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Fotos einrichtung Grenzenlos Das Wichtigste ist, dass die Barrieren in den Köpfen verschwin-den“, betont Patrick Dohmen, Geschäftsfüh-rer der RAL Gütege-meinschaft Barrierefrei e. V. Denn es gehe beim Thema Barriere-freiheit um weit mehr, als körperlich behinderte Personen, für die „sinnbildlich immer der 50-jährige Rollstuhlfah-rer steht“. Es gilt, weiter zu blicken – und z. B. auch kleine Kinder, Senioren und Fa-milien zu berücksichtigen. „Natürlich ist es unbedingt notwendig, Gästen mit einer Behinderung, zu denen auch Rollstuhlfahrer gehören, einen uneingeschränkten Hotelaufenthalt zu bieten“, erklärt Patrick Dohmen. Doch auch die demografische Entwicklung dürfe bei diesem gesamtge-sellschaftlichen Thema nicht außer Acht gelassen werden. „Die Menschen werden älter, deshalb sehen die Bedürfnisse in 20 Jahren anders aus. Also müssen wir heute etwas ändern.“ Diesen Prozess sieht Patrick Dohmen als Chance. Das RAL Gütezeichen z. B. dient Hoteliers dabei als Wegweiser. „Unsere Prüfung erfolgt durch Betroffe-ne – ob Menschen mit einer Behinderung, Senioren oder Familien“, beschreibt der Geschäftsführer. „Anschließend geben wir Empfehlungen und begleiten Hotels, damit sie das Gütesiegel erhalten.“ Das große Ganze Strebt ein Hotel Barrierefreiheit an, sollten Planung und Durchführung nicht halbher-zig geschehen. „Es ist wichtig, von Anfang an mit Spezialisten zusammenzuarbeiten und sich selbst und sein Umfeld für die-ses Thema zu sensibilisieren“, resümiert Patrick Dohmen. Das bedeutet, dass sich Barrierefreiheit nicht allein auf ein Hotel, sondern auf seine gesamte Umge-bung bezieht. „Seen oder Berge innerhalb der De-stination müssen durch Stege bzw. Bergbahnen barrierefrei gemacht wer-den.“ Auch Martin Bünk, Präsident beim Verbund der Embrace Hotels bestätigt, dass das ganze Umfeld bedacht werden müsse: „Ein Zimmer für Rollstuhlfahrer nützt nichts, wenn der Gast nicht selbst-ständig zum Hotel anreisen oder vom Park-platz zum Hotel gelangen kann.“ Er nennt ein weiteres Beispiel: „Ein Urlaubshotel in Meernähe muss sicherstellen, dass der be-hinderte Gast an den Strand und ins Wasser kann.“ Um diese Bedingungen und mögli-che Veränderungen zu ermöglichen, ist die Unterstützung von Stadt und Tourismusver-bänden nötig. „Wir haben z. B. den Bürger-meister einer Stadt ‚blind gemacht‘ und ihn dadurch für seine direkte Umwelt sensibili-siert“, beschreibt Patrick Dohmen und er-gänzt: „Gibt es in einem Haus nur Treppen und keine Möglichkeit, einen Aufzug ein-zubauen, kann dieser z. B. außen installiert werden oder barrierefreie Zimmer werden ins Erdgeschoss verlegt.“ Zudem sollten barrierefreie Zimmer auch nicht wie Kran-kenhauszimmer wirken. Hilfen wie spezi-elle Leuchtwecker oder Haltegriffe lassen sich lagern und nur bei Bedarf einsetzen. „Eine Art Normalität ist wichtig – für die eingeschränkte Person sowie für seine Begleitung“, erklärt der Geschäftsführer der Gütegemeinschft. Auch das Thema Denkmalschutz müsse bedacht werden: Befindet sich vor dem Hotel eine Treppe, an der nichts verändert werden darf, rät der Geschäftsführer zu einer Klingel mit dem Ein barrierefreies Hotel bedeutet, dass es sich auf alle Gäste einstellt – da ist eine Rollstuhlrampe am Eingang nur ein kleiner Teil. Foto: © Sergey Nivens_Fotolia 12/2013 35


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