transparenz und Respekt vor den Wünschen der Bewohner und erreichte schließlich 2007 bei einer Volks-abstimmung eine Projektzustimmung von 96 %. 1,8 Mrd. Franken werden nun durch die gegründete Andermatt Swiss Alps in die Hand genommen, um innerhalb von rund zehn Jahren das Tourismusresort möglichst nahtlos und organisch mit dem historisch ge-wachsenem Dorf zu verbinden – in Etappen, basierend auf der Nachfrage. Die Einwoh-nerzahl wird sich nach Projektabschluss ver-doppelt haben. Lehrstände wie in anderen Destinationen will man vermeiden, indem die Eigentümer eine Vermietungspflicht ha-ben werden – bloß kein Disneyland eben. 1, 2 ... 200 Kamine Anstelle des seit langem abgerissenen Grand Hotel Bellevue ist am 6. Dezember 2013 nun das Chedi Andermatt als Wahr-zeichen des neuen Resorts spektakulär an den Start gegangen – pünktlich, auch um zu zeigen, dass das Projekt hält, was es ver-spricht. Der vor allem in Asien aktive Betrei-ber General Hotel Management (GHM) fei-ert hier mit seinem General Manager Alain Bachmann zugleich seine Europa-Premiere und schafft es, in der mit Luxusresorts der Neuzeit verwöhnten Schweiz neue Maßstäbe zu setzen. Jenseits schallender Grand-hotel- Hallen wird der Gast hier in asiatisch-fließender Stille mit zahlreichen ka-min- umsäumten Lounge-bereichen empfangen. Die 13 m lange Holzrezeption geht unaufgeregt in die Bar über. Der Skibutler nimmt in sei-ner Lounge Snowboards & Co. entgegen, während andere Gäste bereits auf den 35 m langen Pool blicken, der sich hinter Glas mit acht Kaminen und Sofas im 2.400 m² großen Spa präsentiert. Um keinen Gebäudekoloss gegenüber des Bahnhofs zu setzen, besteht das Chedi Andermatt aus vier, chaletartigen Häusern, die im Inneren fließend ineinander über-gehen und außen die Dorfstruktur wie-dergeben. „Wir wollten kein traditionelles Holzchalet bauen, weil es bei fünf bis sechs Stockwerken peinlich aussieht, wie eine Fälschung“, erklärt Jean-Michel Gathy, der seit 30 Jahren in Kuala Lumpur als Architekt arbeitet und u. a. das The Chedi Muscat ge-plant hat. „Daher haben wir Stein als Sockel genommen und diesen auf drei Etagen ver-arbeitet.“ Werden die Balkone normalerwei-se durch Träger gestützt, wurde hier vor der Gebäudewand ein vertikales Gitterraster installiert. „Das ganze Gebäude ist zurück-haltend zeitgemäß, mit vorgespanntem Glas, Steinen, die bewusst nicht exakt zugeschnit-ten sind, und einem Glasvorbau am Eingang statt einem altmodischen Vordach“, führt Jean-Michel Gathy weiter aus. „Das Hotel ist klassisch im Bezug auf seine Grundsub- 1-2/2014 15


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