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Fotos: Norwegian Seafood Council (NSC) In Norwegens Fischindustrie geht es um mehr als den ökonomischen Gewinn. Bei den Fangquoten orientieren wir uns auch an ökologischen und sozialen Komponenten. Die Norwegische Fischereidirektion kontrolliert am Ort der Anlandung sowie beim Ver-kauf und vergibt vor dem Weiterverkauf eine Fangbescheinigung. So können wir die Fangmengen korrekt mit den Quoten abglei-chen. Bevor ein norwegischer Fischer über-haupt mit dem Fischfang beginnt, muss er sich eine Quote zuteilen lassen, die auf dem zu erwartenden Fangergebnis basiert. Die norwegische Küste gehört damit zu den weltweit am besten überwachten Seegebieten. Kann man Nachhaltig-keit nur restriktiv durchsetzen? Wir glauben, dass nur eine kontrollierte Meeresbewirtschaftung und ein schonender Umgang mit Fang und Zucht die Zu-kunft, Leistungsfähigkeit und Reichhaltigkeit der Fischbe-stände sichern. Kontrolle und Reglementierung sind also wichtige Teile unseres Nach-haltigkeitsmodells. Welche Rolle spielt die Wissen-schaft bei der Entwicklung neuer Fangtechniken? Eine entscheidende. Um sowohl den Bestand wilder Fische zu sichern als auch die Fischzucht nachhaltig zu betrei-ben, wird eine umfassende wissenschaftliche Forschung betrieben. Wir arbeiten eng mit unabhängigen Wissenschaftlern zusammen, um die Fangtechniken weiterzuentwickeln. Unser Fokus liegt auch hier auf der Zusam-menarbeit: Wenn Wissenschaft, Behörden, Umweltverbände und Unternehmen vom kleinen Kutterfischer bis zum großen Unter-nehmen zusammen an bestanderhaltendem Fischfang und zukunftsorientierter Fisch-zucht arbeiten, gibt das dem Fischereigewerbe Sicherheit. Fisch aus Aquakultur – wie garantieren Sie dabei eine naturnahe, artgerechte Haltung? Wie kann auf den Einsatz von Hormonen und Medikamenten im Futter verzichtet werden? Fische aus Aquakultur reifen genau wie in der Natur in den klaren, kalten Gewässern der norwegischen Fjorde. Sie verbringen das erste Jahr in der Sicherheit eines Aufzucht-beckens bis sie für ein Leben in den salzigen Fjorden stark genug sind. Hier wachsen sie in den geschützten Meeresgehegen heran, die zu 97,5 % aus Wasser und max. 2,5 % aus Fischen bestehen. In den von Gezeiten durchströmten und kameraüberwachten Ge-hegen erhalten sie eine ausgewogene und mit Vitaminen und Mineralstoffen versehene Ernährung. Der Meeresanteil im Futter selbst wird dabei stetig reduziert, um natür-liche Ressourcen zu schonen. Auch der Ein-satz von Antibiotika wurde auf ein Minimum reduziert, und die Zeiten, als man in Fischen aus Aquakulturen Medikamentenrückstän-de fand, sind in Norwegen längst vorbei. Die geringe Fischdichte und die Ernährung ga-rantieren so, dass sich die Fische unter natur-nahen und artgerechten Bedingungen ent-wickeln. Die norwegischen Hochsee-Fischereien wurden mit dem Fischerei-Siegel des MSC ausgezeichnet. Was bedeu-tet das? Die Fischbestände in Norwegen sind seit langem die höchsten. Dies ist auch Folge des Nachhaltigkeitsprogramms, über das wir mit Kristin Pettersen vom Norwegian Seafood Council sprachen. Die norwegische Fischin-dustrie macht sich stark für die konsequente Umweltkennzeich-nung ihrer Produk-te. Eines der füh-renden Gütesiegel für nachhaltigen Fischfang ist das MSC-Siegel, das auf Antrag erteilt wird. Darüber hinaus muss die Fischindustrie bereit sein, die Abgaben zu zahlen, die von den Kennzeichnungsorganisationen erhoben werden. Im Gegensatz zu anderen Län-dern lässt Norwegen den gesamten Fisch-bestand nach MSC-Richtlinien untersu-chen – nicht nur jenen, der von bestimmten Fischereiunternehmen geliefert wird. Wir sind stolz darauf, dass mittlerweile drei Vier-tel der norwegischen Fischerei damit ausge-zeichnet sind – damit ist Norwegen die Nati-on mit dem höchsten Grad der Zertifizierung, und wir sind überzeugt, dass man das auch schmeckt! food Die Fischbestände in Norwegen sind auch die höchsten seit Jahrzehnten. Warum? Norwegen hat vor 20 Jahren gelernt, was passiert, wenn man die Fischerei nicht nach-haltig betreibt. Damals waren die Bestände des Kabeljaus bedroht, und die norwegische Fischereipolitik reagierte schnell und konse-quent: Der Schutz der Fische hatte seitdem absoluten Vorrang. Fischer, Behörden und wissenschaftliche Institutionen zogen an einem Strang, um eine ergiebige und fort-schrittliche Fischindustrie zu erwirtschaften. Heute sind die Kabeljau-Bestände z. B. auf dem höchsten Niveau seit den 1940er Jahren. Dafür sind alle Fischer in norwegischen Gewässern strengen Fangquoten und Umweltauflagen unterworfen. Die positive Rückmeldung aus dem Meer ist für uns bestes Beispiel und Ansporn, dass die Wechsel-wirkung zwischen konse-quenter Regulierung und profitablem Fang klar er-sichtlich ist. Welche Verantwortung und Aufgabe trägt dabei das NSC in Deutschland? Wir glauben, dass die bes-ten Fische und Meeresfrüchte aus Norwegen kommen – und dass Geschmack und Genuss eng mit Qualität und Nachhal-tigkeit zusammenhängen. Denn der Nährwert von Fisch ist nicht nur abhängig von der Zubereitung, sondern auch von Faktoren wie Her-kunft, Zucht und Herstellung. Das möchten wir auch und verstärkt in Deutsch-land kommunizieren, denn Deutschland ist und bleibt einer der wichtigsten Im-porteure von norwegischem Fisch und Meeresfrüchten. Unser Fokus liegt dabei auf den zwei Kernpunkten Herkunft und Nachhaltigkeit, und gerade hier setzen wir uns verstärkt für die Verbreitung und Bekanntmachung unseres Norge-Siegels in Deutschland ein. Das Norge-Logo signali-siert und garantiert qualitativ hochwertigen, nachhaltigen Fisch aus Norwegen und leitet Küchenchefs und Verbraucher bei der Su-che nach nachhaltigen Produkten an. Wir möchten so Impulse geben, um konstant den Austausch über nachhaltige Fischerei in der nationalen und internationalen Gast-ronomie fortzusetzen und weiter zu fördern. Herzlichen Dank für das Gespräch. dmp 12/2013 33


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