Page 65

first_class_11_2013

Fotos: privat schätzenden Umgang mit Azubis und allen Mitarbeitern ist ein nachhaltig angelegtes Projekt, das langsam, aber sicher wirkt.“ Es ließe sich als ein Stück Veränderung einer ganzen Branche verstehen und würde auch die Wertschätzung dieses Berufs in der Öf-fentlichkeit positiv verändern. Konkrete Zahlen über die teilnehmenden Betriebe werden nicht erhoben. Um Ehrenrettung für die Branche ist man beim baye-rischen Verband angesichts der Abbrecherzah-len aber redlich Im Gastgewerbe ist die Zahl unbesetzter Lehrstellen und Azubi-Abbrüche bekanntermaßen hoch. Neue Initiativen und Beratungsangebote sollen dies stoppen. Doch auch ein Wandel in der Unternehmenskultur tut not. bemüht, indem Angela Inselkammer darauf verweist, dass sich die Ausbildungsabbrecherquoten re-lativieren, wenn man bedenke, dass in die Quote auch die Azubis als „Abbruch“ ge-wertet würden, die in einen anderen Gast-gewerbeberuf wechseln. Unüblich sei die-ser Wechsel nicht. Indes reichen die Deho-ga- Pläne noch etwas weiter: Demnächst soll mit der IHK eine Ausbildungszertifizierung entwickelt werden, nach der sich sowohl die Ausbildungsberater der IHK und der Arbeitsagentur, als auch Schüler und Eltern bei der Auswahl des richtigen Ausbildungs-betriebs richten können. Ausbilder fördern Eine Vorbildfunktion hat das Projekt „Ab-bruch vermeiden – Ausbildung begleiten“ der IHK Stuttgart, das Einzelfallberatungen für Azubis anbietet, die Probleme mit ihrem Ausbilder haben (www.stuttgart.ihk.de). Ziel ist es, durch Vermittlung und vertrau-liche Aussprache Ausbildungsabbrüche zu vermeiden und Azubi-Verhältnisse zu sta-bilisieren. Leiter des seit 2012 bestehenden und vom Landesministerium für Wirtschaft und Finanzen geförderten Projekts ist David Fais, der die Gründe für die Ausbildungs-abbrüche als komplex bezeichnet: „Gera-de in kleineren Betrieben besitzt man nur wenig Erfahrung mit der Auswahl geeig-neter Bewerber. Seitens der Azubis sind oft private Probleme oder mangelnde Mo-tivation Gründe, das Ausbildungsverhältnis in Frage zu stellen.“ Und das kommt den ausbildenden Betrieben teuer zu stehen: Die Kosten für eine Vertragslösung bei aus-zubildenden Köchen und Hotelfachleuten belaufen sich laut Berechnungen des BIBB auf 1.200 E. Dass sich die Ausbildungsqualität in den gastgewerblichen Betrieben grundsätzlich bessern muss, sieht auch Prof. Dr. Axel Gru-ner von der Fakultät für Tourismus an der Hochschule München als dringliche Auf-gabe. Hier gelte es, seitens des Betriebs die geeignetsten Ausbilder auszuwählen, zu fördern und ihnen die nötige Zeit für die qualifizierte Anleitung der Auszubildenden einzuräumen, betont er. Handlungsbedarf besteht aus seiner Sicht aber auch in der Notwendigkeit, auf die sich verändernden Erwartungen der „Generation Y“, d. h. die Erwartungen der nach 1980 Geborenen, einzugehen: „Die neue Generation ist sehr pragmatisch und koopera-tiv, sie denkt in Netzwer-ken. Die im Gastgewerbe zumeist star-ren Hierarchieebenen passen daher nicht zu ihren Wertvorstellungen. Daneben sind ihnen selbstständiges Arbeiten, Selbstverwirklichung, Gestaltungsspielräume, ein sicherer Arbeitsplatz, Weiterentwicklungs-möglichkeiten und ein Arbeitgeber, der zu ihrem Lebensstil passt, wichtig.“ Merle Losem, Akademische Leiterin der Deutschen Hotelakademie (DHA) in Köln, sieht das ähnlich. Sie betont, dass Arbeitgeber und Verbände um-denken und neue Wege gehen müssten, um junge Menschen für die Branche zu begeistern. „Der Spruch ,Lehrjahre sind keine Herrenjahre‘ hat heute immer noch Gültigkeit. Die Art und Weise, wie dieser aber heute noch immer in manchen Betrie-ben gelebt wird, ist allerdings nicht mehr zeitgemäß.“ Nathalie Kopsa statt Leerstellen Viele Betriebe, die motivierte Lehrlinge beschäftigen wollen, müssen zuerst ihre Hausaufgaben machen, darin sind sich Angela Inselkammer vom BHG und Prof. Dr. Axel Gruner von der Hochschule München einig. Beide haben dafür verschiedene Initiativen entwickelt. 11/2013 65


first_class_11_2013
To see the actual publication please follow the link above